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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2009 >> Ausgabe 4 >> Borderline - Ausgeklügelte Therapie hilft

Borderline - Ausgeklügelte Therapie hilft

Kompetente Hilfe für Borderline-Patientinnen und -patienten zu bieten – diesen Ruf hat sich die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Nürnberg in den letzten Jahren weit über die Stadtgrenzen hinaus erworben. Hier werden im Jahr etwa 240 Patienten, überwiegend Frauen, behandelt.

Die Hilfesuchenden kommen aus dem gesamten süddeutschen Raum, aber auch aus Thüringen oder Nordrhein-Westfalen ins Klinikum Nord. Denn hier finden die Patienten nicht nur Bausteine, sondern das gesamte Programm der Dialektisch Behavioralen Therapie (DBT) vor.

Die DBT setzt dabei gezielt auf zwei zentrale Lernprozesse: Die Patienten müssen einerseits verstehen und akzeptieren, dass sie krank sind, andererseits werden in der Therapie konkrete Verhaltensänderungen trainiert. Im Therapieverlauf werden diese beiden Punkte immer wieder neu hinterfragt: Welche Probleme entstehen durch die Krankheit, was daran ist veränderbar?

„Das größte Problem der Borderline-Patienten ist ihre Impulsivität“, erklärt Christine Bofinger, als Oberärztin für die stationäre Behandlung der Borderline-Störung verantwortlich. Sie haben nie gelernt, differenziert mit ihren Gefühlen umzugehen. Daher reagieren sie selbst auf an sich harmlose Situationen mit heftigen Gefühlsausbrüchen bis hin zu Wutanfällen, Selbstverletzungen oder Selbstmordabsichten.

Bei Borderline-Patientin Angelika E.(li.) setzen Psychiatrie Oberärztin Dr. Christine Bofinger (re.) und Claudia Reichold (mi.) auf das Programm der Dialektisch Behavioralen Therapie
 

Lernen durch Selbstbeobachtung

In der DBT, die in den 1980er Jahren von der US-Amerikanerin Marsha M. Linehan speziell für die Behandlung der Borderline-Störung entwickelt wurde, lernen die Patienten nach und nach durch Selbstbeobachtung sowie in Gruppen- und Einzelstunden ihre Gefühle kennen.

Sie trainieren gezielt Fertigkeiten, die ihnen den Umgang mit sich selbst erleichtern. So führen sie intensiv Tagebuch über ihre Erfahrungen und Empfindungen, üben sich in Achtsamkeitsmeditation und Stresstoleranz und lernen, ihren emotionellen und körperlichen Spannungszustand einzuschätzen.

„Borderline-Patienten nehmen z.B. nicht richtig wahr, wie die Wut in ihnen wächst, stattdessen explodieren sie“, erklärt der pflegerische Stationsleiter Gerhard Klose. Mit Hilfe der DBT lernen sie nun, zu spüren, wann sie sich über jemanden ärgern und wie sie dies direkt ansprechen können.

Zudem lernen sie Fertigkeiten, sich auch in schwierigen Situationen helfen zu können. Zum Beispiel, wie sie ihren ansteigenden Spannungspegel senken können. „Notfalls hilft es, die Füße ins Eis zu stellen“, berichtet Katja Sieber-Langhammer, die stellvertretende Stationsleiterin. Dafür gibt es in der Klinik eigens eine Eismaschine.

Am Beginn der Therapie steht zunächst die Zielvereinbarung. „Das Ziel wird zusammen mit der Patientin so genau wie möglich festgelegt“, erläutert Bofinger. So kann es erst einmal nur darum gehen, Selbstmordabsichten oder Selbstverletzungen zu verringern. Vor der Entlassung werden Ziele für die Krankheitsbewältigung im Alltag festgelegt und Wege aus Krisensituationen aufgezeigt. 

Die Behandlung erfolgt in der Regel stationär in einem fünfwöchigen Programm, dem weitere Aufenthalte folgen können. Daneben wird eine fünf- sowie eine 14-tägige Krisenintervention angeboten.

Dass die Qualität des Angebotes stimmt, ist nun auch öffentlich nachgewiesen. Seit Anfang dieses Jahres ist die Klinik als einzige Einrichtung in Bayern vom Dachverband DBT e.V. zertifiziert.           

Information und Anmeldung in der Psychiatrischen Institutsambulanz unter Tel. (0911) 398 -2199.

 

Was ist Borderline?

Menschen, die an der Persönlichkeitsstörung Borderline leiden, haben ein instabiles Selbstwertgefühl, können nur schlecht mit ihren Gefühlen umgehen, neigen zu Ängsten und impulsivem Verhalten. Sie sind nicht gerne alleine, gleichzeitig haben sie aber große Probleme damit, sich in Beziehungen abzugrenzen. Heftige emotionale Konflikte sind vorprogrammiert. Auch selbstschädigendes Verhalten von Alkohol- und Drogenmissbrauch bis hin zu Selbstverletzungen oder Selbstmordabsichten treten auf.

Die Ursachen der Erkrankung sind noch nicht vollständig geklärt. Neben einer genetischen Veranlagung spielen Erfahrungen von emotionaler Vernachlässigung, sexuellem Missbrauch und Gewalt in der frühen Kindheit wohl eine entscheidende Rolle. Von der Diagnose Borderline sind mit einem Anteil von 70 Prozent vor allem Frauen betroffen.

Neuere Studien aus den USA weisen allerdings darauf hin, dass Männer von der Persönlichkeitsstörung wahrscheinlich ebenso häufig betroffen sind wie Frauen. Allerdings landen Männer wegen ihrer Wut- und Gewaltausbrüche eher im Gefängnis als in einer Therapie. 

Weitere Informationen im Internet unter www.borderline-netzwerk.info und

www.dachverband-dbt.de.

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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