Lungentumorzentrum - ?Der Schmerz der Lunge ist der Husten?
Jeder Raucher weiß die Folgen seines Tuns, schließlich kennt er zur Genüge die abschreckenden Aufkleber auf den Zigarettenschachteln. Und dennoch ? Lungenkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebstodesursache bei Männern und die zweithäufigste bei Frauen. Jahr für Jahr erkranken in Deutschland 35.000 Männer und 15.000 Frauen neu an Lungenkrebs. Die schwere Krankheit stellt Diagnose und Therapie vor hohe Herausforderungen. In einem Lungentumorzentrum sind daher im Klinikum Nürnberg die Kompetenzen der unterschiedlichsten Fachrichtungen gebündelt, um eine bestmögliche medizinische, aber auch psychologische und psychosoziale Betreuung der Patienten zu gewährleisten. Eine Kooperation, die nun von einem unabhängigen Gutachtergremium erfolgreich zertifiziert wurde.
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?Das Problem am Lungenkrebs ist,? so Prof. Joachim Ficker, Chefarzt der Pneumologie, ?dass er oft erst dann festgestellt wird, wenn sich schon Tochtergeschwüre, also Metastasen, gebildet haben.? Diese späte Diagnose hat ihren Grund: ?Das einzige Frühsymptom ist der Husten, denn der Husten ist der Schmerz der Lunge?, erläutert Ficker. Über 90 Prozent der Erkrankten sind Raucher oder ehemalige Raucher und haben oft den typischen Raucher-Husten. Der Chefarzt appelliert daher, immer dann hellhörig zu werden, wenn sich ein Raucherhusten verändert, wenn er also stärker wird oder in anderen Situationen als sonst auftritt. Mit einer Lungenspiegelung und einer Computertomografie (CT) sollte dann ein Blick ins Innere des lebenswichtigen Organs erfolgen. |
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Interdisziplinäre Strategie
Wird dann ein Tumor in der Lunge festgestellt, gilt es, so der Chefarzt, eine interdisziplinäre Therapiestrategie zu entwickeln. ?Lungenkrebs kann man nie allein behandeln, dazu brauchen wir eine Kooperation der unterschiedlichen Experten in einem Netzwerk.? Deshalb steht im Lungentumorzentrum der Patient im Mittelpunkt eines Netzwerks. Dessen Kern bilden Pneumologie, Thoraxchirurgie und Radioonkologie , weitere Spezialisten u.a. aus Pathologie, Radiologie, Hämatoonkologie, Nuklearmedizin, Physikalischer Therapie oder Psychosomatik ergänzen das Netzwerk. Ziel ist es, auf der Basis gemeinsamer Therapieziele, Behandlungspfade und -konzepte sowie einer einheitliche Dokumentation für jeden Patienten den optimalen individuellen Therapieplan zu entwickeln.
?Man kann den Patienten nicht von Pontius zu Pilatus zu schicken. Im Lungentumorzentrum laufen alle Informationen zusammen, jeder besitzt den gleichen Wissensstand und die gleiche Behandlungsphilosophie?, skizziert Dr. Dr. Niklewski, im Klinikumvorstand für den Bereich ?Strukturentwicklung und Medizin? verantwortlich, die Vorteile eines solchen Zentrums.
Ist die Pneumologie des Klinikums mit jährlich ca. 6.000 Patienten schon eine der größten Kliniken ihrer Art in Deutschland, verfügt das Lungentumorzentrum mit mehr als 300 neu diagnostizierten Patienten im Jahr über eine große Erfahrung, wie man der schweren Krankheit wirkungsvoll zu Leibe rücken kann.
Große Erfahrung?Auf diese Erfahrung kommt es auch an?, betont Prof. Hubert Stein, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie im Klinikum. Die Mitarbeiter seiner Klinik sind es, die das Lungenkarzinom chirurgisch bekämpfen. Ein Eingriff, der wie Stein erläutert, ?auch heute nicht ganz einfach ist, schließlich will man das lebenswichtige Organ möglichst weitgehend erhalten?. Wurde früher zum Beispiel oft ein ganzer Lungenflügel entfernt, versucht man inzwischen, nach Entfernung des Tumors die Restlunge wieder herzustellen.
Im Mittelpunkt des Zentrums steht das Lungentumorboard. Einmal in der Woche wird dort die Behandlung aller Patienten des Zentrums von Experten der beteiligten medizinischen Fächer besprochen. Oft ist es nämlich mit der Operation allein nicht getan, der Eingriff muss vielmehr von Strahlen- und/oder Chemotherapie flankiert werden.
Ist ein Tumor beispielsweise so groß, dass er nicht operiert werden kann, wird er, so Dr. Stefan Birkenhage, Chefarzt der Radioonkologie, ?vor dem Eingriff gezielt bestrahlt und gleichzeitig chemotherapiert, um ihn zu verkleinern?. Sind die Lymphknoten befallen oder konnte der Tumor bei der Operation nicht vollständig entfernt werden, kommt ebenfalls die Strahlentherapie zum Zuge. ?Die enormen Fortschritt in der Technologie der letzten Jahre ermöglichen es uns, eine wirksame und schonende Strahlentherapie bei einem so filigranen und sehr empfindlichen Organ, wie es die Lunge ist, einzusetzen.?
Psychologische BetreuungDa eine Einschränkung der Funktionsfähigkeit der Lunge sehr angstbesetzt ist, spielt im Lungentumorzentrum neben der medizinischen Betreuung die psychologische und psychosoziale Betreuung ein große Rolle. ?Atem ist die Quelle des Lebens?, erläutert Prof. Wolfgang Söllner, Chefarzt der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie. Schon allein die Vorstellung, dass die Atmung nicht mehr richtig funktionieren könne, löse in der Regel starke Ängste aus. Jedem Lungenkrebspatienten wird daher im Klinikum eine entsprechende Betreuung angeboten. Sie beinhaltet Gespräche, Entspannungsverfahren, ggf. auch medikamentöse Unterstützung, aber auch z.B. eine Anleitung zum Umgang mit Schuldgefühlen.
Freiwillig hat das Lungentumorzentrum die Zusammenarbeit der vielen Kooperationspartner und das eigens entwickelte Qualitätsmanagementsystem von einem unabhängigen Gutachtergremium auf Herz und Nieren prüfen lassen. Mit Erfolg: Die LGA Inter-Cert verlieh dem Zentrum das Qualitätssiegel nach DIN EN ISO 9001:2000.Autorin/Autor: Bernd Siegler

