Kardiologie - Neue Herzklappen per Katheter
„Wahrscheinlich hätte ich dieses Jahr nicht überlebt, hätte ich nicht das Glück gehabt, einer der ersten zu sein, bei dem das neue Verfahren angewandt wurde.“ Zufrieden blickt Konrad Helmreich, 81 Jahre alt, auf den Eingriff vor einigen Wochen zurück, dem er eine neue Lebensqualität verdankt. Er ist einer von vier Patienten, die im Juli 2009 am Herzzentrum im Klinikum Nürnberg Süd erstmals mittels Katheter neue Herzklappen eingesetzt bekamen – und dies bei schlagendem Herzen.
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Die an der Pioniertat beteiligten Chefärzte, Prof. Matthias Pauschinger von der Kardiologie und Prof. Theodor Fischlein von der Herzchirurgie, „verspürten förmlich Aufbruchsstimmung“, weil nun auch bisher als inoperabel geltenden Patienten geholfen werden kann. Alle Patienten haben die Operation gut überstanden. Umso erstaunlicher angesichts des fortgeschrittenen Alters: 88 Jahre zählt der Älteste. „Durch einen kleinen Schnitt in die Leistenarterie wird ein spezieller Ballonkatheter mit der Klappe zum Herzen geführt, der die verengte Aortenklappe ‚sprengt‘ oder wegklappt“, erläutert Herzchirurg Fischlein das Verfahren. Auch ein Zugang über die Herzspitze ist möglich. Die Herzklappe, die für diese Methode speziell konstruiert wurde, kann passgenau an der Stelle der alten Klappe verankert werden. Das Herz schlägt die ganze Zeit während des circa dreistündigen Vorganges weiter. |
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„Das ist für den Patienten schonender, weil nicht wie bei der herkömmlichen Methode die Hauptschlagader unterbrochen wird – das Herz also stillsteht und die Herz-Lungen-Maschine dessen Funktion übernimmt“, erklärt der Operateur.
Dass die Patienten meist älter sind, ist kein Zufall. Da es bisher noch keine längerfristigen Erfahrungswerte gibt, ist diese Methode bisher nämlich nur für Herzkranke zugelassen, die auf konventionelle Weise nicht mehr operiert werden können, weil das Risiko zu hoch ist. Da die Verkalkung der Aortenklappen generell eine Erkrankung des fortgeschrittenen Lebensalters ist, sind oftmals Begleiterkrankungen vorhanden oder das Herz ist so geschädigt, dass die Operation gefährlich ist. „Etwa 30 Prozent der Herzpatienten sind so krank, dass man früher gesagt hätte, da macht man am besten nichts“, so Pauschinger. „Für die Herzkranken bedeutet der Klappendefekt aber langsames Siechtum“ fügt Fischlein hinzu.
So war es auch bei Konrad Helmreich. Er hatte bereits drei Bypässe sowie einen Herzschrittmacher, als festgestellt wurde, dass auch die Herzklappe nicht mehr funktionierte. „Schon nach 20 Metern Laufen bekam ich keine Luft mehr“ erinnert er sich. Heute, wenige Wochen nach dem Eingriff, macht er große Rundgänge durch den Park. „Jetzt bremst mich nur noch meine Hüfte, sonst könnte ich schon bald wieder das Tanzbein schwingen“, bemerkt er schelmisch.
20 Eingriffe sind für dieses Jahr noch geplant – mit dem transkathetergestützten Verfahren spielt das Herzzentrum im Klinikum Nürnberg, das jährlich über 6.000 Operationen und Interventionen am Herzen durchführt, in Deutschland auf diesem Gebiet in der ersten Liga mit.Autorin/Autor: Justina Mehringer

