Ausstellung - Verfolgung jüdischer Ärzte in der NS-Zeit
Eine Ausstellung im Nürnberger Klinikum dokumentiert anhand einzelner Schicksale, wie durch Verordnungen und Gesetze im Nationalsozialismus Existenzen „jüdischer“ und „staatsfeindlicher“ Ärztinnen und Ärzte systematisch zerstört wurden.
|
Historische Quellen belegen, dass zu Beginn des Jahres 1933 noch rund 9.000 jüdische Ärzte im Deutschen Reich tätig waren. Schon mit der neu gefassten Verordnung über die Kassenzulassung vom 22. April 1933 verlor die Mehrheit der jüdischen Kassenärzte ihre Zulassung. Viele haben in den Folgejahren den verzweifelten Weg ins Exil gewählt oder als Folge von Hetze und Diskriminierung den Selbstmord. Fünf Jahre später unterzeichnete Adolf Hitler ein Gesetz, das die Situation noch weiter verschärfte und für die noch 3.152 verbliebenen jüdischen Ärzte den endgültigen Entzug ihrer Berufserlaubnis bedeutete. Viele wurden systematisch verfolgt und in den Konzentrationslagern ermordet. „Unsere Intention ist es, zu zeigen, wohin der Rassismus schon einmal geführt hat – als Mahnung für heute und für die Zukunft“, erläutert Prof. Hannes Wandt, Oberarzt der Onkologie und Leiter der Abteilung für Knochenmarktransplantation im Klinikum Nord. Wandt ist Vorsitzender der Ärzte für Frieden und soziale Verantwortung -Regionalgruppe Nürnberg-Fürth-Erlangen der IPPNW. Zusammen mit anderen engagierten Kollegen hat Wandt die bereits im letzten Jahr in München gezeigte Ausstellung mit Dokumenten verfolgter Ärzte aus Nürnberg und Fürth ergänzt. |
|
Einer dieser verfolgten jüdischen Ärzte war Prof. Ernst Nathan. Der erfahrene Mediziner und Wegbereiter der allergologischen Forschung leitete zehn Jahre lang von 1923 bis 1933 die Hautklinik des Städtischen Krankenhauses Nürnberg. Ihn traf der gezielt geschürte Hass der Nationalsozialisten über die „Verjudung“ des deutschen Gesundheitswesens schon sehr früh: Bereits im März 1933 wurde er aufgefordert, sofort „seinen Urlaub anzutreten“ und im September wurde er ohne weitere Bezüge zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Nach seiner Entlassung praktizierte Nathan bis 1938 als niedergelassener Facharzt, erhielt jedoch keine Kassenzulassung mehr. Mit dem Entzug der Approbation wurde er seiner Existenzgrundlage beraubt; im März 1939 gelang ihm mit seiner Familie die Emigration in die USA.
Seit 1998 erinnert die Umbenennung eines Teiles der früheren Flurstraße im Bereich des Haupteingangs des Klinikums Nord in Prof.-Ernst-Nathan-Straße an den jüdischen Arzt. Eine Gedenktafel im Eingangsbereich von Haus 16 würdigt sein langjähriges Schaffen und mahnt, „für Demokratie und Menschenrechte zu kämpfen“.
Auch die Namen Prof. Konrad Bingold, er wurde Ende 1936 als Leiter der 1. Medizinischen Klinik im Städtischen Krankenhaus entlassen, weil seine Ehefrau jüdischer Herkunft war, Dr. Ernst Seckendorf, Dr. Theodor Delvin Katz oder Alexander Frankenburger stehen stellvertretend für eine Vielzahl weiterer Schicksale. „In Nürnberg“, so Wandt, gab es 118 jüdische Ärzte, die um ihre Existenz fürchten mussten, 62 von ihnen hatten schon 1933 ihre Kassenzulassung verloren.“
Die Ausstellung ist vom 17. bis 30. Juni im Klinikum Nord (Verbindungsgang zwischen Haus 17 und den Häusern 20/22), vom 1. bis 15. Juli in der Eingangshalle des Klinikums Süd und vom 11.8. bis 4.9. im Rathaus zu sehen.
IPPNW – Was ist das?
IPPNW steht für „International Physicians for the Prevention of Nuclear War“. Die Initiative wurde 1980 von einem russischen und amerikanischen Kardiologen gegründet, um einen atomaren Konflikt in Zeiten des Kalten Krieges zu verhindern. Das weltweite Netzwerk aus Ärzten, Medizinstudenten und Fördermitgliedern setzt sich in über 60 Ländern für eine friedliche, atomtechnologiefreie und menschenwürdige Welt ein. Für ihr Engagement erhielt es 1985 den Friedensnobelpreis. Der deutsche Verein nennt sich „IPPNW – Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.“, zählt über 7.000 Mitglieder und ist in vielen Regionalgruppen aktiv. Weitere Informationen für den Großraum Nürnberg gibt es im Internet unter www.ippnw-nuernberg.de.
Autorin/Autor: Axel Bredehöft

