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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2009 >> Ausgabe 4 >> Psychiatrie - Die heilsame Kraft des künstlerischen Ausdrucks

Psychiatrie - Die heilsame Kraft des künstlerischen Ausdrucks

Anita M. war lange Jahre erfolgreich im Marketingbereich tätig. Eine sehr kreative Arbeit, die sie ausfüllte und die sie gerne machte. Dann erkrankte sie an einer schizoaffektiven Psychose. Es folgten mehrere Klinikaufenthalte. Nun ist sie Mitte 40 und zweifelt stark daran, ob ihre früheren kreativen Fähigkeiten überhaupt noch vorhanden sind.

Ihr Arzt verschreibt ihr eine Kunsttherapie in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Nord. Sieben Monate lang malt und gestaltet sie in der Gruppe, fühlt sich in der künstlerischen Betätigung sehr frei, erfährt Bestätigung und gewinnt an Selbstbewusstsein. Dass sie nicht eins ist mit ihrem Körper, sieht man ihren Bildern an. Nun will sie mit Tanztherapie ein besseres Gefühl für ihren Körper entwickeln. Ihre wieder entdeckte Kreativität will sie mit kunsthandwerklichen Tätigkeiten weiter pflegen.

Anita M. ist kein Einzelfall. „Kunsttherapie schafft Aha-Erlebnisse, neue Sichtweisen, die den Menschen voranbringen“, erleben Claudia Hädicke und Karin Eschhold immer wieder. Zusammen mit  Gerlinde Lang und Julia Griebel bilden sie das Kunsttherapie-Team in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. „Kunst-, Musik-, Tanz- und Ergotherapie haben bei uns einen hohen Stellenwert“, betont Chefarzt Dr. Dr. Günter Niklewski. Das Kunstatelier habe seinen „festen Platz unter den Hilfen, die unsere psychiatrische Klinik Menschen in seelischen Krisen bietet“.

Aha-Erlebnisse: Künstlerische Betätigung wie hier das Malen eines überdimensionalen
 

In schönen, Licht durchfluteten Räumen im Haus 19 im Klinikum Nord nehmen Patienten jeder Altersgruppe und aller sozialen Schichten die stationären und ambulanten Angebote der Kunsttherapie wahr. Sie können dabei zwischen unterschiedlichsten Materialien wie Acryl, Kreide, Aquarell, Kohle, Ton, Gips, Holz oder Stein wählen. „Wenn bei Depressionen die Lebensbewegung erstarrt, können wässrige Aquarellfarben helfen, wieder in Fluss zu kommen, bei einer Psychose, die sich in ausuferndem Verhalten ausdrückt, können kleinere Formate begrenzen, und wer Widerstand braucht und sucht, findet diesen unter anderem im Material Ton“, schildert Hädicke.

In einem Erstgespräch klären die Kunsttherapeutinnen, was die Patienten von der in der Regel zwölf Monate dauernden Kunsttherapie erwarten und vereinbaren Ziele. Dann stellen sie für Einzelsitzungen  und die bis zu zwei Stunden dauernden Gruppensitzungen Materialien zur Verfügung, geben Themen und Anregungen und bringen den Patienten auch das Handwerkliche näher. „Ohne den Druck, etwas Gutes, etwas Schönes schaffen zu müssen, verliert sich die erste Befangenheit schnell“, stellt Eschhold immer wieder fest. Vielen hilft auch das Malen nach Musik, um den Einstieg zu finden.

„Der künstlerische Ausdruck hat heilsame Kraft auch für denjenigen, der im bisherigen Gang seines Lebens bisher noch keine große Nähe zu einer solchen Betätigung hatte und vielleicht zuletzt in der Schulzeit mit Farbe und Pinsel hantierte“, erläutert Niklewski. Durch die ausdrucksorientierte Therapie gelinge es in einem geschützten Rahmen, vorhandene Ressourcen zu wecken.

Um die dabei entstehenden Kunstwerke auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und damit auch die Psychiatrie zu entstigmatisieren, wurde vor zehn Jahren der Verein PsychiARTrie e.V. von Kunsttherapeutinnen, Kunstliebhabern und Chefarzt Niklewski gegründet. Seither finden Ausstellungen in Kirchen, Fachhochschulen, Kliniken und Galerien statt.

„Das Erleben, etwas zu können und damit auch in die Öffentlichkeit zu gehen, lässt“, so Eschhold und Hädicke, „ das Selbstvertrauen der Patienten wachsen.“ Aber eine Ausstellung sei Nebenprodukt und nicht das Ziel der Kunsttherapie. Im Mittelpunkt stehe, dass die Patienten „über die Kunst zu ihrem Selbst finden, in Bewegung kommen und fähig werden, etwas zu verändern“.  

 

Wer Interesse hat, kann die frei zugänglichen, wechselnden Ausstellungen in den Häusern 19 und 31 im Klinikum Nürnberg Nord besuchen.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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