Intensivmedizin - Blutvergiftung frühzeitig erkennen
Die Blutvergiftung zählt zu den häufigsten Todesursachen auf den Intensivstationen in Deutschland. Nach neuesten Erhebungen erkranken an der Sepsis pro Jahr rund 130.000 Menschen; mehr als 500 Patienten werden im Klinikum Süd intensivmedizinisch betreut.
„Die Sepsis ist eine komplexe Reaktion des Körpers - in den meisten Fällen auf eine bakterielle Infektion - und selbst für Mediziner nur schwer zu erkennen“ erläutert Professor Dr. Stefphan John, Oberarzt auf der Intensivstation der Medizinischen Klinik 4 Nephrologie des Klinikums. Wenn die Diagnose nicht rasch erfolgt und die Therapie nicht frühzeitig einsetzt, kann eine Sepsis zu einem Multiorganversagen und damit zum Tode führen. Zudem ist eine anhaltende Hirnleistungsstörung eine nicht seltene und für den Patienten schwerwiegende Komplikation der Sepsis.
Typische erste Anzeichen einer Sepsis sind Fieber, Schüttelfrost, eine erhöhte Atemfrequenz oder eine krankhafte Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Leukozytose). Gelingt es dem Körper nicht, die Infektion auf den Entzündungsherd zu begrenzen, lösen die Gifte der Krankheitserreger eine Entzündung in allen lebenswichtigen Organen des Körpers aus. „Über den Erfolg einer Therapie“, betont John, „entscheiden die ersten Stunden, ähnlich wie bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.“
Angesichts der Vielzahl der Fälle und der mit über 70 Prozent hohen Sterblichkeit bei septischen Erkrankungen in Deutschland wurden in den letzten Jahren Diagnose und Therapie spürbar verbessert. So stehen die bislang zu wenig beachteten organischen Veränderungen wie etwa in Nieren und Gehirn heute sehr viel stärker im Vordergrund einer Behandlung: „Bei den Nieren wissen wir, dass sie die Prognose hinsichtlich des Überlebens einer Sepsis am stärksten beeinflussen“, so John, „beim Gehirn kommt es durch die Infektion zu Störungen, die beim Patienten zu Verwirrtheit oder einem Koma führen können.“
Andere mögliche Hinweise auf eine Sepsis liegen in einem Versagen der Blutgerinnung, gekoppelt mit Durchblutungsstörungen der Finger und Zehen oder ein auffällig erhöhter Milchsäurewert (Lactat) in der Muskulatur. „Hier frühzeitig eine Rettungskette in Gang zu setzen, kann schlimmste Folgen verhindern“, erläutert der Oberarztt.
So wurden im Klinikum Nürnberg Süd Mitarbeiter der Intensivstation und der Notaufnahme hinsichtlich septischer Symptome gezielt geschult, um gleich bei der Erstversorgung der Patienten die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. „Die therapeutischen Möglichkeiten mit neuen und hochwirksamen Antibiotika oder die Versorgung des Kreislaufs mit Flüssigkeit sind nur dann erfolgreich, wenn sie schnell eingesetzt werden“, weiß John aus Erfahrung. ab
Weitere Informationen unter www.kompetenznetz-sepsis.de.
Autorin/Autor: Axel Bredehöft

