Brustkrebs - Ist Mammografie sinnvoll zur Früherkennung?
Wohl kaum eine medizinische Maßnahme wird in der Presse so kontrovers diskutiert wie die Mammografie als Form der Brustkrebs-Früherkennung. So titelte beispielsweise Der Spiegel kürzlich „Risiko Vorsorge“ und wies auf die Schattenseiten der Mammografie hin: Fehlalarme bis hin zur unnötigen Operation. Bereits die Fehlalarme erhöhten den psychischen Druck auf die Patientinnen, weitere Untersuchungen zur Abklärung der Befunde und unnötige Gewebeentnahmen belasteten sie außerdem. Dem gegenüber sei der Nutzen äußerst gering: Von 1.000 Frauen, die sich regelmäßig einer Mammografie unterziehen, sterbe nur eine weniger an Brustkrebs.
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Auf dieses Zahlenspiel möchte sich Dr. Thorsten Koch, Leitender Oberarzt des Brustzentrums der Klinik für Frauenheilkunde, nicht einlassen. Bei jährlich ca. 55 000 Neuerkrankungen sieht er in der Mammografie das Mittel der Wahl: „Wir haben derzeit keine bessere Methode, um Frühformen von Brustkrebs zu entdecken.“ Durch die Röntgenuntersuchung der Brust werden nach seiner Erfahrung – derzeit existieren in Deutschland noch keine zuverlässigen statistischen Werte – gerade in den letzten Jahren durch verbesserte Bildgebungsverfahren und speziell geschulte Radiologen häufig mögliche Vorstufen von Brustkrebs entdeckt. Bei einer Mammografie wird die Brust zwischen zwei Plexiglasscheiben möglichst flach zusammengedrückt. Es werden jeweils zwei Röntgenaufnahmen vom Brustgewebe angefertigt, einmal von oben nach unten und einmal schräg von der Mitte her zur Seite. |
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„Bei diesen Aufnahmen kann man sehr gut kleinste Kalkablagerungen erkennen, so genannten Mikrokalk, der eine Vorstufe von Brustkrebs sein kann“, erklärt Koch und fügt hinzu, „und das in einem Stadium, in dem er gut behandelbar und heilbar ist.“ Auch kleine Tumoren von einem Zentimeter Durchmesser, die man durch Ultraschall oder durch Tasten nicht erkennen kann, stellt das Bildgebungsverfahren dar. Tastbefunde können, von den Frauen selbst oder vom Arzt durchgeführt, bei einer Tumorgröße von ca. zwei Zentimetern ermittelt werden. „Das ist schon kein Frühstadium mehr, sondern bereits Stufe zwei.“
Das Risiko der Strahlenbelastung für die Frauen bei der Mammografie stuft Koch bei den heutigen Verfahren als gering ein. „Ich würde die Mammografie allerdings nicht generell bei jeder Frau ohne Verdachtsmomente durchführen“, meint der Oberarzt. Als sinnvoll habe sich die regelmäßige Untersuchung von Frauen ab dem 50. Lebensjahr erwiesen, da Brustkrebs nach wie vor die häufigste Krebskrankheit bei Frauen in diesem Alter ist. Jüngeren Frauen rät Koch zu einer einmaligen Basis-Mammografie, um festzustellen, wie dicht das Drüsengewebe der Brust ist. Oder zu einer regelmäßigen Mammografie dann, wenn eine familiäre Neigung zu Brustkrebs vorhanden ist.
Häufig wird in der Presse der Vorwurf geäußert, die Frauen würden bei verdächtigen Befunden durch die operative Entnahme von Gewebeproben der Brust meist unnötig beunruhigt, da sich der Verdacht nur bei ein bis zwei von zehn Fällen als begründet erweise. Koch weist darauf hin, dass durch die minimal invasiven Methoden, wie zum Beispiel die ultraschallgesteuerte Stanzbiopsie, die Gewebeentnahme tolerabler geworden sei.
Die psychische Belastung für Frauen in der Zeit zwischen einem Verdacht und einem Befund nimmt der Gynäkologe durchaus ernst. Er führt jedoch ins Feld: „Es sind vielleicht acht von zehn Frauen, die mit Verdacht auf Krebs konfrontiert wurden, unnötig beunruhigt. Dafür konnte zwei Frauen geholfen werden, bei denen der Tumor in einem frühen Stadium mit sehr guten Heilungschancen entdeckt wurde.“ Für ihn ist wichtig, verdächtige Befunde eingehend mit den Betroffenen zu besprechen. „Je mehr die Frauen Bescheid wissen, desto geringer sind unbegründete Ängste“, lautet Kochs Fazit.Autorin/Autor: Justina Mehringer

