Radioonkologie - Interdisziplinär und intraoperativ
Vor fünf Jahren schlug Dr. Clemens Albrecht eine Stelle als Oberarzt in Zürich aus. Stattdessen kam er in die Gemeinschaftspraxis für Strahlentherapie und Klinik für Radioonkologie im Klinikum Nürnberg. ?Mich hat es gereizt, in einem großen Krankenhaus zu arbeiten, in dem alle Fachdisziplinen vertreten sind?, erklärt er. Die Entscheidung hat sich für den 40-Jährigen gelohnt. Seit 1. September ist er gemeinsam mit Dr. Stefan Birkenhake Chefarzt der Klinik und der Gemeinschaftspraxis.
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Als Chefarzt kann er nun seine Vision der intensiven interdisziplinären Krebstherapie weiter voranbringen. Wenn die Mediziner von den enormen Fortschritten in der Krebstherapie der letzten Jahre sprechen, fallen so spröde Worte wie ?multimodale Behandlungskonzepte? und ?standardisierte Leitlinien?. Doch dahinter verbirgt sich ein intensiver Austausch zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen, und Albrecht ist ein glühender Verfechter dieser Linie. ?Heute besitzt nicht mehr ein einzelner Arzt die gesamte Kompetenz?, erklärt Albrecht. Stattdessen trage jede der beteiligten Fachdisziplinen ihren Teil zur optimalen Therapie bei. Wie die einzelnen Bausteine zur maßgeschneiderten Therapie für den Patienten zusammengeführt werden, dies müssten die Ärzte im Gespräch miteinander herausfinden. Im Klinikum Nürnberg gibt es daher schon seit einigen Jahren spezialisierte Tumorkonferenzen u.a. zu Brust, Darm, Lunge und Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Dort kommen Therapieentscheidungen unter der Beteiligung aller betroffenen Fachdisziplinen zustande. Diese Zusammenarbeit will Albrecht in Zukunft weiter ausbauen und vertiefen. ?Vor allem mit den niedergelassenen Onkologen und Hausärzten müssen wir noch enger zusammenarbeiten?, betont er. Im Prostatazentrum z.B. sei diese Zusammenarbeit bereits erfolgreich etabliert. Hier werden die Therapieentscheidungen von niedergelassenen und Klinikärzten gemeinsam getroffen. |
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Wie wichtig es ist, fachübergreifende standardisierte Leitlinien festzulegen, weiß Albrecht als Mitglied der deutschen Leitlinien-Kommission zum Prostatakarzinom aus eigener Erfahrung. Doch die Anstrengungen lohnen sich, wie Studien belegen: Die Heilungschancen von Patienten, die in zertifizierten Tumorzentren nach den neuesten wissenschaftlichen Standards behandelt werden, sind eindeutig besser als in anderen Einrichtungen. Fortschritte gibt es auch bei der Therapie von Brustkrebs. Ende dieses Jahres wird die Klinik mit der intraoperativen Bestrahlung des umgebenden Gewebes beginnen, ein schonendes Verfahren, das die Gefahr eines erneuten Auftretens des Tumors weiter senkt.
Albrecht studierte Medizin in Erlangen, Innsbruck und Freiburg, absolvierte ein praktisches Jahr in der Klinik des weltweit bekannten Herzchirurgen Christian Barnard im südafrikanischen Kapstadt, arbeitete zwei Jahre lang in der neuropharmakologischen Forschung und war dann als Arzt im Praktikum in der Neurochirurgie im Klinikum Mannheim tätig. Dort entdeckte er seine Liebe zur Strahlentherapie. Ihn faszinierte die Mischung von Patientenkontakt und dem Einsatz komplexer Medizintechnik. Die nächsten Stationen seiner Laufbahn waren die Strahlentherapie der Uniklinken Göttingen und Heidelberg, 2005 kam er in die Gemeinschaftspraxis im Klinikum Nürnberg.Autorin/Autor: Doris Strahler

