Chronische Schmerzen - Ungewollt in die Tablettensucht
Heftige Kopf- und Rückenschmerzen machen Millionen von Menschen in Deutschland das Leben schwer. Schulter-, Knie- und Hüftschmerzen zählen ebenfalls zu den gefürchteten Plagegeistern. Dass die meisten Menschen, vom Schmerz getrieben, zur Tablette greifen, ist daher mehr als verständlich.
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Doch Vorsicht, Schmerzmittel sind nicht der beste Weg, um chronische Schmerzen des Bewegungsapparates oder Kopfschmerzen zu bekämpfen. Auch die Gefahr, von den Schmerzmitteln abhängig zu werden, wird von vielen Menschen und wohl auch von Ärzten unterschätzt. Häufig gleiten die Schmerzgeplagten ungewollt und zunächst unbemerkt in die Abhängigkeit. „Zu uns kommen immer mehr Patienten, die von Schmerzmitteln abhängig sind“, berichtet Dr. Dirk Risack, Oberarzt der Schmerzambulanz im Klinikum. Sie leiden unter Stimmungsveränderungen und Erschöpfung, und greifen oft schon morgens zur Tablette, um in die Gänge zu kommen. Und die Schmerzen gehen trotz der Schmerzmittel oft nicht mehr weg. Ein Teufelskreis also, der die Menschen hilflos macht. Dabei können nicht nur die morphiumhaltigen Substanzen süchtig machen, sondern – so Risacks Erfahrung – auch freiverkäufliche Schmerzmittel, wenn sie über einen langen Zeitraum regelmäßig eingenommen werden. |
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„Noch vor 15 Jahren haben wir Schmerztherapeuten über eine mangelhafte Betreuung von Schmerzpatienten in Deutschland geklagt“, erinnert sich Risack. „Heute dagegen werden Schmerzmittel eher zu leichtfertig eingesetzt.“ Dabei ist die medikamentöse Schmerztherapie in erster Linie bei akuten Schmerzen sinnvoll, also nach einer Verletzung, nach einem chirurgischen Eingriff oder bei Tumorschmerzen.
Kopfschmerzen oder chronische Schmerzen im Bewegungsapparat sollten dagegen gezielt bekämpft werden. „Dafür steht ein ganzes Bündel von nicht-medikamentösen Maßnahmen zur Verfügung, die – optimal aufeinander abgestimmt – den Schmerz weitgehend lindern können“, erklärt Dr. Gabriele Lichti, Chefärztin der Klinik für Physikalische und Rehabilitative Medizin und Naturheilverfahren.
Die interdisziplinäre Schmerztagesklinik des Klinikums bietet erfolgreich ein so genanntes multimodales Behandlungskonzept an. Die Methoden reichen von Physikalischer Therapie und Ergotherapie über Aufklärung und Information zur Schmerzentstehung und Schmerzbewältigung, intensiven psychologischen Gesprächen bis zum Genusstraining.
Risack rät allen Betroffenen zum Medikamentenentzug: „Sie brauchen keine Angst davor zu haben, dass die Schmerzen danach unerträglich werden.“ Denn die Erfahrung geht genau in die entgegengesetzte Richtung. Nach einem vorsichtigen Entzug verbunden mit einer multimodalen Schmerzbehandlung lassen bei vielen Patienten die Schmerzen deutlich nach, die anderen profitieren zumindest von einem leichteren Umgang mit ihnen.
Schmerzambulanz: Information und Anmeldung unter Tel. (0911) 398 -2688.
Autorin/Autor: Doris Strahler

