Psychiatrie - Musik schult die Erinnerung bei Demenzpatienten
„Es war im Böhmerwald, wo meine Wiege stand…“ tönt es textsicher aus dem Musikraum im Haus 19 der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Nord. Der Grund für die klangvolle Unterbrechung im Klinikalltag ist die musiktherapeutische Stunde unter der Leitung von Monika Krämer.
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Durchschnittlich acht demenzkranke Patienten kommen hier wöchentlich einmal zusammen, um gemeinsam in die faszinierende Welt der Lieder und Klänge einzutauchen. Das Musikprojekt wurde zunächst für vier Sitzungen als neuer Versuch der Gedächtnissprechstunde im Zentrum für Altersmedizin gestartet, um die Wahrnehmung der Patienten zu fördern, Erinnerungen wachzurufen und sie in die Welt der Musik zu entführen. „Die Musik ist eine hervorragende Ergänzung zum bereits bestehenden therapeutischen Angebot, weil sie verstärkt die künstlerische und kreative Seite bei unseren Patienten anspricht“, betont die Gerontologin Johanna Myllymäki. |
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Die Patienten wissen das Angebot zu schätzen und legen bei einem Ratespiel mit Flöte richtig los: Während Musiktherapeutin Krämer auf dem Instrument nur kurz jeweils die Melodie bekannter Volkslieder anspielt, kommt schon spontan aus dem Kreis der Patienten nicht nur die Antwort mit dem richtigen Titel, sie fallen gleich in den Refrain ein und singen die Lieder spürbar begeistert mit.
Kerstin Schmidtgen, Psychologin und Mitarbeiterin der Gedächtnissprechstunde, sieht in der Musiktherapie noch weitere Vorzüge: „Es ist keine musikalische Vorbildung notwendig und die Patienten bewegen sich in einem Feld, auf dem Misserfolge ausbleiben.“ Denn wer womöglich bei einem Ratespiel Probleme hat, ist für das Instrumentenspiel sehr empfänglich.
Es werden Erinnerungen wach und teilweise auch überraschende Denkprozesse ausgelöst: So greift beispielsweise ein älterer Herr bei der freien Auswahl der auf dem Boden liegenden Instrumente spontan zu den Kastagnetten und gerät dabei in Erinnerung an die ausgedehnten Sommerurlaube an Spaniens Mittelmeerküsten mit seiner Frau so richtig ins Schwärmen.
An der Musiktherapie nehmen mehrheitlich ältere Männer und Frauen teil, die unter einer leichten kognitiven Störung leiden oder bei denen eine beginnende Demenz zu beobachten ist. Sie sind Patienten des Gedächtnistrainings, das einmal wöchentlich im Zentrum für Altersmedizin im Klinikum Nord angeboten wird. Möglich wurde dieser erfolgreiche Ausflug in die Welt der Musik dank der finanziellen Unterstützung durch die Theo und Friedl Schöller-Stiftung.
Weitere Informationen beim Sekretariat der Gedächtnissprechstunde im Zentrum für Altersmedizin im Klinikum Nürnberg Nord (Haus 33) unter Tel.: (0911) 398-3943.
Autorin/Autor: Axel Bredehöft

