Nuklearmedizin - Radioaktiv der Krankheit auf der Spur
Die meisten Menschen denken bei Radioaktivität zuerst an Elektrizitätsgewinnung oder an die Risiken von Kernkraftwerken. Dass radioaktive Strahlung auch dazu genutzt wird, Krankheiten aufzuspüren und zu therapieren, gerät da schnell in Vergessenheit. Dabei ist die Nuklearmedizin aus Diagnostik und Therapie vieler Erkrankungen nicht wegzudenken. Am bekanntesten ist wohl die Diagnose und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen mit Hilfe von radioaktivem Jod, die Radiojodtherapie.
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Doch das ist bei weitem nicht das einzige Einsatzgebiet der Nuklearmedizin. Mit radioaktiv markierten Substanzen kommt man auch Erkrankungen von Knochen, Herz, Hirn, Nieren oder Lungen auf die Spur. ?Wir können vor allem Funktionsstörungen von Organen nachweisen, z.B. Minderdurchblutung von Herzarealen oder Störungen im Knochenstoffwechsel?, erklärt Oberärztin Dr. Irene Greil. Oberärztin Dr. Bettina Lipécz nennt Verengungen der Herzkranzgefäße als ein Beispiel für die nuklearmedizinische Diagnostik: ?Wenn die Kollegen der Kardiologie bei einem Patienten im Herzkatheterlabor eine Verengung der Gefäße feststellen, sich aber nicht sicher sind, ob bereits Einschränkungen der Leistungsfähigkeit vorliegen, dann kommen wir zum Einsatz.? Mit Hilfe der radioaktiven Markierung überprüfen die Nuklearmediziner, ob die Durchblutung des Herzens unter Belastung gefährdet ist oder nicht. |
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Der Kardiologe entscheidet dann, ob ein Stent nötig ist oder ob mit dem Eingriff noch gewartet werden kann.
Während der Patient sich beim Radfahren auf dem Hometrainer etwas anstrengt, wird ihm eine leicht radioaktive Substanz gespritzt, mit deren Hilfe später am Bildschirm sichtbar wird, wie stark die verschiedenen Herzareale durchblutet sind. Auf ähnliche Weise kann auch die Funktionsfähigkeit anderer Organe wie Lunge, Hirn und Niere untersucht werden. Das Knochenszintigramm zeigt Störungen im Knochenstoffwechsel an und liefert damit wichtige diagnostische Hinweise auf Tumore und Metastasen.
Dementsprechend häufig werden die diagnostischen Leistungen der Nuklearmedizin von anderen Fachkliniken angefragt. So wurden 2007 450 Herz- und 1.100 Lungenuntersuchungen getätigt, dazu kamen 1.300 Knochen- und 500 Tumorszintigraphien, 200 Untersuchungen von Wächterlymphknoten bei Krebserkrankungen und 1.000 Schilddrüsenszintigrafien. Die meisten der 600 Nierenuntersuchungen entfallen auf Kinder, die an angeborenen Harnabflussstörungen leiden. Alles in allem sind es über 5.000 Patienten im Jahr.
Im Klinikum Süd hat die Nuklearmedizin nun auch technisch aufgerüstet. Zwei neue Kameras, sogenannte E-Cams, liefern nun dreidimensionale Bilder in bester Qualität von den Organen, die den Nuklearmedizinern die Diagnose erleichtern. Zudem beschleunigen die neuen Kameras den Untersuchungsablauf. Beide Kameras sind SPECT-fähig, d.h. sie bewegen sich um den Patienten herum. ?Vorher mussten die Patienten oft mehrmals umgelagert werden, um dreidimensionale Bilder zu bekommen?, erklärt die Medizinisch-Technische Assistentin Karin Heyer. Die E-Cams verkürzen so den Zeitaufwand pro Untersuchung erheblich. Auch an Farbe hat die Nuklearmedizin am Standort Süd gewonnen, wurden die Räume doch komplett renoviert.Autorin/Autor: Doris Strahler

