Ethik-Café - Raum für vertrauliche Gespräche
Ein Kleinkind leidet unter massiven Krampfanfällen, Organe versagen, doch ein Überleben – so die behandelnden Ärzte – ist für die nächsten Jahre durchaus möglich. Das Kind würde aber vermutlich nie gehen oder sitzen können, eine Sprachentwicklung ist unwahrscheinlich.
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Nach Monaten zwischen Hoffen und Bangen sind die Eltern am Rande ihrer Belastbarkeit und fordern, alles zu unterlassen, was dem Kind helfen könnte. Ist eine weitere Behandlung gegen den Willen der Eltern ethisch gerechtfertigt? Situationen wie diese machen deutlich, dass die tägliche Arbeit am Patientenbett manchmal schwierige Entscheidungen von Ärzten und Pflegekräften erfordert. |
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Das Klinikum hat vor zehn Jahren als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland ein so genanntes Ethik-Forum geschaffen und konkrete Schritte in ethischen Fragen unternommen: Dazu zählen neben einem Ethik-Code, der Zentralen Mobilen Ethikberatung (ZME) und Ethik-Zirkeln in einzelnen Kliniken auch Ethik-Cafés. Die Ethik-Cafes stehen allen Beschäftigten offen und sollen die Aufmerksamkeit auf ethische Probleme lenken und zu Diskussionen anregen. Sie werden von Klinikum-Mitarbeitern organisiert, die alle ausgebildete Ethik-Beraterinnen im Gesundheitswesen sind.
Seit 2007 wurden zehn Ethik-Cafés im Klinikum Nord und Süd durchgeführt. „Die Themen drehen sich häufig um Fragen der Therapiebegrenzung oder den Umgang mit Patientenverfügungen, die oft nicht eindeutig formuliert worden sind“, berichtet Judith Berthold, Mitarbeiterin im Centrum für Kommunikation, Information und Bildung (cekib). Es geht um Grenzsituationen, um medizinische oder pflegerische Entscheidungen - Fälle, in denen es in der gleichen Berufsgruppe durchaus unterschiedliche Meinungen geben kann. „Da ist es sinnvoll“, betont Monika Zimmermann, Krankenschwester auf der Intensivstation der Nephrologie, „ein ethisches Problem systematisch aufzuarbeiten, Argumente für und wider zu gewichten und allen Beteiligten mit dem Ziel einer guten Zusammenarbeit transparent zu machen.“
Am Ende kann dabei nicht immer eine Konfliktlösung stehen, aber eine nachvollziehbare Entscheidung, die von möglichst vielen getragen wird. Wichtig ist Zimmermann, dass mit dem Ethik-Café ein Raum existiert, in dem Gespräche vertraulich behandelt werden. „Hier kann man berufsübergreifend diskutieren und sich zu den oft belastenden Situationen im Klinikalltag sozusagen mit neutralen Kolleginnen und Kollegen, die mit dem konkreten Fall nichts zu tun haben, austauschen.“
Überwiegend Pflegekräfte haben sich bislang an den Ethik-Cafés beteiligt, eine stärkere Teilnahme von Ärzten wäre aus Sicht des Organisationsteams wünschenswert. Doch es kommen auch Mitarbeiter aus der Verwaltung, denen es wie Maja Bauer aus der Finanz- und Anlagenbuchhaltung um einen „fairen und verantwortungsbewussten Umgang miteinander im Privaten wie im Beruf geht“.
Welche Kreise eine Initiative wie das Ethik-Café zieht, unterstreicht Christina Lehner, die Schwerbehindertenvertretung im Klinikum: „Beim letzten Mal hatten wir eine Kollegin aus dem Nürnberger Land zu Gast, die dort auf einer Intensivstation arbeitet. Für sie war unsere Veranstaltung genau der richtige Ort, um sich über schwierige Therapieentscheidungen austauschen zu können.“
Die nächsten Ethik-Cafés finden am 20.10. im Klinikum Nord sowie am 27.10. im Klinikum Süd, jeweils in den Personalkantinen in der Zeit von 14.30 bis 17.00 Uhr statt. Themenvorschläge per E-Mail an judith.berthold@klinikum-nuernberg.de.
Autorin/Autor: Axel Bredehöft

