Onkologie - Krebs ? Todesdiagnose oder Behandlungsmarathon?
Auf die Frage ?Welche Krankheit fürchten sie am meisten?? antworten 50 Prozent der Bevölkerung mit der Angst vor Krebs. Tatsächlich sind es aber die kardiovaskulären Erkrankungen, also Herz- und Gefäßleiden, an denen die meisten Menschen versterben. Das Risiko ist hier fast doppelt so hoch. Dennoch ist die Diagnose Krebs nach wie vor ein Schock für viele Menschen. Sie setzen sie einem Todesurteil gleich oder verbinden sie zumindest mit einer langwierigen und qualvollen Behandlung ? mit ungewissem Ausgang.
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Dabei überlebt mehr als die Hälfte aller an Krebs erkrankten Menschen dank der heute möglichen Therapien. ?Bei einem frühzeitig entdeckten Tumor bestehen gute Heilungsaussichten?, bestätigt Prof. Martin Wilhelm, Chefarzt der Onkologie/Hämatologie im Klinikum Nürnberg, die relativ günstige Prognose. Die Therapie besteht dabei meist aus einer Kombination verschiedener Behandlungsformen. Nach wie vor stellt bei den meisten Krebsarten die operative Entfernung des Tumors die Grundlage der Behandlung dar. ?Der hohe Stand der Technik erlaubt schonende und präzise Eingriffe?, erläutert Wilhelm. Das Ergebnis könne durch andere Methoden wie Strahlentherapie, die fein dosierbar ist, oder medikamentöse Therapie unterstützt werden. ?Auch die gefürchteten Nebenwirkungen bei der Chemotherapie sind durch neue Substanzen heute weitaus schwächer oder können durch Gegenmittel abgemildert werden?, beruhigt der Chefarzt. Große Hoffnung setzt der Onkologe auf den Fortschritt in der Medizin. Er nennt neue Therapien, die sich auf Erkenntnisse aus der Molekularbiologie stützen und im Hinblick auf die individuellen Gegebenheiten und die genetische Ausstattung des Tumors gezielter einzusetzen und für den Patienten dadurch schonender sind. Stammzellentransplantation, Immuntherapie und Signaltransaktionshemmer sind nur einige Schlagworte. Wilhelm weist darauf hin, dass die Heilungschancen bei Krebs in den letzten Jahrzehnten langsam aber stetig gestiegen sind. |
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?Aber selbst wenn der Krebs nicht heilbar ist, können wir durch die so genannte palliative Chemotherapie den Tumor in Schach halten und dem Patienten trotz Krebs über Jahre ein lebenswertes Leben ermöglichen?, so der Onkologe. Dazu müsse in enger Abstimmung zwischen Patient und Arzt die richtige Therapie entwickelt werden. Neben dem Allgemeinzustand des Patienten spielten seine Erwartungen, Wertvorstellungen und Wünsche die entscheidende Rolle. Der Chefarzt weiß aus langjähriger Erfahrung, dass die meisten Patienten durch die Behandlung eine Verbesserung oder zumindest einen Erhalt der Lebensqualität erwarten. Daher sei immer abzuwägen, ob eine belastende Therapie individuell zu rechtfertigen ist.
Es gibt allerdings auch aussichtslose Prognosen bzw. Verläufe. In diesem Fall sei die Fairness von Seiten des Arztes gefragt, dem Patienten zu vermitteln, dass man nichts mehr gegen den Tumor unternehmen kann, ihm aber dennoch helfen wird. ?Das Ziel ist nicht Lebensverlängerung um jeden Preis, sondern ein möglichst beschwerdefreies Leben in der letzten Lebenszeit.? Wilhelm betont den Stellenwert der Palliativmedizin: ?Dafür haben wir hier im Klinikum ein speziell geschultes Team, das körperliche Beschwerden lindern kann und den Patienten sowie seine Angehörigen in dieser Zeit seelisch unterstützt.?Autorin/Autor: Justina Mehringer

