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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2008 >> Ausgabe 4 >> Nephrologie - Neuer Therapieansatz bei familiären Zystennieren

Nephrologie - Neuer Therapieansatz bei familiären Zystennieren

Normalerweise ist eine Niere etwa so groß wie eine menschliche Faust. Wenn sich aber in beiden Nieren krankheitsbedingt Zysten bilden, können die Nieren die Größe eines Fußballs erreichen. Die Beschwerden reichen dann von erhöhtem Blutdruck, Blut im Urin, Schmerzen im Bereich des Rückens und der Flanken bis zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion. Am Ende des Prozesses stehen oft Dialyse und Transplantation.

Die Medizinische Klinik 4, eine Kooperation des Klinikums Nürnberg mit der Uniklinik Erlangen, nimmt nun an zwei weltweiten Studien über neue Wirkstoffe in der Behandlung familiärer Zystennieren teil.

Die familiären Zystennieren zählen zu den häufigsten vererbbaren Erkrankungen. Ist ein Elternteil betroffen, so besteht für alle Nachkommen eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit der Übertragung des veränderten Erbmerkmals. Die Medizinische Klinik 4 ist auf Nieren- und Hochdruckerkrankungen (Nephrologie / Hypertensiologie) spezialisiert und hat in den letzten 15 Jahren u. a. über 1.000 Patienten mit familiären Zystennieren betreut.

Oberstes Ziel der Therapie ist es, den Patienten die Funktion ihrer eigenen Nieren möglichst lange zu erhalten. Wie wichtig eine gezielte und frühzeitige Behandlung ist, zeigen die aktuellen Zahlen aus der Nephrologie: Bei gut einem Drittel der rund 1.000 Patienten muss inzwischen eine Nierenersatztherapie durchgeführt werden, davon benötigen 220 Patienten eine chronische Dialyse, 165 erhielten eine Nierentransplantation.

Keine Endstation: Mit neuen Therapieansätzen will Prof. Bernd Schulze, Nephrologie,
 

?Die Ursache der Erkrankung?, erklärt Prof. Bernd Schulze, ?ist ein verändertes Gen, wodurch über komplexe Signalwege Bildung und Wachstum von Zysten in Nieren und anderen Organen ausgelöst werden.? Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume. Sie können die Größe eines Stecknadelkopfes haben, aber auch die Ausmaße einer Orange erreichen. ?Durch die Zunahme der Zysten an Zahl und Größe wird gesundes Nierengewebe verdrängt?, so der Leitende Oberarzt der Nephrologie im Klinikum Süd, ?in der Umgebung der Zysten kommt es zu entzündlichen Veränderungen mit Ausbildung von Narbengewebe und damit zur Einschränkung der Nierenfunktion.?

Dies ist ein schleichender, sich über Jahre hinziehender Prozess, bei dem die Nieren zusehends ihre Fähigkeit zur Klärung, Kontrolle und Entgiftung von Körperflüssigkeiten verlieren. Da eine Gentherapie bei dieser Erkrankung nicht möglich ist, sind laut Schulze für eine erfolgreiche Behandlung gegenwärtig vor allem zwei Ansätze wichtig: ?Zum einen ist es entscheidend, den bei über 80 Prozent der Patienten auftretenden erhöhten Blutdruck wieder auf optimale Werte einzustellen, andererseits setzen wir auf neue Medikamente, die das Zystenwachstum und damit die Größenzunahme der Nieren deutlich einschränken.?

Die Medizinische Klinik 4 als größte Einrichtung ihrer Art in Deutschland ist derzeit an zwei bedeutenden Studien beteiligt, um Medikamente gegen familiäre Zystennieren zu testen. Über 1.600 Patienten weltweit nehmen daran teil, rund 80 von ihnen kommen aus dem Klinikum Süd. Die Studien laufen über mehrere Jahre, mit ersten Zwischenergebnissen ist noch in diesem Jahr zu rechnen.          

Die Selbsthilfegruppe ?Familiäre Zystennieren e.V.? in Nürnberg trifft sich jeweils am letzten Donnerstag des Monats um 18.30 Uhr im Konferenzraum des Dialysezentrums in der Kreuzburger Str. 2. Weitere Informationen im Internet unter www.znshg.de.

Autorin/Autor: Axel Bredehöft

 
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