Klinische Chemie - Detektivarbeit bei Modedrogen
Sie hießen ?Spice?, Smoke? oder ?Yukatan Fire?, wurden im Internet als Kräutermischungen zum Verräuchern feilgeboten und fanden reißenden Absatz, denn sie haben eines gemeinsam: Werden sie geraucht, erzeugen sie Rauschzustände. Nicht selten landeten jedoch Konsumenten auch mit massiven Herz-Kreislauf-Problemen oder akuten Angstzuständen in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser.
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Ursache dafür ist der Zusatz des synthetischen Cannabis-ähnlichen Stoffes ?JWH-018?. Die Substanz zeigt eine vierfach höhere berauschende Wirkung verglichen mit dem natürlichen Cannabis-Inhaltstoff Tetrahydrocannabinol. Inzwischen ist der Handel mit diesen Modedrogen auch in Deutschland verboten. Pharmakologische, forensische und toxikologische Labors arbeiten aber weiter daran, die Abbauprodukte von ?Spice? im Körper zu erforschen, um den Konsum nachweisen zu können. Dem Institut für Klinische Chemie des Klinikums ist es jetzt gelungen, das synthetische Cannaboid in ?Smoke? zu isolieren. ?Das ist richtige Detektivarbeit?, erläutert Dr. Fritz Degel, stellvertretender Leiter des Instituts. |
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Am Beginn der Spurensuche stand ein kleines silbernes Tütchen mit drei Gramm ?Smoke? ? zur ?Aromatherapie?, so die Aufschrift. Gefunden wurde es bei einem Drogenkonsumenten, der in die toxikologische Intensivstation 39 Erde im Klinikum Nord eingeliefert wurde. ?Wir werden hier immer wieder mit neuen, bislang unbekannten Drogen konfrontiert, die Szene ist richtig erfinderisch?, berichtet Oberarzt Dr. Hans-Jürgen Heppner, Bereichsleiter für Internistische Intensivmedizin. Urin- und Blutproben der eingelieferten Patienten sowie aufgefundene Substanzen gingen dann ? wie immer ? zur Analyse in das Institut für Klinische Chemie.
Das Institut ist mit neuesten chromatografischen und massenspektrometrischen Analysetechniken ausgestattet. ?Wir bedienen uns zudem der europäischen Standarddatenbank von Pfleger, Maurer und Weber, in der 7.000 Medikamente, Drogen, Giftstoffe und deren Abbauprodukte aufgelistet sind, und der Datenbank des National Institute of Standards mit insgesamt 180.000 aufgeführten Chemikalien?, berichtet Chefanalytiker Degel. Daten über neue Wirksubstanzen werden zudem zeitnah innerhalb einer interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft ?Klinische Toxikologie? ausgetauscht, so geschehen auch mit dem Wirkstoff ?JWH-018?.
In dem ?Smoke?-Tütchen konnte damit im Institut für Klinische Chemie schließlich dieses synthetische Cannaboid isoliert werden, eine von hunderten synthetischer Cannabis-Stoffe, die John W. Huffmann, Chemieprofessor an der Clemson University in South Carolina, zu therapeutischen Zwecken entwickelt hat und die in Drogenlaboren nachgebaut werden.
Um den Konsum solcher Modedrogen nachweisen zu können, ist es erforderlich, spezifische Abbauprodukte, so genannte Metabolite, im Urin oder im Blut aufzuspüren. ?Für die Therapie ist es wichtig zu wissen, was genau konsumiert worden ist?, erläutert Heppner. Das betrifft auch die Nebenwirkungen. Abbauprodukte von ?Spice? stehen beispielsweise im Verdacht, krebsauslösende Wirkung zu besitzen.
Doch die Suche nach entsprechenden Abbauprodukten von ?Spice?, ?Smoke? und Co. befindet sich noch im Anfangsstadium. ?Das ist wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel. Haben wir etwas gefunden, entwickelt die Szene schon wieder etwas Neues?, meint Degel ohne eine Spur von Resignation. ?Das ist eine spannende Herausforderung.?Autorin/Autor: Bernd Siegler

