Herzklappen - Das Leben mit einer Prothese
Früher mussten Patienten mit erkrankter oder fehlerhafter Herzklappe ihre Aktivitäten einschränken. Häufig war ihre Lebenserwartung verkürzt. Schonende Verfahren erlauben heute den Einsatz künstlicher wie biologischer Herzklappen oder sogar deren Rekonstruktion selbst bei älteren und multimorbiden Patienten. Viele können nach der Operation wieder ein aktives und erfülltes Leben führen. Dennoch gilt es Einiges zu beachten wie der mit dem Klinikum kooperierende niedergelassene Kardiologe, Dr. Claus Hoffmann, und Dr. Konrad Göhl, Oberarzt der Kardiologie im Klinikum Nürnberg Süd, aus Erfahrung wissen.
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?Bei Patienten mit künstlichen Herzklappen ist die Kontrolle der Blutgerinnung ganz entscheidend?, erläutert Hoffmann. Dies sei wichtig, weil das körperfremde Material einer mechanischen Herzklappe eine Blutgerinnselbildung, also eine Thrombose, verursachen könne. Um das zu verhindern, müssten Patienten lebenslang blutgerinnungshemmende Medikamente wie etwa Marcumar einnehmen. ?Für die richtige Einnahme?, so Hoffmann, ?muss regelmäßig der sogenannte INR-Wert bestimmt werden.? Er empfiehlt Patienten, diese Kontrolle selbst durchzuführen, ähnlich der Stoffwechselkontrolle und Anpassung der Insulindosis bei Diabetes. Voraussetzung dafür ist die Anschaffung eines speziellen Gerätes und die Teilnahme an einer Schulung. Durch einen kleinen Einstich in den Finger kann der Patient innerhalb von wenigen Minuten den Blutgerinnungswert bestimmen. Dass Medikamente wie Marcumar bei Patienten durchaus Ängste auslösen können, unterstreicht Oberarzt Göhl von der Kardiologie im Klinikum: ?Gerade die Einnahme von Marcumar ist häufig angstbesetzt, weil es mit dem Leben eines Bluters gleichgesetzt wird. Dabei kommt es nur auf die richtige Dosierung und einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Erkrankung an.? |
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Grundsätzlich sollten die Patienten alle behandelnden Ärzte auf die Klappenprothese und die entsprechende Medikation hinweisen. Hinsichtlich ärztlicher Behandlungen bei denen ? wie etwa beim Zahnarzt ? mit Blutungen zu rechnen ist, muss der behandelnde Arzt genauestens über die gerinnungshemmenden Medikamente informiert werden. Denn Blutungen sind nur schwer zu stillen, es können Krankheitserreger in die Blutbahn gelangen und sich an den künstlichen Herzklappen ansiedeln. ?Ein Patient mit Gerinnungshemmung?, betont Hoffmann, ?darf auf keinen Fall intramuskuläre Spritzen bekommen, denn sie können zu großen Blutergüssen und Komplikationen führen.?
Zu einer Rückkehr ins normale Leben gehören auch Urlaubsreisen und sportliche Aktivitäten: ?Wenn das Herz nach dem Klappenersatz eine gute Pumpfunktion aufweist, sind Flugreisen schon zwei Wochen nach der Operation wieder möglich, nur sollten die Patienten keine schweren Koffer tragen müssen?, betont Hoffmann. Er rät, die notwendigen Medikamente in ausreichender Menge und auf verschiedene Gepäckstücke verteilt, mitzunehmen, denn im Ausland hätten sie oftmals eine andere Bezeichnung, Zusammensetzung und damit ein anderes Wirkprofil. Hilfreich sind zudem der Arztbrief und der Gerinnungsausweis.
Für besonders geeignet für Herzpatienten hält der niedergelassene Facharzt Sportarten wie Walking, Jogging oder Radfahren. Sie können durch einen vorgegebenen Trainingsimpuls gut überwacht werden. Extreme Belastungen sollten jedoch vermieden werden, und das persönliche Wohlgefühl dabei im Vordergrund stehen. Nicht zuletzt empfiehlt der Kardiologe allen Patienten, sich ?zum Experten ihrer Erkrankung zu machen?, denn dann würde einem sorgenfreien Leben mit einer Herzklappenprothese wenig entgegenstehen.Autorin/Autor: Axel Bredehöft

