Leukämie-Studie - Weniger Bluttransfusionen notwendig
Dass Leukämie-Patienten mit sehr viel weniger Blutplättchen, den so genannten Thrombozyten, auskommen und sich damit aufwändige Transfusionen mit in seltenen Fällen auch schwerwiegenden Nebenwirkungen ersparen, zeigt eine wissenschaftliche Studie, an der Prof. Hannes Wandt, Oberarzt der Onkologie und Leiter der Einheit für Knochenmarkstransplantation, federführend beteiligt ist. Da sie weltweit die einzige Untersuchung zu diesem Thema ist, wird Wandt die ersten Ergebnisse im Dezember auf dem Hämatologen-Kongress in San Francisco/USA, dem internationalen Forum in diesem Bereich, vorstellen.
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Die nahezu völlige Zerstörung des Knochenmarks und damit auch der blutbildenden Zellen ist Vorraussetzung für die Therapie von Leukämie. Wenige normale Stammzellen können sich dann regenerieren und schließlich eine normale Blutbildung gewährleisten. Für die Patienten bedeutet dies aber, dass sie phasenweise keine weißen Blutkörperchen und damit keine körpereigene Abwehr mehr haben, auch rote Blutkörperchen und die für die Blutgerinnung verantwortlichen Blutplättchen sind kaum mehr vorhanden. ?Die Abwehrschwäche kompensiert man durch Quarantäne und vorsorgliche Antibiotika-Gaben, rote Blutkörperchen werden mit Hilfe von mehrere Wochen anhaltenden Transfusionen ausgeglichen, aber die Zuführung von Blutplättchen ist weitaus komplizierter?, erläutert Wandt. |
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Das liegt daran, dass die transfundierten Blutplättchen nur wenige Tage überleben. Außerdem müssen sie bei Raumtemperatur gelagert werden und bilden damit einen idealen Nährboden für Keime. Eine Transfusion kann zudem ein akutes Lungenversagen hervorrufen. Häufige Transfusionen können dazu führen, dass die Patienten Antikörper bilden, die die Blutplättchen umgehend vernichten. ?Daraus ergab sich für uns die Fragestellung, wie viele Blutplättchen ein Patient eigentlich unbedingt braucht?, erklärt Wandt.
Schon 1998 gelang ihm in einer Studie der Nachweis, dass der bisherige Grenzwert für die Transfusion von Blutplättchen unterhalb einer Konzentration von 20.000 Thrombozyten in einem Mikroliter Blut problemlos auf 10.000 herabgesetzt werden kann. Nun konnte Wandt mit seinem Team nachweisen, dass die Patienten mit einem Drittel weniger an Transfusionen auskommen. ?Es reicht völlig aus, Blutplättchen erst dann zuzuführen, wenn Blutungen zum Beispiel in den Schleimhäuten oder in der Nase beginnen?, so Wandt. ?Für die Patienten?, so der Oberarzt, ?ist das ungefährlich und völlig ausreichend, da sie sowieso überwacht werden und eine Transfusion daher unverzüglich erfolgen kann.?
Von den 400 Patienten, die an der Studie teilnehmen, kam ein Drittel aus dem Klinikum. Wandt rechnet damit, dass aufgrund seiner Ergebnisse der international gültige Grenzwert in absehbarer Zeit ganz entfallen wird und eine Transfusion von Blutplättchen nur dann erfolgt, wenn sie aufgrund von beginnenden Blutungen notwendig ist. Für den Oberarzt ist das weniger eine ökonomische Frage, weniger Transfusionen kosten auch weniger, sondern eher eine ethische Frage: ?Medizin muss sich daran ausrichten, was wirklich sinnvoll und notwendig ist.?Autorin/Autor: Bernd Siegler

