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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2008 >> Ausgabe 4 >> Geriatrie-Forschungspreis - Lebensqualität und knappe Ressourcen

Geriatrie-Forschungspreis - Lebensqualität und knappe Ressourcen

Ein Alterslimit für medizinische oder pflegerische Leistungen lehnt bei Befragungen eine deutliche Mehrheit noch immer ab. Doch wenn es darum geht, ein in einem Krankenhaus zur Verfügung stehendes Bett einem 56-Jährigen oder einem 82-Jährigen zu vergeben, entscheiden sich über 80 Prozent für den Jüngeren.

Für Dr. Hans-Jürgen Heppner, lange Jahre Oberarzt in der Geriatrie des Klinikums und heute Bereichsleiter internistische Intensivmedizin im Klinikum, hat die sprachliche Diskriminierung älterer Menschen mit Begriffen wie ?Altenplage?, ?Rentnerschwemme?, ?sozialverträgliches Frühableben? oder ?demographische Katastrophe? längst im Bewusstsein der Bevölkerung Wirkung gezeigt. Um dies genauer zu untersuchen, realisierte er zusammen mit Dr. Adelheid Susanne Esslinger, wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensführung, an der Universität Erlangen-Nürnberg, das Forschungsprojekt ?Lebensqualität im Alter vor dem Hintergrund knapper Ressourcen im Gesundheitswesen?. Für ihre Arbeit erhielten sie nun den renommierten Ignatius-Nascher-Preis der Stadt Wien, eine der höchsten geriatrischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

Preisträger: Im Wappensaal des Wiener Rathaus erhielten Oberarzt Dr. Hans-Jürgen Heppner und Dr. Adelheid S. Esslinger von der Wiener Sozialstadträtin Mag. Sonja Wehsely den Nascher-Preis überreicht (v.l.n.r.).
 

?Seit Jahren wird das Gesundheitswesen nicht als Wachstumsmotor Nummer eins, sondern nur als Kostentreiber angesehen?, erläutert Heppner. Zusammen mit Esslinger wollte er nun wissen, wie weit die Diskussion um knappe Ressourcen und rationales Wirtschaften in den Bereich der Altersmedizin bereits vorgedrungen ist. Dazu befragten der Mediziner und die Ökonomin Geriater in Deutschland und Österreich und bekamen sehr geteilte Meinungen zu hören. So fanden 38,8 Prozent eine kalendarische Altersgrenze für die Gewährung bestimmter medizinischer Einzelleistungen für sinnvoll, fast genau so viele, nämlich 37 Prozent, lehnten dies entschieden ab.

42 Prozent glaubten, dass heute schon ältere Patienten im Gesundheitssystem benachteiligt werden, nur knapp neun Prozent hielten es für abwegig, dass in Zukunft der Verzicht auf medizinisch und pflegerisch sinnvolle Leistungen aus Kostengründen unausweichlich sei. Die überwiegende Mehrheit war sich aber sicher, dass ältere Patienten in Zukunft besonders unter Einsparungen zu leiden haben.

Je nach Antwortverhalten teilte Heppner diese Experten in Idealisten, Realisten und Leugner ein. ?Die Idealisten gehen?, so der Oberarzt, ?davon aus, dass bereits gespart wird, sind aber dagegen. Die Realisten gehen ebenfalls von Einsparungen aus, akzeptieren diese aber. Die Leugner denken nach wie vor, dass jeder alles Erforderliche bekommt.?  Dabei gebe es bereits jetzt schon viele Formen der verdeckten Rationierung wie die Abschreckung durch Selbstbeteiligung an Kosten, die Verordnung von weniger Medikamenten und Hilfsmitteln oder höhere Hürden in der Rehabilitationsbehandlung.

Bevor diese mehr oder minder verdeckte Rationierung sich auf immer weitere Bereiche erstreckt, plädieren Heppner und Esslinger für eine ?Priorisierung?. ?Es geht darum, medizinisch und pflegerisch Wichtiges sicherzustellen, aber die Drittbrille ist nicht nötig?, erläutert der Oberarzt. Grundsätzliche Entscheidungen hierzu müssten im gesellschaftlichen Diskurs getroffen werden. Zwischen dem Streben nach optimaler Lebensqualität durch optimale Versorgung der Hochbetagten und der Rationierung sowie Kosteneinsparzwängen gehe es um ?eine Übereinkunft für eine effektive und effiziente Versorgung älterer Menschen?.         

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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