Geriatrie - Frührehabilitation - nicht nur gegen Muskelabbau
Wenn hochbetagte Menschen wegen einer akuten Erkrankung ins Krankenhaus kommen, ist dies für viele das Ende des selbstständigen Lebens zuhause. Nicht etwa, weil sie nicht mehr geheilt werden können, sondern weil durch die Liegezeit ein rapider Muskelabbau droht, der oft nicht mehr aufgefangen werden kann.
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„Ein 80-Jähriger, der beispielsweise bei einer Lungenentzündung zehn Tage im Bett liegt, verliert so viel Muskelkraft wie sonst in drei Jahren“, beschreibt Dr. Jürgen Bauer, Oberarzt in der Geriatrie im Klinikum Nürnberg, das Risiko. Deshalb sei es bei älteren Menschen besonders wichtig, dass nach einem Schlaganfall, bei einer Lungenentzündung oder nach einem Sturz so schnell wie möglich mit der Reha begonnen wird: „Am besten gleich im Krankenhaus.“ Hier setzt die „frührehabilitative geriatrische Komplexbehandlung“ an. Sie trägt nicht nur dem schnellen Muskelabbau älterer Patienten Rechnung, sondern auch der meist vorhandenen Multimorbidität. „Das bedeutet, dass wir meist mehrere Baustellen haben, die wir behandeln müssen, nicht nur die Akuterkrankung“, so Bauer. Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen, wie Internisten, Kardiologen oder aus der Physikalischen Medizin arbeiten hierbei mit und bieten eine komplexe Behandlung an. |
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Auch der Allgemeinzustand der Patienten, wie Ernährung oder Sturzrisiko, wird während eines „Assessments“ festgestellt. Neben der medizinischen Untersuchung wird geprüft, ob die Patienten ihre täglichen Aufgaben noch alleine bewältigen können, ob sie vielleicht an einer Depression oder einer beginnenden Demenz leiden. Erst wenn dies abgeklärt ist, beginnt das individuelle Behandlungsprogramm.
Sobald es der Gesundheitszustand der Patienten erlaubt, setzen parallel zur medizinischen Behandlung die ersten Reha-Maßnahmen ein. „Je früher die Reha beginnt, desto größer sind die Aussichten auf Erfolg“, weiß Dr. Gabriele Lichti, Chefärztin der Klinik für Physikalische und Rehabilitative Medizin und Naturheilverfahren, als Expertin für fachübergreifende Frührehabilitation. Ein interdisziplinäres Team von Ärzten und Pflegern, Physiotherapeuten, Masseuren, Ergotherapeuten oder Logopäden (nach einem Schlaganfall) bereitet die Patienten bereits im Krankenbett übergangslos auf die anschließende Reha vor.
„Damit kann die Reha-Lücke, wenn die Patienten nach der Entlassung erst mal wieder nach Hause kommen, geschlossen werden“, preist Lichti die Vorzüge der Frührehabilitation. Auch der so genannte „Drehtür-Effekt“ könne so vermieden werden, da gerade ältere Menschen nach der Akutbehandlung noch nicht fit genug für die normale Reha sind und häufig wieder zurück ins Krankenhaus müssen. „Auch wenn keine Reha möglich sein sollte, bekommt jeder seine Chance“, meint die Chefärztin. Selbst der „Transfer vom Bett in den Rollstuhl“ sei für Angehörige oft schon eine Erleichterung.
Durch die Verdopplung der Bettenzahl im Klinikum Süd stehen im Klinikum Nürnberg nun insgesamt 20 Plätze zur Verfügung. Bei einer mittleren Verweildauer von etwa zweieinhalb Wochen können 300 bis 400 Patienten pro Jahr die spezielle Behandlung erfahren, also 50 mehr als früher.Autorin/Autor: Justina Mehringer

