Teure Facharztausbildung - Qualifizierter Nachwuchs
Ausbildung ist Zukunft, das gilt auch für die Ausbildung des Facharztnachwuchses. Während sich immer mehr Krankenhäuser von der aufwändigen Ausbildung verabschieden und lieber fertige Fachärzte einstellen, befinden sich im Klinikum Nürnberg zurzeit 418 der 880 Ärzte in einer Aus- oder Fortbildung. Für dieses Engagement bekommt das Klinikum aber keinen Cent mehr als die Krankenhäuser, die nicht ausbilden.
Im Gegenteil. ?Rund acht Millionen Euro kostet uns die Facharztausbildung im Jahr?, bilanziert Klinikum-Vorstand Dr. Alfred Estelmann und verweist auf eine Diplomarbeit des Lehrstuhls für Gesundheitsmanagements der Universität Erlangen-Nürnberg.
Sechs Jahre dauert zum Beispiel die Ausbildung von Claudia Kupzyk zur Fachärztin für Kinderchirurgie im Klinikum Nürnberg. Die ersten zwei Jahre der Basisausbildung hat sie bereits hinter sich. In den kommenden vier Jahren muss sie u.a. 500 Ultraschalluntersuchungen und 430 Operationen nachweisen. ?Man lernt die diagnostischen und manuellen Fähigkeiten Schritt für Schritt unter der Führung eines Facharztes?, erklärt Kupzyk. Für die Fachärzte bedeute dies einen enormen Zeitaufwand, doch im Klinikum Nürnberg nehme man sich diese Zeit.
In ihrer Diplomarbeit am Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement hat nun Angela Heil Neuland betreten und die Kosten für die Facharztbildung berechnet. Am Beispiel der Gallenblasenentfernung konnte sie zeigen, dass ein Arzt in Ausbildung dafür 15 Minuten länger braucht als ein Facharzt. Jede Minute im OP kostet zudem 11,48 Euro. Zwischen 430 und 450 verschiedene Operationen muss jeder Facharzt in seiner Ausbildung durchlaufen. Wenn jeder dieser Eingriffe im Schnitt 15 Minuten länger dauert, belaufen sich die Kosten allein dafür auf 12.500 Euro pro Facharzt und Jahr. Einschließlich der Ausbildung auf den Stationen und in den Funktionseinheiten schätzt Heil die Kosten für die Ausbildung eines Facharztes auf 15.000 bis 20.000 Euro im Jahr.
Doch auch damit ist es nicht getan. Führen Ärzte in der Facharztausbildung das Skalpell, ist immer ein erfahrener Fach- oder Oberarzt mit im OP. Doppelte Personalkosten also. ?Als Budgetverantwortlicher fragt man sich dann schon, ob man die eine oder andere OP nicht lieber selber macht?, meint Prof. Dr. Viktor Bonkowsky, Chefarzt der HNO-Klinik. Doch dann sähe es in ein paar Jahren schlecht aus mit dem qualifizierten Nachwuchs für die Krankenhäuser wie für die niedergelassenen Fachärzte. ?Wir müssten dann Fachärzte aus dem Ausland anwerben, wie es Großbritannien und Norwegen heute schon tun.?
?Um die hohe Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland weiter zu gewährleisten, müssen wir weiterhin Fachärzte ausbilden,? mahnt Estelmann. Der Klinikum-Vorstand fordert daher von der Politik, im Krankenhausfinanzierungsgesetz analog zur Ausbildung von Pflegekräften einen Zuschlag zu verankern, dessen Höhe abhängig ist von der Zahl der Fachärzte in Ausbildung.Autorin/Autor: Doris Strahler

