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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2009 >> Ausgabe 4 >> Brustkrebs - Erste Bestrahlung schon im OP

Brustkrebs - Erste Bestrahlung schon im OP

Seit Mai kommt im Brustzentrum des Klinikums ein innovatives Verfahren zur Therapie des Mammakarzinoms zum Einsatz: die intraoperative Bestrahlung (Intrabeam). Über 20 Frauen wurden im Brustzentrum des Klinikums bereits mit dieser Methode behandelt. Derzeit ist das Klinikum eines von drei Krankenhäusern in Bayern, die dieses Verfahren anbieten.

Dabei wird noch während der Operation das Tumorbett direkt bestrahlt, also das Gewebe, von dem das größte Risiko ausgeht, dass der Tumor wieder auftritt. 90 Prozent aller Rezidive treten hier auf. „Neue wissenschaftliche Studien belegen, dass die Lokalrezidivrate mit dieser neuen Methode auf unter zwei Prozent gesenkt werden kann“, berichtet Prof. Cosima Brucker, Chefärztin der Frauenheilkunde. Die Rezidivrate der bisherigen Standardverfahren liegt dem gegenüber bei vier Prozent. „Brustkrebspatientinnen können nach ihrer Erstbehandlung somit noch zuversichtlicher in die Zukunft blicken“, meint die Chefärztin.

Geeignet ist die Methode für alle Tumoren in der Brust, die brusterhaltend operiert werden können und nicht zu nahe an der Oberfläche liegen. Dabei wird die Tumorhöhle schon während der OP, also direkt nach der Entfernung des Tumors und der Schnellschnittanalyse, bestrahlt. „Wir können mit einem weitaus niedrigeren Bestrahlungsvolumen sehr viel präziser bestrahlen“, betont Dr. Clemens Albrecht, Chefarzt der Klinik für Radioonkologie und der Gemeinschaftspraxis für Strahlentherapie. Denn das Gewebe, von dem das größte Risiko ausgeht, wird direkt am Ort des Geschehens bestrahlt und nicht erst Wochen später von außen.

Präzision: Mit der neuen Technologie kann die Tumorhöhle in der Brust nach Entfernung des Tumors schon während der Operation gezielt bestrahlt werden.
 

„Dazu muss man wissen dass es nicht so einfach ist, im Nachhinein die exakte Lage des Tumors zu bestimmen“, erklärt Albrecht. Dabei gehe es schließlich um Millimeter. Zudem ist die Strahlendosis am Zielort um das Zehnfache höher als bei der Bestrahlung von außen. Trotzdem ist das Verfahren schonender, da die Dosis schon in kurzer Entfernung stark abfällt. Beide Faktoren erhöhen nicht nur die Wirksamkeit der Bestrahlung, sondern schonen auch das gesunde Gewebe. Dafür dauert der Eingriff insgesamt etwa 30 Minuten länger.

Für die Patientinnen verkürzt sich dagegen die Bestrahlungszeit nach der OP. So entfallen mit der intraoperativen Bestrahlung neun Behandlungstage für die Bestrahlung der direkten Tumorumgebung. Auch gegenüber der Brachytherapie, bei der die Strahlung über spezielle Schläuche in die Brust eingebracht wird, hat die intraoperative Bestrahlung handfeste Vorteile: Die Patientinnen ersparen sich einen einwöchigen Aufenthalt im Krankenhaus.

Davon unberührt bleiben allerdings die nachfolgende medikamentöse Therapie und die Bestrahlung der gesamten Brust. Wie die Therapie im Einzelfall aussieht, wird im Klinikum im Interdisziplinären Tumorboard des Brustzentrums festgelegt. Die Ärzte der verschiedenen Disziplinen, die im Brustzentrum zusammenarbeiten, sehen diese Behandlungsmöglichkeit als Segen für die Frauen. „Selbst bei einem Rezidiv, nach dem man früher die Brust sofort entfernt hätte, bekommen die Frauen eine zweite Chance, dass ihre Brust erhalten werden kann“, macht Brucker Hoffnung. Eine Chance, die es in dieser Form bisher nur an drei Kliniken in Bayern gibt.

Brustzentrum

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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