Alzheimer-Demenz - Schneeglöckchen gegen das Vergessen
Es beginnt mit leichter Vergesslichkeit, später kommen zeitliche und örtliche Desorientierung, Sprachstörungen sowie Vernachlässigung der Körperpflege dazu. Am Ende kann der Alltag nicht mehr bewältigt werden und der Betreffende wird vollständig zum Pflegefall. Die Rede ist von Alzheimer-Demenz, der häufigsten Form der Demenzerkrankung. Bei Alzheimer-Demenz gehen in bestimmten Bereichen des Gehirns Nervenzellen durch Störungen des Gleichgewichts von Botenstoffen zugrunde.
|
Zahlreiche internationale Studien versuchen derzeit, diese Störungen durch die Gabe von Medikamenten auszugleichen. Auch die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Nürnberg ist an zwei Studien beteiligt. Bei einer Studie mit über 2.000 ambulanten Patienten, die an leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz leiden, steht der Wirkstoff Galantamin im Mittelpunkt. Der Stoff kommt in bestimmten Narzissen- und Schneeglöckchenarten vor, kann aber auch synthetisch gewonnen werden. „Der Wirkstoff ist in der Therapie bei Alzheimer-Demenz zugelassen“, erläutert Dr. Hartmut Lehfeld, Leitender Psychologie in der Psychiatrie des Klinikums, der zusammen mit Dr. Reinhold Waimer, Oberarzt und Gerontopsychiater im Klinikum, die Studie betreut. Insgesamt acht Patienten des Klinikums werden an der Studie teilnehmen, die über zwei Jahre laufen wird. |
|
„Wir untersuchen die Langzeitwirkung des Medikaments auf die geistige Leistungsfähigkeit und die Kompetenz, sich im Alltag zurechtzufinden, und beobachten, wie sich das Verhältnis zu den Betreuungspersonen und der Betreuungsaufwand verändern“, schildert Lehfeld die Ziele der Studie, die in verschiedenen europäischen Ländern durchgeführt wird. Diese Daten werden pro Teilnehmer in insgesamt 13 Visiten erhoben. Erste Ergebnisse werden 2012 vorliegen.
Das Klinikum Nürnberg ist das einzige Krankenhaus in der Region, das sich für die Teilnahme an dieser Langzeitstudie beworben hat: „Dass wir ausgewählt wurden, hat mit unseren hohen Patientenzahlen, der langjährigen Erfahrung mit Demenzpatienten und mit der Gedächtnissprechstunde sowie mit dem qualifizierten Personal zu tun“, begründet Lehfeld.
Neben dieser Langzeitstudie läuft seit Sommer 2009 eine zweite Studie. Dabei geht es um die Überprüfung der Sicherheit und Wirksamkeit eines Histamin-Gegenspielers, der die Wachheit und den Antrieb von Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz steigern soll. „Antriebslosigkeit und Tagesmüdigkeit sind typische Symptome einer beginnenden Demenz“, betont Oberarzt Waimer. Fehle die Wachheit, dann nähmen die Betroffenen weniger am Leben teil und dies habe negative Folgen für die geistige Leistungsfähigkeit.
Über einen Zeitraum von drei Monaten wird nun die Wirksamkeit des Medikaments unter kontrollierten Bedingungen untersucht. An der Studie, an der 40 bis 60 Zentren in Österreich, Großbritannien, Australien, Südafrika, Frankreich und Deutschland teilnehmen, sollen bis Januar 2010 weltweit 200 Patienten teilnehmen.Autorin/Autor: Bernd Siegler

