Herzzentrum - Schonende Verfahren bei Erkrankungen der Herzklappen
Das menschliche Herz ist äußerst robust und technisch hervorragend ausgerüstet. Häufig wird es einem allerdings erst dann bewusst, wenn das Organ eben nicht mehr problemlos arbeitet. Ein typisches Beispiel dafür sind Erkrankungen der Herzklappen, die in ihrer Funktion vergleichbar sind mit einem Ventil: Insgesamt vier Klappen regeln den Aus- und Eintritt des Blutes von den Herzvorhöfen in die Herzkammern, und von dort in die Körper- und Lungenschlagader. Von ihrer Struktur her werden sie in Segel- und Taschenklappen unterschieden. Sie öffnen und schließen sich immer im Wechsel.
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Auf diese Weise ist stets gewährleistet, dass sich das Blut immer nur in eine Richtung bewegt: von den Vorhöfen in die Kammern und von dort in den Körper. Die Herzklappen werden extrem beansprucht, denn innerhalb einer Stunde öffnen und schließen sie sich über 4.000 Mal, in einem Jahr sind es bis zu 40 Millionen Bewegungen. Eine geringe körperliche Belastbarkeit mit Schweißausbrüchen, ein Gefühl der Brustenge und Atemnot sind erste Symptome für eine Herzklappenerkrankung. ?Wenn die Herzklappen nicht mehr richtig funktionieren?, erklärt Prof. Matthias Pauschinger, Chefarzt der Kardiologie im Klinikum Süd, ?dann liegt dem zumeist der normale Alterungsprozess zugrunde.? Seltener liegen angeborene Klappenfehler vor, die meist schon im Kindesalter entdeckt und operativ behoben werden. Sehr viel häufiger verkalken oder verkleben die Herzklappen mit zunehmendem Alter oder es kommt zu Veränderungen der Oberflächen aufgrund von Krankheiten oder Infektionen. Zu den Risikofaktoren zählen Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte. Nicht selten bleibt die Ursache für den Klappenfehler aber unklar. Ganz entscheidend ist: ?Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kommt es mit der Zeit zu einer schweren Schädigung des Herzmuskels und einer daraus entstehenden Herzinsuffizienz. Die Lebenserwartung ist dann schlechter als bei jeder schweren Tumorerkrankung?, so Pauschinger. |
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Schonende Verfahren erlauben den Einsatz künstlicher Herzklappen oder die Rekonstruktion von Herzklappen auch bei älteren und multimorbiden Patienten. ?Mit zunehmendem Alter und Mehrfacherkrankungen beim Patienten steigt das Risiko?, betont der Chefarzt der Herzchirurgie, Prof. Theodor Fischlein, ?aber wir sind es gewohnt und haben in kritischen Fällen die räumliche Nähe zu allen Fachdisziplinen.? Jährlich sind es rund 1.000 herzchirurgische Eingriffe, die mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt werden. Rund ein Drittel davon entfällt auf Operationen der Herzklappen. Welches Behandlungsverfahren sinnvoll ist, muss in jedem Einzelfall entschieden werden und hängt insbesondere von der betreffenden Herzklappe wie auch vom Lebensalter und dem Grad der Erkrankung ab.
Besonders schonend ist die Rekonstruktion der eigenen Herzklappe: ?Undichte Mistralklappen können wir heute in 70 Prozent der Fälle rekonstruieren?, so Fischlein, ?bei der Aortenklappe ist dies aus anatomischen Gründen in diesem Umfang leider nicht möglich.? Beim Ersatz der Herzklappen kommen sowohl mechanische wie auch biologische Prothesen zum Einsatz. Letztere können vom Schwein, Rind oder menschlichen Organspendern stammen; denkbar ist auch der Ersatz einer defekten Aortenklappe durch die Pulmonalklappe, die wiederum durch eine biologische Klappe ersetzt wird. ?Der Vorteil von biologischen Prothesen ist, dass der Patient nicht wie bei mechanischen Herzklappen lebenslang blutverdünnende Mittel einnehmen muss?, erläutert Fischlein.Autorin/Autor: Axel Bredehöft

