Allergien - Der sinnlose Kampf im Körper
Tag und Nacht ist unser körpereigenes Abwehrsystem im Einsatz, um feindliche Erreger wie Bakterien oder Viren fernzuhalten. Wenn es allerdings wie bei Allergien harmlose Eindringlinge wie Birkenpollen, Hausstaub, Katzenhaare oder sogar Lebensmittel attackiert, ist das Immunsystem fehlgesteuert und führt einen Kampf gegen Windmühlen. Bei etwa einem Viertel der Bevölkerung ist dies der Fall.
|
Warum das Immunsystem normalerweise harmlose Umweltstoffe als schädlich identifiziert, beschäftigt die Forschung seit vielen Jahrzehnten. Dr. Sonja Beckh, Oberärztin der Pneumologie, erklärt, wie es zu solch einer Reaktion kommt: „Bei einer Allergie stellt das Immunsystem IgE-Antikörper her. Diese veranlassen die so genannten Mastzellen im Gewebe, ihren Inhaltsstoff Histamin auszuschütten.“ Allergische Symptome wie juckende und tränende Augen, Niesanfälle, Hustenreiz, Magen- und Darmstörungen sind die Folge. Was in der Entwicklungsgeschichte des Menschen zur Abwehr von Parasiten und Krankheiten diente, kann ihn nun krank machen. Denn Allergien sind nicht nur lästig, sondern können auch zu ernsthaften gesundheitlichen Schädigungen führen. In bestimmten Fällen können sie sogar lebensbedrohlich sein, wie bei Allergien gegen Insektengift. |
|
„Aber auch eine Pollenallergie beispielsweise“, so Beckh, „kann sich durchaus zu einer schweren Asthma-Erkrankung entwickeln.“ Die Wissenschaft nennt dies einen „Etagenwechsel“, das heißt, die Allergie verlagert sich auf eine andere Ebene. „Die Alarmglocken sollten läuten, wenn allergischer Husten länger andauert oder gar mit Beklemmung, Atemnot oder pfeifendem Atemgeräusch einhergeht“, warnt sie. Dann müsse sofort medikamentös behandelt werden, um Schädigungen der Bronchien und der Lunge zu verhindern oder zu stoppen. So sei bei rund 20 Prozent der Heuschnupfen-Allergiker eine Asthmaentwicklung möglich.
Die Oberärztin rät betroffenen Patienten, Kontakt zu den beschwerdeauslösenden Allergenen zu meiden. Anders als bei einer Infektion bilden sich nämlich keine schützenden Antikörper, sondern der Körper reagiert jedes Mal von Neuem. Da dies gerade bei Pollen nicht immer möglich ist, kann der Arzt Medikamente verschreiben, die das Immunsystem dämpfen und eine allergische Antwort des Körpers abschwächen. „Die medikamentöse Behandlung ist in erster Linie eine Frage der Lebensqualität“, meint die Lungenfachärztin.
Wer das Übel bei der Wurzel packen will, kann sich de- oder hyposensibilisieren lassen. Diese Methode wirkt besonders gut bei Pollen-, Hausstaub- und Insektengiftallergien. Bei einer Hyposensibilisierung wird dem Allergiker unter ärztlicher Aufsicht über einen längeren Zeitraum hinweg eine verdünnte Allergenlösung verabreicht und die Konzentration langsam gesteigert, damit der Körper sich daran gewöhnt. Die Allergene werden gespritzt oder in Form von Tropfen oder Tabletten sublingual, also unter der Zunge, verabreicht. „Die Erfolgsquote bei einer Hyposensibilisierung ist grundsätzlich gut. Selbst wenn die Allergie nicht völlig verschwindet, tritt bei 80 Prozent der Behandelten eine Besserung der Symptome ein“, so die Erfahrung der Ärztin.Autorin/Autor: Justina Mehriger

