Neuer Laser in der Chirurgie - Quantensprung in der Tumorchirurgie
Der neue Laser schneidet so präzise, da gerät sogar ein erfahrener Chirurg wie Prof. Hubert Stein, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, ins Schwärmen: „Der Laser öffnet neue Türen in der Tumorchirurgie.“ Seit Anfang dieses Jahres ist der neue Hochleistungsdiodenlaser in seiner Klinik voll im Einsatz und macht seither die Entfernung von Tumoren und Metastasen in Leber und Lunge möglich, die bisher als inoperabel galten.
|
Erst im Herbst 2008 führte Stein, der den klinischen Einsatz des Gerätes gemeinsam mit der Herstellerfirma entwickelt hat, den weltweit ersten Eingriff mit der neuen Lasertechnologie an der Leber durch. Und schon heute reißen sich die chirurgischen Kliniken weltweit um das innovative Gerät. „Es ist einfach beeindruckend, was das Gerät alles kann“, erklärt Stein. Erstmals ist damit die punktgenaue Entfernung von Tumoren mit Hilfe eines Lasers auch in stark durchbluteten Organen wie Leber und Lunge möglich. Denn erst der neue Hochleistungslaser bringt so viel Energie an die Spitze des Instruments, dass auch an großen und stark durchbluteten Organen schnell und präzise operiert werden kann. Dadurch wird das gesunde Gewebe kaum in Mitleidenschaft gezogen, und die Funktion der Organe bleibt weitgehend erhalten. Erste Studien zeigen, dass damit sieben Mal weniger gesundes Gewebe entfernt werden muss als bei den bisherigen Standardverfahren.
|
|
Punktgenaue Tumorchirurgie ohne Blutverlust
Doch es ist nicht nur der präzise Schnitt, der bisher Unmögliches möglich macht. Zeitgleich mit dem Herausschneiden des Tumors werden die Blutgefäße versiegelt und das Gewebe luftdicht abgeschlossen. Von der neuen Technologie profitieren vor allem Patienten mit Lungen- und Lebertumoren. „Bisher mussten wir oft den gesamten Lungenflügel entfernen“, erklärt der Spezialist für Thoraxchirurgie, Oberarzt Dr. Dietmar Kraus. Mit dem neuen Laser dagegen können sogar mehrere Metastasen entfernt werden, und trotzdem kann der befallene Lungenflügel erhalten werden. So hat Kraus kürzlich bei einem Lungeneingriff 55 Metastasen entfernt.
Treten nach Monaten oder Jahren Rezidive in Lunge oder Leber auf, sind Folgeeingriffe leichter möglich, da insgesamt noch mehr Organgewebe vorhanden ist. Darüber hinaus werden Eingriffe möglich, die früher aufgrund der Lage des Tumors oder der Häufigkeit von Metastasen gar nicht machbar waren. Zudem sind nun Operationen an der Leber möglich, die früher am hohen Blutverlust scheiterten. Beim Eingriff mit dem neuen Laser ist der Blutverlust dagegen nur gering. „Damit steigen die Lebenschancen und die Lebensqualität von Patienten mit Lungen- und Lebertumoren noch einmal deutlich an“, ist sich Stein sicher.
40 bis 50 Lasereingriffe sind für den Rest dieses Jahres bereits eingeplant, aber wahrscheinlich werden es mehr werden. Schließlich ist die Klinik für Allgemeinchirurgie mit den beiden Laser-Experten Stein und Kraus schon jetzt, kurz nach dem Start, als Referenzzentrum für Laserchirurgie anerkannt. Aus ganz Europa kommen Ärzte ins Klinikum Nürnberg, um hier den Umgang mit der neuen Lasertechnologie zu erlernen. Und die Entwicklung wird weitergehen. „Der Laser wird sich in Zukunft auch bei Eingriffen an anderen Organen bewähren“, ist sich Stein ganz sicher.Autorin/Autor: Doris Strahler

