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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2009 >> Ausgabe 2 >> Auslandseinsatz - Hilfe für Patienten am Dach der Welt

Auslandseinsatz - Hilfe für Patienten am Dach der Welt

Wenn Dr. Reiner Sievers von seinem letzten freiwilligen Arbeitseinsatz in Nepal im vergangenen November erzählt, leuchten seine Augen. Der 44-jährige Arzt in der Plastischen Chirurgie im Klinikum Nürnberg Süd opferte drei Wochen seines Jahresurlaubs, um zusammen mit seiner Kollegin aus der Plastischen Chirurgie, der Assistenzärztin Dr. Katrin Merz, in dem Bergstaat am Fuße des Himalayas den Ärmsten der Armen zu helfen.

Fast täglich operierten die Chirurgen im United Mission Hospital in dem 15.000 Einwohner zählenden Ort Tansen, rund zehn Autostunden von der Hauptstadt Kathmandu entfernt. Das 165-Betten-Krankenhaus in Zentralnepal ist vor allem für viele Kinder, Schwangere und Schwerverletzte einzige Hoffnung auf eine gute medizinische Behandlung. Bedürftige werden dort kostenlos behandelt, und oft haben die Patienten schon lange Wegstrecken hinter sich.

Engagement ist für Sievers kein Fremdwort. Der Facharzt ist bekennender Christ und ist froh, dass er eine Ausbildung zu seinem Traumberuf „Chirurg“ in Deutschland machen konnte. Als Zeichen seiner Dankbarkeit ging er 2001 vier Jahre lang nach Nepal, um in Tansen zu arbeiten. Seine Frau Elisabeth und die beiden Kinder, damals vier und sechs Jahre alt, begleiteten ihn. In dieser Zeit lernte er, die Landessprache Nepali fließend zu sprechen. Die Strukturen vor Ort sind ihm seither gut bekannt und viele Einheimische kennen ihn und vertrauen ihm.

Hilfseinsatz: Dr. Reiner Sievers
 

Deshalb zögerte der Mediziner nicht, wieder nach Tansen zu gehen, als die Krankenhausleitung vor Ort, ihn darum bat. Als die 31-jährige Assistenzärztin Merz davon erfuhr, fragte sie ihn, ob sie ihn begleiten dürfe. Sie hatte bereits zwei Auslandseinsätze in Tansania hinter sich und war neugierig, wie die medizinische Betreuung in anderen Entwicklungsländern aussehen würde. 

Die Ausstattung im Unided Mission Krankenhaus ist mit Röntgen- und Ultraschallgeräten relativ gut, aber natürlich weit entfernt von der High-Tech-Medizin im Klinikum. Oft waren die besonderen Fähigkeiten von Sievers als Plastischer Chirurg und Spezialist für Verbrennungsmedizin gefragt. In Nepal kommt es häufig zu Verbrennungen, vor allem bei Frauen und Kindern. In den Häusern wird mit offenem Feuer gekocht und die Saris der Frauen fangen leicht Feuer.

Aber in Tansen waren die Nürnberger Ärzte auch als „Allrounder“ gefordert. Zu den Operationen zählten Eingriffe wie Kaiserschnitte, das Entfernen von Nierensteinen oder Eiterabszessen. Bei allen Operationen waren junge, einheimische Ärzte dabei, um von den erfahrenen Kollegen aus Europa zu lernen. „Man muss sich daran gewöhnen, dass der Tagesablauf völlig anders als in Deutschland ist. Es gibt kaum Bürokratie und man operiert unglaublich viel“, meint Katrin Merz.

Am meisten bewegt hat beide Nürnberger Ärzte das Schicksal des 15-jährigen Dinanath. Beim Versuch, Strom von einer Hochspannungsleitung anzuzapfen, hatte er schwerste Verbrennungen dritten Grades am Oberkörper und im Gesicht erlitten. Die einheimischen Ärzte hatten ihn schon aufgegeben. Mit fünf aufwändigen Operationen ist es gelungen, Dinanath zu retten. „Allein wegen Dinanath hat sich die Reise schon gelohnt“, sagt Sievers. In vielen Fällen konnten die Ärzte helfen, aber nicht immer. Schweren Herzens mussten sie zwei Patienten auf die beschwerliche Reise nach Kathmandu schicken, weil vor Ort keine ausreichende Medizintechnik vorhanden war.

Von den Naturschönheiten des Landes haben Sievers und Merz nicht viel gesehen. Die schneebedeckten Berge kennen sie nur aus der Ferne: „Wir haben da gearbeitet, wo andere Leute Urlaub machen.“ In den drei Wochen gab es für sie nur einen freien Tag. Zu den Operationen tagsüber kam oft auch noch nächtlicher Bereitschaftsdienst.  „Was zählt, ist die Herzlichkeit der Menschen. Sie geben mit ihrer Offenheit und Freundlichkeit viel zurück. Ich bin gerne wieder zurück in Deutschland, aber ein Stück von meinem Herzen blieb in Nepal“, meint der erfahrene Arzt. 

Der größte Wunsch der Nürnberger Ärzte ist es, dass die Hilfe für die Menschen in Nepal weitergeht. Beide hoffen, dass regelmäßig Nürnberger Ärzte und Krankenschwestern drei bis vier Wochen im Krankenhaus in Tansen arbeiten und dafür vielleicht sogar freigestellt werden. Sie selbst würden wieder nach Nepal gehen. Sie meinen: „Unsere Arbeit hat vielleicht nicht die Situation in Nepal verändert, aber für die einzelnen Menschen macht unsere Hilfe doch einen großen Unterschied.“           

 

Der Fürther Verein Nehemia-Team e.V. organisiert von Deutschland aus in Zusammenarbeit mit Dr. Sievers die Hilfe für das Krankenhaus in Nepal und bittet um Spenden: Sparkasse Fürth, Stichwort Nepal, Kontonummer 38007218 BLZ  76250000 (bitte stets die vollständige Adresse angeben).

Autorin/Autor: Birgit Birchner

 
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