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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2008 >> Ausgabe 4 >> ?Ihr zu helfen ist unwirtschaftlich ...,

?Ihr zu helfen ist unwirtschaftlich ...,

...für uns aber selbstverständlich?. Bei weitem nicht jede lebensrettende Behandlung im Klinikum Nürnberg wird von den Krankenkassen auch voll und ganz bezahlt. Auf dieses Problem macht das Klinikum im Rahmen einer bundesweiten Kampagne aufmerksam, mit der zehn große kommunale Krankenhäusern für eine bessere Honorierung ihrer hochwertigen Leistungen kämpfen. ?Wir fordern nicht einfach mehr Geld, wir wollen lediglich das bezahlt bekommen, was wir nachweislich leisten?, betont Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und ließ sich nicht zweimal bitten, ausgerüstet mit Leiter und Kleisterquaste zusammen mit Klinikum-Vorstand Dr. Alfred Estelmann  und den Personalratsvorsitzenden Peter Schuh das erste Plakat in Nürnberg zu kleben. Schließlich ist Maly Vorsitzender des Verwaltungsrates des Klinikums Nürnberg.

Da sich die Stadt Nürnberg weiterhin dem Auftrag zur öffentlichen Daseinsvorsorge verpflichtet sieht, wollen er und die Nürnberger Stadträte trotz des Millionendefizits weiterhin am Klinikum festhalten. ?Nur so ist eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung aller Nürnberger Bürgerinnen und Bürger zu sichern?, betont der Oberbürgermeister.

Er fordert die Politik auf, ?gerade die großen öffentlichen Krankenhäuser mit ihrem umfassenden Leistungsangebot nicht im Regen stehen zu lassen.? ?Man hat uns in einen Wettbewerb geschickt, nachdem man uns die Beine zusammengebunden hat?, kritisierte Maly die Praxis im Gesundheitswesen.

?Wir wollen erreichen, dass wir für unsere Leistungen endlich adäquat bezahlt werden?, erklärt Klinikum-Vorstand Dr. Alfred Estelmann die vier Motive der Plakate und Zeitungsanzeigen. Der Vorstand benennt insgesamt drei Bereiche, in denen ein großes Krankenhaus wie das Klinikum Nürnberg auf einem nicht unerheblichen Teil der Kosten sitzen bleibt: die so genannten Extremkostenfälle, die aufwändige nächtliche Notfallversorgung sowie die Facharztausbildung. Dazu kommen die jährlich steigenden Personalerhöhungen, die angesichts der gesetzlich gedeckelten Budgets der Kliniken nicht refinanzierbar sind und damit im Klinikum und in allen anderen Krankenhäusern große Finanzierungslücken hinterlassen (siehe dazu jeweils die Einzelbeiträge auf dieser Doppelseite).

Allein 450 besonders schwere, aufwändige Behandlungen sorgten im Klinikum Nürnberg für ein Minus von 7,4 Millionen im letzten Jahr. Die Notfallversorgung in der Nacht schlägt mit weiteren 9,9 Millionen zu Buche, die nicht adäquat vergütet werden. Eine aktuelle Studie ergab, dass die Facharztweiterbildung dem Klinikum im Jahr acht Millionen Euro kostet, ohne dass dafür Geld in die Kassen fließt. Von den 7,7 Millionen Euro, um die die Personalkosten in diesem Jahr steigen, kann das Klinikum lediglich 1,9 Millionen über die vom Gesetzgeber zugestandenen höheren Preise finanzieren. Allein in diesen vier Bereichen kommt Klinikum-Vorstand Dr. Alfred Estelmann auf insgesamt 30,1 Millionen Euro, die dem Klinikum Nürnberg als großem Krankenhaus der Maximalversorgung angesichts der erbrachten Leistungen eigentlich zustehen würden.

Was also sollte man tun, um die Öffentlichkeit auf die komplexen Ursachen der Finanzierungslücken bei Krankenhäusern der Maximalversorgung und deren schwerwiegenden Folgen für die Gesundheitsversorgung aufmerksam zu machen, fragte sich nicht nur der Vorstand des Klinikums. Auch in den anderen Großkrankenhäusern machte man sich darüber Gedanken. Die entscheidende Anregung zur bundesweiten Plakat-Aktion kam schließlich von Mitarbeitern des Klinikums. ?Warum?, so fragten sie bei eigens zu diesem Thema durchgeführten Gesprächsrunden, ?erklärt man das Problem nicht anhand ganz konkreter Beispiele, anstatt mit abstrakten Erläuterungen zu Fallpauschalen, Deckelung und Grundlohnsummensteigerung sowie zu Milliardenbeträgen, die sowieso kaum noch einer versteht.?

Die Anregung stieß auf offene Ohren. Prof. Ethelbert Hörmann von der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg entwarf daraufhin die vier Plakate, die ? unterstützt von neun weiteren Großkrankenhäusern in Deutschland -  bundesweit plakatiert und in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurden. Eine ganze Reihe anderer Krankenhäuser zum Beispiel das Klinikum Ingolstadt oder das Klinikum Weiden verwenden die Plakate ebenfalls, um in ihrer Region auf die spezifischen Probleme der großen Krankenhäuser der Maximalversorgung, die jeden Patienten aufnehmen müssen, hinzuweisen.

?Nur so geht?s?, ist Nürnbergs Oberbürgermeister von Inhalt und Aufmachung der Plakate überzeugt. ?Kleine Geschichten, kurz, prägnant und provokativ auf den Punkt gebracht, so kann man die Menschen erreichen.? Maly hofft, dass die Kampagne einen Prozess des Umdenkens in der Politik anstößt. ?Es muss etwas geschehen und es muss jetzt geschehen.? Geschehen müsste, so Klinikum-Vorstand Estelmann, eine ?rasche, ausreichende und auch nachhaltige Finanzierung?.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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