Navigation überspringen|
Drucken
Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2009 >> Ausgabe 1 >> Schlaganfall - Vernetzte Kompetenz dank Telemedizin

Schlaganfall - Vernetzte Kompetenz dank Telemedizin

Schlaganfall gehört zu den Erkrankungen bei denen jede Minute zählt. Darauf spezialisiert sind Stroke Units, also Schlaganfall-Zentren, zu denen in Nordbayern neben dem Klinikum Nürnberg noch das Klinikum Bayreuth und das Universitätsklinikum Erlangen zählen. Um die wohnortnahe Versorgung auch im ländlichen Raum zu sichern, haben sich diese drei Zentren mit elf Krankenhäusern in der Region zum Netzwerk STENO zusammengeschlossen.

Möglich wurde eine solche Kooperation durch die Telemedizin: Mittels Computer und Videokamera können die Spezialisten aus den Zentren die Patienten in den regionalen Häusern untersuchen und sich mit den dort tätigen Medizinern und Pflegekräften verständigen, so dass eine schnellstmögliche Behandlung eingeleitet werden kann.

Vor einem Jahr nahm die Einrichtung ihren Betrieb auf. Seitdem wurden mehr als 1.200 Patienten in Ansbach, Bad Windsheim, Dinkelsbühl, Forchheim, Gunzenhausen, Hof, Kulmbach, Lichtenfels, Marktredwitz, Neumarkt und Roth telekonsiliarisch betreut. ?Wir exportieren unsere Schlaganfallkompetenz?, betont Dr. Martin Nückel, ?ohne wertvolle Zeit in einer für den Patienten lebensbedrohlichen Situation zu verlieren.? Der Oberarzt leitet die Stroke Unit in der Neurologie im Klinikum Süd. Sie teilt sich im halbwöchentlichen Turnus und nach festen Dienstplänen im Wechsel mit den Einrichtungen in Erlangen und Bayreuth die telemedizinischen Konsultationen.

Mobil und schnell: Mit dem neuen, kleinen Ultraschallgerät erhält Dr. Martin Nückel, Leiter der Stroke Unit, rasch und überall wichtige erste Informationen über den Zustand der blutzuführenden Gefäße
 

Damit ist eine Versorgung rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche gesichert. Allein im Schlaganfall-Zentrum der Neurologie im Klinikum sind zwölf Spezialisten für einen solchen Einsatz geschult. Anhand eines umfassenden Fragebogens werden bei den Patienten Sensibilität, Sprachvermögen, Motorik oder Gesichtsfeld überprüft. Dank der ausgefeilten Technik und guten Bildübertragung kann der Neurologe per Mausklick die Kamera so steuern, dass er selbst Rachenraum, Mundhöhle und sogar die Reaktion der Pupillen beurteilen kann. ?Dabei ist es wichtig?, erklärt Nückel, ?dass der Patient auch den Konsil-Arzt am Monitor sieht und nicht nur mit einer Stimme konfrontiert ist.?

Die einzelnen Kriterien werden gemäß einer speziellen Schlaganfall-Skala mit Punkten bewertet und fließen am Ende als Summe in die Diagnose ein. ?Liegt der Gesamtwert zum Beispiel bei zehn und mehr Punkten?, so der Neurologe, ?besteht der Verdacht auf einen schweren Schlaganfall.?  Neben dem klinischen Befund geben die Daten aus der Ultraschalluntersuchung der Hirngefäße oder der Computertomographie (CT) des Gehirns wichtige Hinweise für die Akutbehandlung des Schlaganfalls in den angeschlossenen Krankenhäusern.

Über ein Kennwort gelangt der für das Telekonsil zuständige Arzt der Stroke Unit in wenigen Sekunden in die Datenbank der kooperierenden Klinik und kann die vor Ort gemachten CT-Bilder am Bildschirm aufrufen und begutachten. Am Ende des telemedizinischen Konsils steht schließlich die Beurteilung und Therapieempfehlung des Schlaganfall-Zentrums, die an das Regionalkrankenhaus übermittelt wird.

?Das Telekonsil ist ein zentrales Element des Netzwerkes, doch ganz entscheidend ist auch der regelmäßige Austausch und der persönliche Kontakt? erläutert Nückel. In gemeinsamen Qualitätszirkeln werden Standards für eine optimale Behandlung festgelegt, aber auch schwierige Fälle besprochen, bei denen zum Beispiel eine Verlegung ins Schlaganfall-Zentrum erforderlich geworden ist. Nicht zuletzt zählen auch gemeinsame Fortbildungen und praktische Übungen an neuen Geräten zu einem wichtigen Bestandteil der Kooperation.

Unter dem Strich erweist sich die enge telemedizinische Zusammenarbeit als Erfolgsmodell. Waren es zu Beginn täglich im Schnitt noch drei bis vier Patienten, die über STENO betreut wurden, so hat sich die Zahl mittlerweile fast verdoppelt. Studien belegen, dass durch die Telemedizin die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von drei Monaten nach einem Schlaganfall zu sterben oder in eine Pflegeeinrichtung zu kommen, um mehr als ein Drittel gesenkt werden konnten.         

Stroke Unit 

Autorin/Autor: Axel Bredehöft

 
Es öffnet sich eine Seite auf klinikum-nuernberg.de mit Notfallinformationen