Training - Richtig reden mit Krebspatienten
?Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Sie Krebs haben!? Diese oder eine ähnlich lautende Botschaft muss in Deutschland im Durchschnitt jede Minute überbracht werden. Viele Patienten empfinden die Diagnose zunächst als seelischen Schock, gefolgt von heftigen Gefühlen wie Verzweiflung, Auflehnung oder Zorn. Dass es aber auch für die Ärzte nicht einfach ist, mit dieser Situation umzugehen, wird oft vergessen. ?Der Überbringer schlechter Nachrichten kämpft mit Schuldgefühlen und der Angst, die Situation nicht bewältigen zu können?, erklärt Dr. Susanne Gutberlet, Oberärztin in der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin. ?Da besteht die Gefahr, dass man als Arzt auf die Sachebene ausweicht, ohne die emotionale Situation zu berücksichtigen.?
Bei einer Fortbildung im Rahmen des Projektes KoMPASS (Kommunikative Kompetenz zur Verbesserung der Arzt-Patienten-Beziehung durch strukturierte Fortbildung) lernen Ärzte, was in der Kommunikation mit Krebspatienten und deren Angehörigen wichtig ist. Zweieinhalb Tage arbeiten die Teilnehmer unter Anleitung von Dr. Susanne Gutberlet und Dr. Barbara Stein an schwierigen Gesprächssituationen, die die Teilnehmer selbst erlebt haben. Um realitätsnah emotional belastende Gesprächssequenzen üben zu können, werden speziell ausgebildete Schauspieler für Rollenspiele eingesetzt, die die Rolle der Patienten oder Angehörigen übernehmen und anschließend Rückmeldung geben, wie die Interventionen auf sie gewirkt haben.
Für Dr. Christoph Schmidt, Assistenzarzt in einer onkologischen Praxis in Nürnberg ist es jedesmal belastend, wenn er ?einem Patienten mitteilen muss, dass er unheilbar krank ist?. Im Seminar hat er nun nicht nur nützliche Gesprächstechniken gelernt. Er hat gesehen, dass seine Kollegen vor den gleichen Problemen stehen und ist froh um die Gelegenheit, mit Hilfe des Feed-backs der Gruppe in einer guten Atmosphäre die Wirkung seiner Worte und seiner Haltung zu überprüfen. ?Darf ich Mitgefühl zeigen, darf ich in einer traurigen Situation lachen, wie erreiche ich den Patienten?? Es war für ihn hilfreich, dass er in der Rolle des Patienten auch mal die ?andere? Seite einnehmen konnte.
Ähnliche Erfahrungen hat auch Dr. Ali Behzad von der Uniklinik Erlangen gemacht, dem sein Oberarzt das Seminar empfohlen hatte. Seitdem hatte er bereits einige Male die Gelegenheit, das im Kurs Erfahrene in die Praxis einzubringen. Er erkennt jetzt viel eher Schlüsselsituationen und merkt, wenn der Patient keine Informationen will, ?sondern über seine Sorgen reden oder gemeinsam mit mir schweigen will und mein Mitgefühl und Verständnis braucht?. Schmidt und Behzad haben in erster Linie ?sich selber besser kennen gelernt?.
Dies steht für Gutberlet auch im Mittelpunkt des Trainings: ?Nur wenn der Arzt aufmerksam ist und seine eigenen Gefühle und die Gefühle des Gegenübers wahrnimmt, ist eine gute Kommunikation möglich.? Davon profitierten dann beide Seiten, Patient und Arzt. ?Die Patienten sehen ihre Gefühle ernst genommen und vertrauen ihrem Arzt, dass er sie mit der Krankheit nicht im Stich lässt. Der Arzt hat mehr Sicherheit, dass er das Richtige tut und so wird seine berufliche Belastung spürbar vermindert?, lautet das Resümee der Oberärztin. jm
Die nächsten Termine für das Kommunikationstraining für Ärzte sind der 12.2. bis 14.2., der 18.6. bis 20.6 und der 19.11. bis 21.11, jeweils von Donnerstag 17.00 Uhr bis Samstag ca. 16.00 Uhr. Anmeldung bei Dr. Barbara Stein, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Klinikum Nürnberg, Tel. Sekretariat (0911) 398 -2475.
Autorin/Autor: Justina Mehringer

