Onkologie - Wenn Eltern Krebs haben: Wie geht es weiter?
Wenn jemand an Krebs erkrankt ist, ist dies nicht nur für den Betroffenen ein Schicksalsschlag. Auch sein soziales Umfeld, in erster Linie die Familie, wird davon in Mitleidenschaft gezogen. Die Angst und Ungewissheit über den Ausgang der Erkrankung wirft oft die gesamte Lebensplanung der Familie aus der Bahn. Gleichzeitig ist es gerade die Familie, die bei Krankheit den größten Rückhalt bietet ? aber auch selbst der Unterstützung bedarf. Dabei gilt es rein organisatorische Fragen zu lösen, die den Alltag betreffen, wie auch die enorme seelische Belastung für die Beteiligten aufzufangen.
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In besonderem Maße trifft dies auf die Kinder zu. Wie werden sie mit der Krankheit des Elternteils fertig? Was kann man ihnen zumuten, was soll man besser verschweigen? Das Projekt ?Familien leben mit Krebs? der Onkologie im Klinikum gibt Hilfestellung. Seit Beginn dieses Jahres exisitiert das Projekt. Es zeigt, dass man in der Klinik für Hämatologie-Onkologie im Klinikum einen ganzheitlichen Behandlungsansatz pflegt und die Krebspatienten in ihrem gesamten sozialen Umfeld wahrnimmt. Für Prof. Martin Wilhelm, Chefarzt und Initiator des Projektes, war es ein langer Weg von den Anfängen bis zum heutigen Angebot: ?Die Betroffenen selbst waren es, die uns mit ihren Sorgen und Problemen vorgaben, was sie über die beste medizinische Versorgung hinaus benötigen.? |
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Begonnen hatte es damit, dass sich seit einigen Jahren das Foyer der Onkologie an drei Nachmittagen pro Woche in eine einladende Cafeteria verwandelt, in der sich Patienten und ihre Angehörigen bei Kaffee und leckerem, selbst gebackenem Kuchen treffen können. Serviert wird von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, deren Einsatz von Heidi Goller koordiniert wird. Als weiteres Puzzlestück zu mehr Familienfreundlichkeit konnte dank einer Spende des Lions Clubs eine gemütliche Kinderspiel- und Familienecke eingerichtet werden, um Kindern den Besuch ihrer Eltern zu erleichtern und die Angst vor der bedrückenden Atmosphäre im Krankenhaus zu nehmen.
Aus diesen Anfängen ist nun ein richtiges Projekt entstanden in Kooperation mit der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie der Abteilung für Sozialarbeit und Patientennachsorge. Zwei Betreuerinnen bieten den Patienten und ihren Angehörigen ihre Unterstützung an. Für sozialrechtliche Fragen ist die Sozialpädagogin Bettina Blachetta zuständig. ?Wer kümmert sich um die Kinder, wenn ein Elternteil im Krankenhaus liegt und der andere arbeiten muss? Welche Möglichkeiten gibt es, nicht schulpflichtige Kinder zum Reha-Aufenthalt mitzunehmen?? Diese und andere Fragen klärt Blachetta mit den Betroffenen, sie sensibilisiert den Kindergarten oder die Schule für die Belastung der Kinder und stellt bei Bedarf auch Spendenanträge, wenn Verdienstausfall droht.
Neben den organisatorischen Fragen darf man aber die seelischen Folgen für die Familie nicht übersehen. Oberärztin Dr. Susanne Gutberlet, die im Projekt für die psychologische Betreuung zuständig ist, sieht vor allem die Kinder im Fokus ihrer Aufmerksamkeit: ?Erwachsene Angehörige können sich leichter aktiv Hilfe holen und ihre Ängste artikulieren, Kinder leiden dagegen oft still und unbemerkt.?
Erkrankt ein Elternteil an Krebs, versucht man oft, die Kinder vor der Wahrheit zu schützen. Dahinter steht der verständliche Wunsch, ihnen unangenehme Erlebnisse und Angst zu ersparen. ?Kinder spüren aber, wenn es den Eltern schlecht geht?, mahnt die Therapeutin. Wenn sie den Grund nicht kennen, entstehen Angst, Verunsicherung und Vertrauensverlust. ?Wir wollen die Eltern unterstützen, offen und altersgerecht mit ihren Kindern zu sprechen, also Prävention betreiben, damit es nicht zu psychischen Störungen kommt?, formuliert Gutberlet ihr Ziel. Information und Aufklärung über die psychosozialen Hilfen bei Krebserkrankung erfolgen in Form von regelmäßig stattfindenden Themenabenden und im Einzelgespräch.
Sind medizinische, psychologische oder organisatorische Gespräche mit beiden Elternteilen nötig, ist in der Klinik auch die Kinderbetreuung durch ehrenamtliche Helfer gesichert. Nicht hoch genug bewerten kann der Chef der Onkologie die Unterstützung durch die ca. 60 ehrenamtlichen Mitarbeiter. ?Ohne das große Engagement dieser Menschen, aber auch ohne die finanzielle Unterstützung durch den Verein ?Hilfe für Krebskranke e.V.? könnten wir das Angebot in dieser Form nicht durchführen?, lobt der Chefarzt. Für ihn gehen bei dem Projekt ?professionelle und ehrenamtliche Hilfe Hand in Hand zur bestmöglichen Betreuung der Patienten und ihrer Familien?.
Weitere Projekt-Infos unter www.familien-leben-mit-krebs.de. Informationen zum ehrenamtlichen Engagement bei Heidi Goller unter Tel.(0172) 8132332, Spenden gehen an den Verein Hilfe für Krebskranke e.V., Nürnberg, Lorenzer Str. 2, 90402 Nürnberg, Spendenkonto bei der Sparkasse Nürnberg (BLZ 760 501 01), Konto Nr. 1 194 111.
Autorin/Autor: Justina Mehringer

