Wundfibel - Optimale Wundversorgung
Im Klinikum Nürnberg gibt es jetzt eine ?Wundfibel?, in der in Wort und Bild die Diagnose und Therapie chronischer Wunden dokumentiert ist. Einer der federführend daran beteiligten Wundexperten ist Privat-Dozent Dr. Bert Reichert, Chefarzt der Plastischen Chirurgie: ?Mit der Wundfibel sollen die Behandlungsprozesse bei chronischen Wunden für alle an der Behandlung beteiligten Fachkräfte transparent gemacht werden und jederzeit nachvollziehbar sein.?
Eine professionelle Wundversorgung zählt in einem Krankenhaus wie dem Klinikum zur täglichen Routine. Chronische Wunden, etwa bei einem diabetischen Fuß, bei schweren Hautverbrennungen oder krankhaften Geschwüren am Unterschenkel, können dabei allerdings zu einer schwierigen Herausforderung werden. So wird ein Patient mit einem Herzinfarkt zunächst von den Herzspezialisten des Klinikums betreut; eine ebenfalls vorhandene chronische Wunde am Bein tritt dabei zunächst in den Hintergrund, muss aber parallel dazu versorgt werden.
Oder wenn multimorbide, also gleich an mehreren Erkrankungen leidende Patienten innerhalb des Klinikums verlegt werden müssen, muss die chronische Wunde immer wieder von anderen Fachkräften aus Medizin und Pflege versorgt werden. Um in solchen Fällen die Qualität der Wundbehandlung durchgängig zu gewährleisten, gibt es im Klinikum eine Expertengruppe, die im Rahmen von Konsilen den Kliniken beratend zur Seite steht, und eben jetzt die ?Wundfibel?.
Die Zahl der in Deutschland an einer chronischen Wunde leidenden Patienten wird auf mindestens vier Millionen Menschen geschätzt. Da Wunden sehr unterschiedlich sein können, ist die klinische Erfahrung ein unschätzbarer Faktor für eine optimale Behandlung. Handelt es sich etwa um eine infizierte Wunde, müssen Arzt oder Pflegekraft diese genau und umfassend beurteilen können: Gibt es einen schmierigen Belag? Riecht die Wunde? Ist der Wundrand gerötet oder geschwollen? Ist der Patient fiebrig? Wie sieht es mit den anderen Laborwerten zu Blut und Kreislauf aus?
Von der genauen Diagnose leitet sich die entsprechende Behandlung ab: Wunde spülen oder duschen, ein lokales Antiseptikum, um Keime abzutöten, täglich mehrfache Verbandswechsel sind nur einige der denkbaren Maßnahmen. ?Treten Unsicherheiten oder spezielle Fragestellungen während der Behandlung auf?, so Reichert, ?ist nun genau geregelt, welche Wundexperten konsultiert werden können.?
Die rund 60 Seiten umfassende ?Wundfibel? ist neben einer lückenlosen und durchgängigen Wunddokumentation ein wichtiger Baustein für ein modernes Wundmanagement. Die Kommunikation untereinander kann sie allerdings nicht ersetzen. Im Sinne einer bestmöglichen Betreuung der Patienten legt Chefarzt Reichert großen Wert auf den Erfahrungsaustausch: ?Im modernen Wundmanagement geht es auch darum, gemeinsame Erkenntnisse zu gewinnen und den fachlichen Austausch untereinander noch stärker zu fördern. Jeder inhaltliche Beitrag ist deshalb willkommen.?
Zudem bietet das Handbuch eine hilfreiche Orientierung dafür, weitgehend einheitliche Produkte in der Wundbehandlung einzusetzen. ?Damit hilft es?, so Reichert, ?eine unnötige ? und damit teure ? Vielfalt zu vermeiden.? Die Einsparung von Kosten als erwünschte Nebenwirkung.Autorin/Autor: Axel Bredehöft

