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Vergiftungen - TV-Magazin ?Galileo? auf Dreh im Klinikum

Dass Nikotin giftig ist, wusste schon Agatha Christie und ließ ihren Meisterdetektiv Hercule Poirot im Kriminalroman mit dem Titel ?Nikotin? einen mysteriösen Vergiftungsfall aufklären. Aber kann man sich mit dem Verschlucken eines Zigarettenstummels vergiften? Oder muss man bei grünen Tomaten die grünen Stielansätze unbedingt herausschneiden, weil sie hochtoxisch sind? Auf die Spur unterschiedlichster Vergiftungen und Giftmythen ging Pro 7-Redakteurin Jenny Roller für die Sendung ?Galileo? und wurde im Klinikum Nürnberg fündig. Mehrere Stunden drehte ein Team des Wissensmagazins, das täglich um 19.05 Uhr ausgestrahlt wird, im Institut für Klinische Chemie und in der Toxikologischen Intensivstation 39 Erde im Klinikum Nord. Dr. Fritz Degel, stellvertretenden Leiter des Instituts für Klinische Chemie, und Oberarzt Dr. Hans Jürgen Heppner, Bereichsleiter Internistische Intensivmedizin, standen dem Fernsehteam Rede und Antwort.

Oberarzt Heppner hatte gleich einen aktuellen Fall eines Patienten parat, der sich mit einem Tee aus 17 Zigaretten vergiften wollte: ?Der Mann hat aber sofort erbrochen, die natürliche Schutzreaktion des Körpers, und wurde zu uns eingeliefert.?

Das Erbrechen war sein Glück, denn eine Zigarette enthält etwa 12 Milligramm Nikotin, und damit weit mehr als auf der Packung angegeben ist. Diese Daten beziehen sich nämlich auf den Nikotingehalt im Rauch. ?Bei einem normalgewichtigen Erwachsenen beträgt die tödliche Dosis ungefähr 70 bis 80 Milligramm?, zitiert Heppner die Fachliteratur. Man gehe davon aus, dass ein Milligramm Nikotin pro ein Kilogramm Körpergewicht lebensgefährlich ist. Bei einem Kleinkind reiche also durchaus eine ganze Zigarette oder einige Zigarettenstummel.

 

Analyse: Gefilmt von der Fernsehkamera ermittelt Dr. Fritz Degel, stellvertretender Leiter des Instituts für Klinische Chemie, den Nikotingehalt einer Zigarette
 

?Nikotin ist damit giftiger als Zyankali oder Arsen?, erläutert Degel und verweist auf den langjährigen Einsatz von Nikotin als Insektenvernichtungsmittel zum Beispiel gegen Blattläuse. ?Aufgrund der hohen Toxizität besteht für Nikotin sogar seit den 1970er Jahren ein Anwendungsverbot.? Beobachtet von der Kamera bereitete Degel einen Nikotinaufguss aus einer Zigarette vor und analysierte den gewonnenen Probenextrakt dann mit Hilfe eines Tandem-Massenspektrometers . Die Analyse dauerte lediglich drei Minuten.

Mangels grüner Tomaten konnte das Kamerateam die Spurensuche nach dem Gift Solanin nicht so eindrücklich ins Bild setzen. ?Um auf die tödliche Dosis von 400 Milligramm zu kommen, müsste man schon 1,5 bis 4,5 Kilogramm grüne Tomaten je nach Sorte essen?, erklärt Degel. Zu ersten Vergiftungsanzeichen könne es jedoch schon ab 80 Gramm aufgenommener grüner Tomaten kommen.

Redakteurin Jenny Roller war dennoch mit dem Dreh ?sehr zufrieden?. Schließlich konnte der Anspruch von ?Galileo?, nämlich verständliches und unterhaltsam aufbereitetes Wissen zu liefern, sehr gut umgesetzt werden. Der Beitrag ging am 5.März auf Sendung und fand ein Millionenpublikum. Mit  einem Marktanteil von 12,7 Prozent liegt ?Galileo? über dem Schnitt von Pro7. Das Wissensmagazin wird zudem in acht Länder verkauft, u.a. nach China, Ungarn und Russland.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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