Endometriose - Das unerkannte Frauenleiden
Wenn Frauen starke Schmerzen während der Menstruation haben oder ihr Kinderwunsch länger unerfüllt bleibt, dann kann das Anzeichen für eine Endometriose sein. Der Name der Erkrankung leitet sich von Endometrium ab, der medizinischen Bezeichnung für die Gebärmutterschleimhaut. Wenn diese außerhalb der Gebärmutter vorkommt, etwa im Beckenbereich, an den Eierstöcken oder an anderen Organen, spricht man von Endometriose. Warum es dazu kommt, ist noch nicht eindeutig geklärt.
Obwohl in der Öffentlichkeit wenig bekannt, gehört die Endometriose zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Etwa zehn Prozent sind davon betroffen. „Dennoch wird die Krankheit leider immer noch viel zu wenig beachtet“, bedauert Professor Dr. Cosima Brucker, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde.
Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung vergehen oft mehrere Jahre, eine lange Leidenszeit für manche Frauen. Da Endometriose eine sehr komplexe Erkrankung ist, können die Symptome und Folgen sehr vielfältig sein.
Mittels einer so genannten Laparaskopie klärt Brucker bei Patientinnen, die mit Dysmenorrhoe, also starken Regelschmerzen, sowie bei Unfruchtbarkeit zu ihr kommen, zunächst ab, ob überhaupt eine Endometriose vorliegt. „Wir untersuchen die Bauchhöhle mit einem Spezialendoskop und können kleinere Herde dabei gleich entfernen.“ Größere Zysten können auch mit Ultraschall geortet werden.
Ist die Endometriose eindeutig erkannt, rät Brucker auf jeden Fall zur operativen Entfernung, da die Endometriose dazu neigt, sich im Körper weiter auszubreiten. Begleitend könne auch eine medikamentöse Therapie eingesetzt werden.
Wie die Schleimhaut in der Gebärmutter reagieren Endometrioseherde auf die hormonellen Veränderungen des Monatszyklus, das heißt, sie werden auf- und abgebaut und können bluten. Es kann deshalb zu Zysten und Verwachsungen kommen, die heftige Schmerzen verursachen und Organe in Mitleidenschaft ziehen können.
„Wenn sich die Endometriose etwa an die Eierstöcke anlagert oder die Eileiter verschließt, kann Unfruchtbarkeit die Folge sein“, weist Brucker auf die möglichen Auswirkungen der Erkrankung hin. In diesem Fall wird vor einem operativen Eingriff immer eine Güterabwägung getroffen und mit den Frauen besprochen, ob noch ein Kinderwunsch vorliegt. Dann hat die Organerhaltung oberste Priorität.
„Durch den Einsatz modernster OP-Technik wie hoch auflösender Kameras und Bildschirme, präziser Instrumente und Laser-Technik wie Argon-Beamer sind wir in der Lage, minimal invasive und für die Frauen möglichst schonende Eingriffe durchzuführen“, so die Chefärztin. Wenn der Herd beseitigt ist, ist oftmals eine Schwangerschaft möglich. Auch eine künstliche Befruchtung als letztes Mittel komme in Frage.
Die gute Nachricht zum Schluss: Da die Beschwerden, die durch eine Endometriose verursacht werden, an den hormonellen Zyklus der Frau gebunden sind, verschwinden sie auch mit dem Beginn der Wechseljahre.Autorin/Autor: Justina Mehringer

