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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2009 >> Ausgabe 1 >> Borderline - Den Kampf gegen sich selbst beenden

Borderline - Den Kampf gegen sich selbst beenden

Bei ihren Kolleginnen im Büro ist Andrea L. nicht beliebt. Ganz im Gegenteil fürchten sich manche sogar ein wenig vor ihrem wechselhaften Verhalten. Tagelang ist sie freundlich und umgänglich, dann plötzlich ist sie reizbar, verletzend und neigt zu heftigen Wutausbrüchen. Darüber haben sie schon einige Male mit ihrer impulsiven Kollegin gesprochen. Es waren schwierige Gespräche, aber geändert hat sich nur wenig. Auch zu Hause steht die 27-jährige Bürokauffrau vor einem Scherbenhaufen. Mit ihrem Mann streitet sie oft, und auch die Beziehung zu ihrer Tochter ist alles andere als konfliktfrei. Der Traum vom Familienglück droht zu zerplatzen.

Die junge Frau wusste sich nicht mehr zu helfen. Schließlich gelang es ihrem Mann, sie zu einem Besuch bei einer Psychotherapeutin zu überreden. Borderline lautete die Diagnose. Die Psychotherapeutin riet zu einer stationären Behandlung in der Psychiatrie des Klinikums, die ein spezielles Therapieprogramm anbietet. 2008 wurden hier rund 200 Borderline-Patienten stationär und ambulant behandelt.

?Borderline hat viele Gesichter?, erklärt Christine Bofinger, die als Oberärztin für die stationäre Behandlung der Borderline-Patienten verantwortlich ist. Leider werde die Persönlichkeitsstörung, von der weitaus mehr Frauen als Männer betroffen sind,  oft erst nach einer längeren Leidensgeschichte erkannt. Bei vielen zeigten sich erste Anzeichen bereits in der Kindheit und Jugend.

Patienten, die an Borderline leiden, haben ein äußerst instabiles Selbstwertgefühl, können nur schlecht mit ihren Gefühlen umgehen, neigen zu Ängsten und impulsivem Verhalten. Sie sind nicht gerne alleine, suchen also die Nähe anderer Menschen, gleichzeitig haben sie aber große Probleme damit, sich von anderen abzugrenzen. Emotionale Konflikte sind also vorprogrammiert. Auch selbstschädigendes Verhalten von Alkohol- und Drogenmissbrauch bis hin zu Selbstverletzungen und Suizid können auftreten.

Inneres Erleben: ?Stigma? heißt das Bild der Nürnberger Malerin Karin Birner, die die ganze Bandbreite ihres Borderline-Erlebens mit Pinsel und Farbe auf die Leinwand bringt.
 

Die Ursachen der Erkrankung sind noch nicht vollständig geklärt. Neben einer genetischen Veranlagung spielen Erfahrungen von emotionaler Vernachlässigung, sexuellem Missbrauch oder Gewalt in der frühen Kindheit  wohl eine entscheidende Rolle. Mit der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) steht ein erfolgreiches verhaltenstherapeutisches Verfahren zur Verfügung. Dabei geht es erst einmal darum, zu akzeptieren, dass man krank ist. Danach erarbeiten die Therapeuten gemeinsam mit den Patienten konkrete Therapieziele.

?Die Patienten machen in der Regel sehr konstruktiv mit und erzielen innerhalb kurzer Zeit erste Erfolge?, berichtet Bofinger. Sie rät Betroffenen daher, zur Sicherung der Diagnose und für ein Beratungsgespräch in die Psychiatrische Institutsambulanz zu kommen, um die einzelnen möglichen therapeutischen Schritte abzusprechen. Eine Heilung nach einigen Jahren, so die langjährige Erfahrung mit DTB, ist durchaus möglich. Doch auch wenn dies häufig nicht gelingt, profitieren die Patientinnen von der Therapie.

Auch für Andrea L. ist das Leben inzwischen leichter. Nach einem Jahr Therapie hat sie ein gutes Gleichgewicht zwischen den Anforderungen in ihrem Lebensalltag und ihrer Krankheit gefunden. Noch immer kommt sie regelmäßig zur Gruppentherapie und zu Gesprächen mit der Psychotherapeutin in die Klinik, um den therapeutischen Erfolg zu stabilisieren.           

 

Information und Anmeldung in der Psychiatrischen Institutsambulanz unter Tel. (0911) 398 -2199.

 

Psychiatrie

 

 

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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