Herzchirurgie - Mit kleinen Schnitten direkt zur Herzklappe
350 bis 400 Herzklappenoperationen stehen pro Jahr in der Herzchirurgie des Klinikums Nürnberg an. Dabei werden die erkrankten Herzklappen entweder rekonstruiert, also zum Beispiel wird die eigene Klappe wieder funktionsfähig gemacht, oder durch Prothesen ersetzt. „Musste bislang meist das Brustbein frontal eröffnet werden, liegt die Zukunft der Operationen am Herzen bei kleineren Schnitten beziehungsweise in der minimal-invasiven Chirurgie“, berichtet Prof. Theodor Fischlein, Chefarzt der Herzchirurgie.
Derzeit nimmt seine Klinik neben herzchirurgischen Zentren in Paris und Hannover an einer internationalen Studie teil, bei der nach Entfernung der erkrankten Aortenklappe eine nahtlose Aortenklappen-Prothese eingesetzt wird. Bei dieser neuen gerüstfreien Prothese kann im Gegensatz zu herkömmlichen Ersatzklappen auf eine Fixierung durch zahlreiche Nähte verzichtet werden. „Die Operationszeit und vor allem auch die Zeit, in der das Herz ohne Sauerstoffversorgung auskommen muss, kann damit“, so Fischlein, „nahezu halbiert werden.“
Während diese Methode noch Zukunftsmusik ist, sind die kleinen Schnitte in der Herzchirurgie bereits Alltag. Oft genügen nur sieben bis zehn Zentimeter große Schnitte, um eine biologische oder eine künstliche Herzklappe einzusetzen. Manchmal wählen die Herzchirurgen den Zugang zu den Mitralklappen auch von der rechten Seite zwischen den Rippen.
Wenn das Operationsrisiko zu hoch ist, weil die Patienten sehr alt sind oder zusätzliche Schädigungen von anderen Organen wie der Niere vorliegen, kann auch durch einen kleinen Schnitt in der Leistenarterie oder über die Herzspitze ein spezieller Ballonkatheter eingeführt werden. Der „sprengt“ die verengte Aortenklappe weg und eine Klappenprothese kann passgenau an der Stelle der alten Klappe verankert werden – und das bei schlagendem Herzen.
„Je kleiner der Schnitt, desto besser die Wundheilung, desto geringer ist das Infektionsrisiko und desto zufriedener ist der Patient mit dem kosmetischen Ergebnis“, erläutert der Chefarzt. Muss das Brustbein dagegen, wie noch in den überwiegenden Fällen, ganz oder nur zum Teil durchtrennt werden, benötigten die Patienten längere Schonung. Doch auch bei diesem Eingriff sind die Schnitte viel kleiner als noch in früheren Jahren. Findet die Operation bei schlagendem Herzen statt, ist das für den Patienten zudem sehr viel schonender. Das Herz muss dann nicht nach Anschluss der Herz-Lungen-Maschine durch Einspritzung einer Speziallösung zum Stillstand gebracht werden.
„Wichtig ist es in jedem Fall, den richtigen Zeitpunkt für den Eingriff zu wählen“, weiß der Chefarzt aus Erfahrung. Klagen die Patienten über Atemnot, schnelle Ermüdung und Schwindel oder sind sie schon einmal bei Anstrengung kurze Zeit bewusstlos geworden, dann liegt eine Erkrankung der Aortenklappe vor. Rhythmusstörungen, Wasser in der Lunge, bläuliche Lippen oder ein vergrößerter Herzvorhof deuten dagegen auf eine Erkrankung der Mitralklappe hin. In beiden Fällen führt ein zu langes Warten zu einem schlechten Pumpverhalten, einer gravierenden Schädigung des Herzmuskels bis zum Herzversagen.
„Eine rechtzeitige Operation kann den Herzmuskel entlasten, vor weiteren Schädigungen bewahren und eine bereits eingetreten Herzschwäche beseitigen oder verbessern“, erklärt Fischlein. Luftnot unter Belastung und eingeschränkte Leistungsfähigkeit gehören dann der Vergangenheit an.
Ventile im Herzen
Die vier Herzklappen wirken im Herz als Ventile. Sie verhindern einen Rückstrom des Blutes in die falsche Richtung. Jede Herzhälfte hat eine Segelklappe, die zwischen Vorhof und Herzkammer liegt, und eine Taschenklappe, die zwischen Kammer und Ausstromgefäß liegt.
Eine Fehlfunktion der Herzklappen kann eine oder mehrere Klappen betreffen. Bei einer Verengung (Stenose) kann die Herzklappe sich nicht richtig öffnen, der Blutfluss wird behindert. Bei einer Schwäche (Insuffizienz) schließt die Herzklappe nicht richtig. Die meisten Herzklappenfehler werden im Laufe des Lebens beispielsweise. durch Degeneration und Verkalkung oder durch entzündliche Erkrankungen erworben, selten sind sie angeboren. Die typischen Symptome sind Atemnot und Leistungsschwäche.
Ist die Herzklappe erkrankt, verkalkt oder vernarbt, kann der Herzchirurg sie rekonstruieren oder durch eine Herzklappenprothese ersetzen. Es gibt zwei Arten solcher Prothesen: Biologische Klappen, sie stammen meistens vom Rind oder vom Schwein, und künstliche Herzklappen aus Karbon. 200.000 Menschen in Deutschland leben mit Herzklappenprothesen.
Autorin/Autor: Bernd Siegler

