Psychiatrie - Klettern als Therapie?
Für Robert Schwenda ist Klettern mehr als nur ein Sport, für ihn ist es eine Lebensphilosophie. ?Das Klettern hat mich Vertrauen in meine Mitmenschen gelehrt, es gibt mir Selbstvertrauen, zeigt mir aber auch meine Grenzen ? und es führt mich in eine geradezu meditative Konzentration?, beschreibt der 48-jährige Krankenpfleger in der Psychiatrie seine Faszination. Seit über 30 Jahren schon sucht er die Herausforderung in der Felswand.
Dass Klettern nicht nur ein Sport ist, sondern Menschen in schwierigen Lebenssituationen auch Mut machen kann, davon ist Schwenda überzeugt. Nicht umsonst habe das Klettern in der Erlebnispädagogik oder in Reha-Zentren Einzug gehalten. Doch kann das Klettern auch gewinnbringend bei der Therapie von psychisch kranken Menschen eingesetzt werden? Dieser Frage ging er zum Abschluss seiner zweijährigen Fortbildung zur ?Fachpflegekraft in der Psychiatrie? nach, die sich damit wieder einmal als Ideenpool für neue Pflegekonzepte in der Psychiatrie entpuppte.
An der Uniklinik Tübingen wurde Schwenda fündig. Dort setzt man das Klettern schon seit 2001 mit Erfolg ein. Einmal in der Woche geht das Betreuerteam mit einer Patientengruppe zur nächstgelegenen Kletterhalle. Der Nürnberger Krankenpfleger konnte die Gruppe einen Tag lang begleiten und war begeistert. Die Patienten reagierten sehr individuell, aber intensiv auf ihre Erfahrungen in der Kletterwand. So ging ein Patient, der bis dahin äußerst zurückhaltend gewesen war, beim Klettern erstmals mit Betreuern und Gruppenmitgliedern in Kontakt. Das Eis war gebrochen.
?Das Klettern spricht alle Wahrnehmungsebenen der Patienten an?, berichtet Schwenda. Der Patient erlebe sich und seine Fähigkeiten in der Gruppe, fühlt sich anerkannt, trainiert unterschiedliche Bewegungsmuster, erfährt Erfolg und Misserfolg und kann über seine ureigensten Ängste hinauswachsen. Das Klettern gebe ihm neue Impulse und Selbstbewusstsein.
Für Schwenda sind dies alles gute Gründe, das therapeutische Klettern auch den Patienten der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum anzubieten. Kletterhallen gibt es im Umkreis genug. Um das Angebot allerdings regelmäßig anbieten zu können, braucht es Betreuer mit Klettererfahrung. Mitstreiter werden also gesucht.
Kontakt über das cekib, Jürgen Stadelmeyer, Tel. (0911) 398 -2153, E-Mail: jürgen.stadelmeyer@klinikum-nuernberg.de
Autorin/Autor: Doris Strahler

