Psychische Krisen in und nach der Schwangerschaft - Neue Tagesklinik für Mutter und Kind
„Ich war mit meinen Nerven am Ende.“ Gleich nach der Geburt ihrer kleinen Tochter fingen bei Kerstin B. die Schlafstörungen an, darauf folgten Essstörungen, und sie konnte nicht mehr abschalten. Sie hatte mehrere Monate gewartet, bis sie Hilfe suchte. „Ich hatte Angst, dass man mir mein Kind wegnimmt, wenn ich nicht damit zurechtkomme“, sagt sie heute. Dann fand die 25-Jährige Hilfe bei der neuen Mutter-Kind-Tagesklinik im Klinikum Nord.
Kerstin B. ist kein Einzelfall. Psychische Krisen bei Frauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt sind keine Seltenheit – und sie können gut behandelt werden. In der neuen Tagesklinik finden seit Anfang des Jahres Frauen Hilfe, die während der Schwangerschaft oder in den ersten zwei Jahren nach der Geburt psychische Probleme oder psychiatrische Erkrankungen haben. Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie bietet in Kooperation mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie diese spezielle Behandlung an.
Oberärztin Dr. Susanne Simen, die für die Mutter-Kind-Tagesklinik verantwortlich ist, hat seit vielen Jahren Erfahrung in der Behandlung von Müttern, die während der Schwangerschaft oder die erste Zeit nach der Geburt mit psychischen Problemen zu kämpfen haben. „Diese Zeit ist für jede Frau eine schwierige Lebensphase. Die enorme Hormonumstellung bedeutet großen Stress, zudem verändert sich die Partnerschaft. Schlafmangel, wenig Zeit für sich selbst und die plötzliche Verantwortung rund um die Uhr können leicht in eine Depression münden“, erklärt sie. Hinzu komme die Erwartung – von einem selbst und der Umgebung –, mit der Mutterschaft doch glücklich sein zu müssen, was wiederum Schuldgefühle auslöst. Wenn ein Gefühl der Ausweglosigkeit entstehe, sei dringend Hilfe angeraten.
Wege aus der Krise zeigt nun die neue Mutter-Kind-Tagesklinik, die eine Therapie für die Mütter anbietet. „Anders als bei der stationären Behandlung können sie in der Familie bleiben und auch ihre Kinder mitbringen“, so Simen. Für die Betreuung der Kinder ist gesorgt – eine Erzieherin kümmert sich während der Therapiezeiten um sie. Die psychotherapeutische Behandlung erfolgt einzeln oder in kleinen Gruppen. Die Frauen lernen, eine Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen und gut mit sich und der Situation umzugehen. „Aber auch die Väter beziehen wir in Paargesprächen ein“, betont die Oberärztin.
Da meist auch das Kind von der Krise der Mutter betroffen ist, kooperiert die Tagesklinik mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Chefarzt Dr. Victor Herlitz, sieht sich für das Wohl der Kleinen zuständig: „Wir sehen uns die Kinder an, die Symptome zeigen, die vielleicht beim Füttern schwierig sind, viel schreien oder nicht auf ihre Mütter zugehen. So können wir den Eltern Tipps geben, was ihre Kinder brauchen.“
Auch Kerstin B., reagiert mittlerweile gelassener, wenn ihre Tochter schreit. „Es geht uns beiden wieder gut. Ich weiß, dass ich für mein Kind sorgen kann“, meint sie. Neben der Therapie hat ihr auch der Austausch mit anderen Müttern in einer ähnlichen Situation geholfen.
Anmeldung zur ersten Diagnostik oder Beratung unter Tel. (0911) 398-2962, Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr.
Autorin/Autor: Justina Mehringer

