Notaufnahme - Beobachtungsmedizin bei "unklaren" Bauchschmerzen
In der Notaufnahme eines Krankenhauses muss es schnell gehen. Dieses Bild hat sich nicht erst durch beliebte Fernsehserien wie "Emergency Room" oder "In aller Freundschaft" in den Köpfen der Menschen festgesetzt. "Ja klar, in der Notaufnahme muss man schnell handeln, wenn es nötig ist, manchmal aber muss man auch geduldig den weiteren Verlauf der Krankheit beobachten, um die richtige Entscheidung treffen zu können." sagt Privatdozent Dr. Michael Christ, Chefarzt der Aufnahmeklinik.
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Beobachtungsmedizin nennt sich diese Art medizinischen Handelns, die seit einigen Jahren in der Notaufnahme wieder an Bedeutung gewinnt ? auch im Klinikum. Damit kehrt man in der Notfallmedizin zu den Grundzügen der ärztlichen Kunst zurück: mit den Menschen reden, beobachten, abwarten. "Manchmal dauert es, bis die Symptome ihr wahres Gesicht zeigen", erklärt Christ, der als Chefarzt für die interdisziplinären Notaufnahmen an den beiden Standorten im Klinikum Nord und Süd verantwortlich ist. Und nicht in jedem Fall ist gleich eine aufwändige High-Tech-Medizin gefragt. Doch wie entscheidet der Notfallmediziner, wann schnell gehandelt werden muss? Und wann ist es besser, erst einmal den weiteren Verlauf zu beobachten? Christ erklärt die Bedeutung der Beobachtungsmedizin am Beispiel von Bauchschmerzen, einer der häufigsten Gründe für das Aufsuchen einer Notaufnahme. Genau dafür wurde nun in der Notaufnahme des Klinikums unter dem Titel "Abdominal Pain Unit" ein strukturiertes Behandlungskonzept neu definiert. |
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Die Ursachen von Bauchschmerzen sind sehr unterschiedlich. Manche Patienten leiden lediglich unter einer relativ harmlosen Durchfallerkrankung, andere an lebensgefährlichen oder die Gesundheit bedrohenden Erkrankungen wie z.B. einer Blinddarmentzündung oder einem Darmverschluss.
Erklärtes Ziel der Notaufnahme ist es nun, in maximal zwei Stunden eine klare Entscheidung über die weitere Behandlung zu treffen. Dabei müssen folgende Fragen eindeutig beantwortet werden: Muss der Patient stationär behandelt oder kann er nach einer Behandlung wieder nach Hause entlassen werden? Braucht er eine konservative Therapie in der Gastroenterologie oder muss er sich in der Allgemeinchirurgie einer Operation unterziehen? "Diese Fragen werden heute bereits in der Notaufnahme entschieden, um dem Patienten unnötige Wege und Ängste zu ersparen", erklärt Christ. In bis zu 80 Prozent der Fälle ist diese Entscheidung binnen zweier Stunden auch gefallen, und der Patient wird gleich gezielt in die "richtige" Klinik zur Behandlung weitergeleitet.
Doch dann gibt es noch die so genannten "unklaren" Bauchschmerzen. Studien belegen, dass bei 15 bis 20 Prozent der Patienten, die mit Bauchschmerzen in die Notaufnahme kommen, sich auch mit Hilfe aufwändiger High-Tech-Diagnostik keine Ursache dafür finden lässt. "Bei ihnen gehen die Bauchschmerzen ganz von alleine wieder weg", so Christ.
Doch wer gehört dazu? Um diese Frage sicher beantworten zu können, werden die Patienten 24 Stunden lang auf der Fast-Track-Station der Notaufnahme lückenlos überwacht. Sollte sich ihr Gesundheitszustand verschlechtern, wird unverzüglich die Behandlung eingeleitet, verschwinden die Schmerzen, dürfen die Patienten nach Hause gehen.
Die Entscheidung über Aufnahme und Entlassung fällt bei der täglichen Morgenvisite im interdisziplinären Team. Gemeinsam begutachten Fachärzte aus der Notaufnahme, der Gastroenterologie und der Allgemeinchirurgie die bisherigen Befunde, sprechen mit dem Patienten, beurteilen seinen Zustand. Am Ende steht die gemeinsame Entscheidung, getragen von der Kompetenz dreier Fachdisziplinen. "Sicherer geht es nicht", sagt Christ. Und dem Patienten bleiben unter Umständen aufwändige und oft belastende Untersuchungen erspart.
Wie wichtig die Notaufnahme des Klinikums für die Region ist, zeigen die Zahlen. 2008 kamen über 75.000 Patienten hierher. Und jedes Jahr werden es mehr. Auch für 2009 rechnet Christ mit einer weiter steigenden Zahl von Patienten in den interdisziplinären Notaufnahmen der beiden Standorte Nord und Süd.
Eine der häufigsten Gründe, die Notaufnahme aufzusuchen, sind dabei Bauchschmerzen. Allein im Dezember waren es in der Notaufnahme im Klinikum Nord 481. Drei Viertel von ihnen wurden stationär aufgenommen, die anderen konnten entlassen wurden. Insgesamt 52 Patienten wurden vor der Entscheidung in der Abdominal Pain Unit überwacht.Autorin/Autor: Doris Strahler

