Navigation überspringen|
Drucken
Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2009 >> Ausgabe 3 >> Psychiatrie - Das Suizid-Risiko steigt mit dem Alter

Psychiatrie - Das Suizid-Risiko steigt mit dem Alter

„Was machen Ihre Suizidgedanken?“ Der das fragt ist Dr. Florian Müller-Siecheneder, Oberarzt in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Nord. Ihm gegenüber sitzt ein 70-jähriger Patient, der wegen starker Depressionen und wiederholt geäußerter Suizidgedanken stationär behandelt wird. Depressionen gehören neben verschiedenen Formen der Demenz seit Jahren zu den häufigsten psychischen Störungen bei älteren Menschen. Eine Entwicklung, die an Brisanz gewinnt, denn liegt eine seelische Erkrankung vor, steigt das Selbsttötungsrisiko vor allem bei Männern ab 60 Jahren deutlich an: Von den fast 10.000 Menschen, die sich jährlich in Deutschland das Leben nehmen, sind 40 Prozent 60 Jahre und älter.

„Viele ältere Patienten sind dankbar“, betont Müller-Siecheneder, „wenn wir das Thema Suizid in der Therapie offen ansprechen. Und im gemeinsamen Gespräch fällt es ihnen dann viel leichter, mehr über Motive und Hintergründe ihrer bedrückenden Gedanken zu erzählen.“ Neben der seelischen Erkrankung sind körperliche Gebrechen wie beispielsweise nach einem Schlaganfall oder nach einem Herzinfarkt häufig der Hintergrund für ein erhöhtes Suizidrisiko.

„Zudem fehlt es den Betroffenen“, so der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, „oft an Ressourcen, seelische Krisen zu bewältigen.“ Sie leben allein, haben Alkoholprobleme, nicht gelernt, über ihre Gefühle oder Themen wie Selbstmord zu reden und sperren sich gegen Hilfe von außen.

Gerade ältere Männer tun sich hier sehr schwer. Dabei kann gefährdeten Senioren, die sich in professionelle Hände begeben, geholfen werden: Die Station 30 B1 im Klinikum Nord unter der ärztlichen Leitung von Müller-Siecheneder ist auf die unterschiedlichen Formen der Depressionserkrankungen spezialisiert „In der Therapie wollen wir den Patienten vor allem vermitteln, die eigene Situation anzunehmen”, erläutert der Psychiatrie-Facharzt. „Sie sollen lernen, darüber zu reden, sich als Person wieder aufzuwerten und zu akzeptieren, den gefährlichen Tunnelblick für die eigene Lebensperspektive zu verlieren.“

Verschiedene therapeutische Angebote wie Malen, Singen, Nordic Walking oder die Bewegung auf dem Ergometer fördern gezielt die körperliche Aktivität selbst bei hochbetagten Patienten. Nachweislich wirken sie in vielen Fällen einer depressiven Erkrankung entgegen.

Dazu kommt – je nach Einzelfall – eine ausgefeilte Medikation, um die Senioren bestmöglich auf die Erkrankung einzustellen. Für die Therapie bedeutet das vor allem, Zeit zu gewinnen gegen die Depression, manchmal wird auch bewusst und in schriftlicher Form ein „Anti-Suizid-Pakt“ mit dem Patienten geschlossen, um das Anliegen zu unterstreichen.

Viele Maßnahmen einer Strategie, die sich anscheinend bewährt, denn laut Müller-Siecheneder ist die Zahl der Suizide auf der Station 30 B1 in den letzten fünf Jahren deutlich zurück gegangen.      

 

Hilfe für Menschen in seelischen Notlagen und deren Angehörige bieten neben den niedergelassenen Fachärzten rund um die Uhr die Notaufnahme der Klinik für  Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Nord unter Tel.: (0911) 398 -2493.

 

Psychiatrie

Autorin/Autor: Axel Bredehöft

 
Es öffnet sich eine Seite auf klinikum-nuernberg.de mit Notfallinformationen