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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2009 >> Ausgabe 2 >> Herzzentrum - Bypass oder Stent ? eine Frage der Diagnose

Herzzentrum - Bypass oder Stent ? eine Frage der Diagnose

Ist das Herz nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, weil die Herzkranzgefäße verengt sind, muss gehandelt werden. Andernfalls kann es schnell zu einem Herzinfarkt kommen. Zwei grundlegende Methoden haben sich etabliert, um die Durchblutung des Herzmuskels wieder zu gewährleisten: Bypass und Stent. Mediziner streiten derzeit in der Öffentlichkeit darüber, welche Methode die bessere sei. Unter der Überschrift ?Gefäßstützen sind oft überflüssig? schrieb zum Beispiel das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, dass die Stents genannten Gitterröhrchen zum Offenhalten von verengten Gefäßen viele Risiken bergen würden. ?Sie können sich wieder verschließen und einen Infarkt auslösen, trotzdem entscheiden sich viele Mediziner für diese Methode - teilweise aus Unwissenheit?, hieß es im Text.

Im Herzzentrum des Klinikums Nürnberg Süd zählen beide Verfahren, Bypass und Stent, seit Jahren mit steigenden Patientenzahlen zur Routine. ?Jede Methode hat ihre Stärken und Schwächen und die Frage, ob Bypass oder Stent, hängt ganz entscheidend von der Diagnose ab?, erklären übereinstimmend Prof. Matthias Pauschinger, Chefarzt der Kardiologie, und Prof. Theodor Fischlein, Chefarzt der Herzchirurgie. Kardiologie und Herzchirurgie des Klinikums sehen in der im Klinikum praktizierten engen Kooperation eine Lösung des Konflikts.

 

Wöchentliche Kardiokonferenz

Während beim Bypass eine aufwändige Operation am offenen Brustkorb erfolgt, um die verengten Stellen mit körpereigenen Adern zu überbrücken, genügt beim Stent ein kleiner Schnitt am Handgelenk oder in der Leiste. Durch ein Blutgefäß wird dann ein Katheter (Sonde) bis ins Herz geführt. Die Patienten sind bei Bewusstsein, wenn der Kardiologe unter Röntgenkontrolle Kontrastmittel in die Herzgefäße spritzt, das den Engpass sichtbar macht. Dort wird dann der Stent ? ein röhrenartiges Drahtgeflecht - eingesetzt, um die betreffende Ader dauerhaft offen zu halten.

Herz
 

Wöchentlich gibt es im Klinikum so genannte Kardiokonferenzen, bei denen beide Fachdisziplinen, Kardiologie und Herzchirurgie, die Diagnosen von Patienten bewerten und Therapien festlegen. ?Handelt es sich um drei Engstellen im Bereich der Herzkranzgefäße und kommt womöglich noch eine diabetische Erkrankung hinzu?, betont Herzchirurgie-Chefarzt Fischlein, ?so ist in jedem Fall eine Bypass-Operation die erste Wahl.? Dass in Deutschland mit Abstand die höchste Zahl an Stents weltweit implantiert wird, stimmt beide Chefärzte nachdenklich. Kardiologie-Chefarzt Pauschinger verweist in diesem Zusammenhang auf die zurückhaltende Tradition der Kardiologie im Klinikum: ?Wir bauen hier nicht mal auf die Schnelle etwas ein und entlassen dann den Patienten.?

Eine 2008 veröffentlichte internationale Studie (SYNTAX-Studie), die erstmals gemeinsam von beiden Disziplinen ins Leben gerufen worden ist, erlaubt keine klare Empfehlung für eines der Verfahren. Nach einem Beobachtungszeitraum von einem Jahr schneiden demnach Patienten, deren verengte Herzkranzgefäße mit einem Stent erweitert worden sind, nicht besser ab als diejenigen, die sich einer Bypass-Operation unterzogen haben. Gemessen wurde, wie häufig Patienten verstarben, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten und wie oft ein erneuter gefäßerweiternder Eingriff erforderlich war.

Angesichts der im Einzelfall genau zu prüfenden Kriterien, welches die geeignetere Behandlung für den betreffenden Patienten ist, verweist Fischlein auf die enge Verzahnung von Kardiologie und Herzchirurgie sowie dem Ambulanten Rehabilitations-Zentrum (A.R.Z.) vor Ort: ?Für die Patienten ist diese Konstellation von großem Vorteil, denn sie erhalten Diagnose, Therapie und Reha aus einem Guss.?

Autorin/Autor: Axel Bredehöft

 
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