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Blasenkrebs - Von Fluoreszenz-Zystoskopie bis Ersatzblase

„Es war schon gut, dass ich mir für meine Operation ein großes Krankenhaus wie das Klinikum ausgesucht habe“, sagt Walter R. erleichtert. Die Diagnose Blasenkrebs hatte ihm schon große Angst eingejagt. Vor vier Wochen nun wurde der 67-jährige Finanzberater in der Urologie im Klinikum Nord operiert. Heute geht es ihm gut. Nichts weist bei der ersten Nachuntersuchung auf verbliebene Tumorzellen hin. Und seine Blase funktioniert einwandfrei, obwohl sie eigentlich zusammen mit dem Tumor entfernt wurde.

„Der Tumor war bei Walter R. schon tief in die Blasenmuskulatur eingebrochen“, erklärt Prof. Christian Bornhof, Chefarzt der Urologie. Eine Entfernung der Blase war daher unumgänglich. „Wie tief der Tumor im Gewebe sitzt, das können wir allerdings oft erst während der OP feststellen“, so Bornhof. Wurde das gesamte Tumorgewebe entfernt oder finden sich noch Resttumoren im umgebenden Gewebe? Die sichere Antwort auf diese Fragen bringt erst ein Schnellschnitt in der Pathologie des Klinikums noch während der OP.

Walter R. wusste schon vor dem Eingriff, dass die Blase möglicherweise entfernt werden muss. Mit dem Chefarzt hatte er deshalb schon vorab alle Behandlungsmöglichkeiten durchgesprochen. Für ihn war klar, dass er keinen künstlichen Ausgang für den Urin wollte. In einer achtstündigen OP wurde ihm daher aus einem Abschnitt seines Darms eine Ersatzblase konstruiert. Für die Entnahme des Darmstückes und dessen Wiederverschluss sorgte ein spezialisiertes OP-Team der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, den Rest erledigten die urologischen Chirurgen.

Präzision: Bei der Transurethralen Resektion wird erkranktes Blasengewebe mit dem Resektoskop durch die Harnröhre abgetragen
 

Bornhof, in dessen Klinik im Jahr über 300 Blasenkrebsoperationen durchgeführt und ca. 30 Blasen wegen Blasenkrebs entfernt werden, schätzt diese enge Einbindung seiner Klinik in das Netzwerk der verschiedenen Fachdisziplinen bei der Tumortherapie. „Der Patient erhält damit die bestmögliche Therapie.“ Von der engen Kooperation profitieren beispielsweise Patienten, bei denen der Tumor so mit dem umliegenden Gewebe „verbacken“ ist, dass er operativ erst einmal nicht entfernt werden kann. „Es kommt schon vor, dass ich in so einem Fall direkt aus dem OP heraus mit dem Arzt aus der Onkologie und der Strahlentherapie die optimale Therapie bespreche“, erläutert Bornhof.

Kleine und oberflächliche Tumore, die etwa 80 Prozent aller Blasentumore ausmachen, können häufig mittels eines endoskopischen Eingriffs vollständig entfernt werden. Dabei setzt die Urologie auf neueste Technik: Zum Einsatz kommt die bipolare Resektionstechnik, ein Verfahren, das die Blasenwand schont. Sichtbar gemacht werden dabei die kleinsten Tumorzellen unter der Fluoreszenz-Zystoskopie, ein Bildgebungsverfahren, das die Urologie nun schon seit über einem Jahr erfolgreich in der Diagnostik einsetzt.

Eventuelle Resttumorzellen in der Blase werden mit Medikamenten bekämpft, die direkt in die Blase gespritzt werden. Sie senken das Risiko eines Wiederauftretens des Tumors um bis zu 40 Prozent. Blasentumore neigen dazu, wieder zu kommen. „Deshalb ist auch die regelmäßige Nachuntersuchung beim Urologen so wichtig“, betont Bornhof. Besteht die Gefahr, dass der Tumor schon gestreut hat, kommen Chemotherapie und Bestrahlung zum Einsatz.

Etwa neun Prozent aller bösartigen Tumore bei Männern und knapp vier Prozent bei Frauen in Deutschland sind Harnblasentumore. Jährlich erkranken mehr als 25.000 Menschen neu daran. Ein erster Hinweis kann Blut im Urin sein. Deshalb sollte man auch kleinste Blutspuren im Urintest sehr ernst nehmen. Auch Symptome einer Blasenentzündung (Harndrang, Brennen beim Harnlassen, Druckgefühl in der Blase), die trotz Antibiotikabehandlung bestehen bleiben, können erste Anzeichen eines Blasentumors sein.

Der wichtigste Risikofaktor ist das Rauchen. Tabakkonsum wird für die Hälfte aller Erkrankungen bei Männern und für jede dritte Erkrankung bei Frauen verantwortlich gemacht. Im Verdacht stehen auch einige Haarfärbemittel.

 

Urologie          

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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