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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2009 >> Ausgabe 1 >> Adipositas - Gezielte Hilfe für übergewichtige Kinder

Adipositas - Gezielte Hilfe für übergewichtige Kinder

Sie trauen sich nicht ins Schwimmbad, beim Sportunterricht werden sie ausgelacht, selbst der Blick in den Spiegel fällt ihnen schwer: Die Rede ist von Kindern und Jugendlichen, die unter sehr starkem Übergewicht leiden. Aktuellen Studien zufolge liegt die Zahl bei knapp zwei Millionen. Geht die Vermehrung des Körperfetts weit über das normale Maß hinaus, sprechen Mediziner von einer Adipositas (Fettsucht).

Etwa 800.000 Kinder und Jugendliche sind in Deutschland davon betroffen, Tendenz steigend. Laut Statistik hat sich ihre Zahl in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Bereits heute ist jedes dritte Schulkind übergewichtig, ein Kind je Klasse wird als adipös eingestuft.

Um solch stark übergewichtigen Kindern erfolgreich helfen zu können, hat das Zentrum für Neugeborene, Kinder und Jugendliche im Klinikum Süd ein umfassendes Behandlungsprogramm entwickelt. ?Wir müssen hier schnell aktiv werden?, betont Chefarzt Prof. Jan-Holger Schiffmann, ?denn mit der Adipositas sitzen wir auf einer den Stoffwechsel betreffenden Zeitbombe. Ohne Behandlung drohen den jungen Patienten im Erwachsenenalter zwangsläufig Erkrankungen wie Herzinfarkt, Bluthochdruck, Gelenkschäden oder Diabetes.? Gemeinsam mit der DAK und dem Kinder- und Jugendarzt Dr. Wolfgang Landendörfer im Mögeldorfer Ärztezentrum (MÄZ) werden zehn Kinder im Alter von acht bis 15 Jahren betreut und im Umgang mit ihrer Erkrankung geschult.

Gemeinsam: Dr. Wolfgang Landendörfer, Dr. Stefan Schäfer, ein Vertreter der DAK und Prof. Jan-Holger Schiff-mann, Chefarzt des Kinderzentrums (v.l.n.r.), haben ein Programm für stark übergewichtige Kinder entwickelt
 

?Schulung ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Schlagwort?, erläutert Facharzt Dr. Stefan Schäfer aus der Kinderklinik. Schließlich geht es darum, bei den betreffenden Kindern eine veränderte Haltung hinsichtlich Ernährung und Bewegung zu erreichen und dabei ganz gezielt auch die Eltern mit einzubinden. Denn neben einem niedrigen sozialen Status, zählt die Familie mit häufig übergewichtigen Eltern zu den typischen Risikofaktoren für Adipositas.

Ein professionelles Team aus Kinderarzt, Sporttherapeut, Ernährungsberater und Psychologe betreut die Kinder über ein Jahr und vermittelt ihnen medizinische Grundlagen, gibt Tipps für eine gesunde Ernährung und hilft ihnen in ihrer häufig auch seelisch bedrückenden Situation. Sport und Bewegung bilden einen Schwerpunkt, aber es sollen auch ganz alltägliche Dinge vermittelt werden: ?Gemeinsam einkaufen oder den Tisch decken gehören ebenso zu unserer Schulung, wie der bewusste Besuch eines Fast-Food-Restaurants?, berichtet Schäfer.

Das Behandlungsprogramm ist insgesamt über drei Jahre angelegt. Im ersten Jahr einmal pro Woche mit einem Termin in der Kinderklinik, dann für zwei Jahre in einer ambulanten fachärztlichen Nachbetreuung. ?Studien haben gezeigt?, so Schiffmann, ?dass nur eine derart langfristige Betreuung Sinn macht. Und je rechtzeitiger die Behandlung beginnt, desto besser sind die Prognosen.?

Das Behandlungsprogramm startet im Januar 2009 und ist den Kassenmitgliedern der DAK vorbehalten. Die Eigenbeteiligung liegt zunächst bei 300 Euro, kann aber bei einer erfolgreichen Behandlung wieder anteilig von der Krankenkasse erstattet werden. Für die Aufnahme in das Behandlungsprogramm des Zentrums für Neugeborene, Kinder- und Jugendliche ist die Einweisung eines niedergelassenen Facharztes erforderlich. Die Plätze werden nach Dringlichkeit und Grad der Erkrankung vergeben.        

 

Weitere Hinweise unter Tel. (0911) 398-5281 oder -5263.

Autorin/Autor: Axel Bredehöft

 
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