Brustkrebsvorsorge - Anleitung für eine spezielle Tasttechnik
Die Mutter von Linda S. hatte Brustkrebs. Sie hat ihn nun schon viele Jahre überlebt und ist geheilt. Diesen Umstand verdankt sie wahrscheinlich in erster Linie ihrer eigenen Aufmerksamkeit. Sie hat den Knoten in ihrer Brust selbst entdeckt ? wie weitere vier von fünf Frauen, die an Brustkrebs erkranken. Auch Linda S. ist ihr eigenes Risiko für diese Krankheit bewusst. Nicht nur wegen ihrer Mutter, sondern darum, weil dieses Schicksal jede zehnte Frau im Laufe ihres Lebens trifft. Deshalb geht sie einmal im Jahr zur Vorsorge. Was sie bisher nicht gemacht hat ist, ihre Brust regelmäßig selbst zu untersuchen. ?Wonach sollte ich suchen? Was, wenn ich etwas Auffälliges entdecken würde??, fragt sie sich und beschließt, einen Mamma Care®-Kurs zur Selbstuntersuchung der Brust zu besuchen.
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?Mamma Care®?, also Sorge oder Aufmerksamkeit für die Brust, heißt die Methode, die die Siemens-Betriebskrankenkasse im Klinikum Nord in einem Kurs vermittelt. Drei Stunden sind für den Kurs angesetzt, bei dem neun Teilnehmerinnen unter der Anleitung von zwei erfahrenen Ärztinnen die spezielle Tasttechnik lernen. Dr. Heike Kramer und Dr. Barbara Djahanian informieren zunächst über den anatomischen Aufbau der Brust und die Veränderungen, die die Brust während des weiblichen Zyklus und im Laufe der Jahre erfährt. Die Teilnehmerinnen erfahren Interessantes über das Wachstum entarteter Zellen: Alle 100 Tage verdoppelt sich ein Tumor. Angenommen, ein Knoten hätte zum Zeitpunkt der ärztlichen Vorsorge den Durchmesser von einem halben Zentimeter, zu klein, um entdeckt zu werden, so wäre dieser ein Jahr später bereits 4 cm groß. Ein überzeugendes Argument dafür, die Chance der Selbstuntersuchung ernst zu nehmen. Mit Mamma Care® sollen Knoten unter einem Zentimeter Durchmesser ertastet werden können. |
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Nun geht es in die Praxis. Jede Teilnehmerin bekommt ein Modell, das der weiblichen Brust nachgebildet ist. Im Modell sind Verhärtungen, Knoten und andere in der Brust tastbare Veränderungen eingearbeitet. Die Ärztinnen zeigen den Frauen, wie man die Brust so abtastet oder ?screent?, dass wirklich jeder Quadratzentimeter erfasst wird. Ohne Angst lässt sich so herausfinden, wie es sich anfühlt, wenn man einen Knoten im Silikongewebe entdeckt.
Eine angeregte Stimmung herrscht im Raum ? die Frauen fühlen sich eher als Forscherinnen denn als Patientinnen. Immer wieder ertönt ein ?Ich hab was entdeckt!? Keine hätte sich vorgestellt, wie deutlich sich Tumorgewebe identifizieren lässt. Immer wieder greifen die Kursleiterinnen korrigierend ein, wenn sie merken, dass die Handhaltung nicht stimmt. ?Erst wenn die Handstellung korrekt ist und die Methode in Fleisch und Blut übergeht, kann man sie sicher anwenden?, so Kramer. Am Schluss kann ? wer will ? die eigene Brust mit der gelernten Methode erkunden. Und auch gleich die Kursleiterinnen fragen, wenn man meint, ?etwas Verdächtiges? zu spüren.
Heike Kramer ermutigt: ?Nach einigen Monaten werden Ihre Hände Ihre Brust so gut kennen, dass Sie jede Veränderung merken. Dafür brauchen Sie 20 Minuten, diese Zeit kann sich kein Arzt nehmen. Sie haben so zwölfmal im Jahr die Chance, einen Knoten rechtzeitig zu entdecken.? Und damit die Chance auf Heilung zu erhöhen: Bei 90 Prozent liegt die Heilungsquote, wenn ein Tumor rechtzeitig entdeckt wird.
Kramer weist aber auch darauf hin, dass die Selbstuntersuchung die ärztliche Vorsorge nicht ersetzen kann: ?Den optimalen Schutz bietet eine Kombination aus der eigenen Vorsorge und Tasten durch den Arzt, aus Ultraschall und Mammografie.?
Linda S. geht beruhigt und mit dem sicheren Gefühl nach Hause, dass sie sich nun auch in ihre eigenen erfahrenen Hände begeben kann.
Der Kurs ?Selbstuntersuchung der Brust nach Mamma Care®? findet auf Anfrage immer montags, 9:00 bis 22:00 Uhr, im Klinikum Nürnberg Nord statt. Teilnahmegebühr 10 Euro. Anmeldung bei der Siemens-Betriebskrankenkasse bei Katja Klemm, Tel. (0911) 433-7826.
Autorin/Autor: Justina Mehringer

