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Geburtshilfe - Bonding - der Beginn einer großen Liebe

Die Geburt – ein aufregender und einzigartiger Moment im Leben. Unter Schmerzen wird das Kind geboren, mit einem ersten Schrei bahnt sich das Neugeborene den Weg auf die Welt. Dabei sind Mutter und Kind von Hormonen und Endorphinen überflutet.

„Mit Kraft und einer ungeheuren Energie findet das Kind ins Leben“, so sieht Hannelore Köhler, Leitende Hebamme im Kreißsaal der Geburtshilfe im Klinikum Süd, die natürliche Geburt.

Das Hormon Oxytocin, das die Mutter bei der Geburt ausschüttet, beeinflusst nicht nur die Wehen oder stimuliert den Milchfluss in der Brust. In der modernen Forschung gilt es auch als das menschliche Bindungshormon. Während und nach der Geburt fließt das Oxytocin der Mutter den Neugeborenen nicht nur im Blut, sie riechen es auch im Schweiß ihrer Mutter. „So schafft das Oxytocin eine tiefe und dauerhafte Bindung zwischen Mutter und Kind, die für die nächsten 20 Jahre und noch viel länger hält“, zeigt sich Köhler überzeugt.

Für die 50-jährige Hebamme, die die Zahl ihrer Geburten längst nicht mehr zählt, ist Oxytocin daher ein „Liebeshormon“ und die Geburt der Beginn einer langen Liebesbeziehung zwischen Mutter, Vater und Kind. Ein enger Körperkontakt gehört zu diesem Verliebtsein unbedingt dazu: streicheln, schmusen, kuscheln, einander Dinge erzählen, innehalten, wärmen. Diesen intensiven Körperkontakt braucht ein Neugeborenes gleich nach der Geburt, um ein tiefes Vertrauen in sich und die Eltern wie auch in das Leben selbst zu entwickeln.

Geborgenheit: Mit dem Konzept des "Bonding" setzt die Geburtshilfe im Klinikum Nürnberg Süd auf die Kraft des engen Körperkontaktes zwischen Mutter und Kind
 

Mit dem Konzept des „Bonding“ hat diese Idee weltweit Einzug in die Geburtshilfe gehalten. Auch im Klinikum Süd setzen die Hebammen auf die Kraft des engen Körperkontakts. Unmittelbar nach der Geburt und dem Durchschneiden der Nabelschnur wird das Kind, so nackt wie es ist, der Mutter auf die Brust gelegt – Haut an Haut. Ist der Vater bei der Geburt dabei, so kann durch diesen engen Körperkontakt schon in der ersten Stunde eine tiefe Bindung zwischen den dreien entstehen. „Die Mütter und Väter genießen diese ersten Momente mit ihrem Kind“, weiß Wencke Naujakat, die schon über 2.200 Kindern auf die Welt verhalf.

Doch haben die Hebammen – meistens unbemerkt – natürlich längst einen prüfenden Blick auf das Neugeborene geworfen. Weist das Kind keine offensichtlichen Beeinträchtigungen auf, stehen die U1, die grundlegende Untersuchung des Kindes nach der Geburt, und der Umzug auf die Wöchnerinnenstation erst etwa eine Stunde später an. Eine Stunde also können die Eltern mit ihrem Kind im Kreißsaal bleiben.

Nicht bei allen Müttern ist eine natürliche Geburt möglich. Bei einem Kaiserschnitt wird allerdings kein oder nur wenig Oxytocin ausgeschüttet. Doch auch für diese Kinder ist das Bonding, der erste direkte Körperkontakt mit den Eltern von größter Wichtigkeit. Dann ist es Aufgabe der Väter, die beiden ersten Stunden des Neugeborenen mit „Nackt-Bonding“ zu überbrücken, während die Mutter noch medizinisch überwacht im Aufwachraum liegt. „Die meisten Männer machen das gerne und sehr liebevoll“, berichten die beiden Hebammen.           

 

Kreißsaalführung jeden Mittwoch um 18 Uhr (keine Anmeldung erforderlich), Treffpunkt vor dem Kreißsaal, C.EG, Klinikum Süd.

 

Geburtshilfe

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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