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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2008 >> Ausgabe 4 >> Psychiatrie und Psychotherapie - Wenn Angst krank macht ?

Psychiatrie und Psychotherapie - Wenn Angst krank macht ?

Jeder Mensch kennt Sorgen und Ängste. Angst ist, entwicklungsgeschichtlich betrachtet, wahrscheinlich das älteste Gefühl und zum Überleben einer Spezies wohl das wichtigste. Angst hat unsere Vorfahren in die Lage versetzt, sich einem Angreifer im Kampf zu stellen oder aber rechtzeitig die Flucht ergreifen zu können. Auch heute noch ist Angst ein überlebensnotwendiges Gefühl. Sie lässt uns Gefahren und Risiken erkennen und lehrt uns entsprechendes Verhalten.

Doch wenn Angst zur inneren Qual und so heftig wird, dass sie Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtig, ist sie als eigenständige Krankheit anzusehen. Dann ist es angebracht, einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. ?Neben Depressionen gehören Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Ungefähr zehn Prozent der Bevölkerung leiden daran?, erläutert Dr. Wolf Dietrich Braunwarth, Oberarzt in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Als Alarmsignale nennt er neben dem seelischen Erleben körperliche Symptome wie schneller Puls, Herzklopfen, Schweißausbrüche, Zittern und Mundtrockenheit. Auch Magen-Darm-Probleme sowie Atembeschwerden, Brustschmerzen und ein allgemeines Beklemmungsgefühl können Anzeichen für eine Angsterkrankung sein.

Angst ist aber nicht gleich Angst. Um die passende Therapie zu entwickeln, ist es wichtig herauszufinden, um welche Art es sich handelt. Bei den spezifischen ?Phobien? werden die Angstzustände durch konkrete Situationen oder Objekte hervorgerufen. Flug- und Spinnenangst, Höhenangst und Klaustrophobie, die Angst vor Eingeschlossensein gehören dazu. ?Falls diese Formen von Angst nicht als störend empfunden werden, braucht man sie nicht zu behandeln?, beruhigt Braunwarth.

Anders verhält es sich bei Ängsten, für die es keinen konkreten Auslöser gibt. ?Panikattacken überfallen den Betroffenen plötzlich und ohne Ankündigung mit Gefühlen, die bis zu Todesangst reichen?, erklärt der Oberarzt. Häufig treten sie in Verbindung mit Angst vor öffentlichen Plätzen auf, Agoraphobie genannt. Auch die Soziophobie, die Angst, sich in der Öffentlichkeit zu blamieren, kann das Leben gravierend einschränken. Die sogenannte ?Generalisierte Angststörung? äußert sich durch ein Gefühl des andauernden Unheils oder ein permanentes ?Sich-Sorgen-machen?. Diese Formen können laut Braunwarth die Lebensqualität massiv beeinträchtigen ? oftmals gefolgt von Rückzug aus dem sozialen Leben. ?Hier ist?, so Braunwarth, ?eine Behandlung dringend angebracht.?

Welche Therapie bei Angsterkrankungen angewendet wird, hängt von der Art und Schwere der Erkrankung ab. ?Phobien kann man in der Regel gut durch eine Verhaltenstherapie in den Griff bekommen, auch bei leichter Ausprägung anderer Angststörungen kann diese Maßnahme ausreichen?, meint der Facharzt. Bei schwerer oder länger andauernder Erkrankung könne es sinnvoll sein, eine Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung vorzunehmen. ?Mittlerweile gibt es Medikamente, die gut wirken und nicht abhängig machen?, ermuntert er Betroffene, Hilfe und damit einen Ausweg aus dem Gefängnis der Angst zu suchen.

Autorin/Autor: Justina Mehringer

 
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