Forschungsinstitut - Das Klinikum ein bedeutender Wirtschaftsfaktor
Während in Dortmund nach den Rekordverlusten des kommunalen Klinikums derzeit über ein Sanierungsgutachten einer privaten Unternehmensberatungsfirma gestritten wird und immer wieder eine Privatisierung des 1.700-Betten Krankenhauses ins Gespräch gebracht wird, haben die Bürger der Stadt Leipzig in einem Bürgerentscheid im Januar 2008 mit großer Mehrheit gegen eine Privatisierung von Betrieben der kommunalen Daseinsvorsorge votiert. 87,4 Prozent waren dafür, dass Verkehrsbetriebe, Stadtwerke, Wohnungs- und Baugesellschaft, Wasserwerke und das Klinikum Sankt Georg weiterhin zu 100 Prozent in kommunalem Eigentum verbleiben.
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In Nürnberg schreibt das Klinikum aufgrund der neuen Krankenhausfinanzierung erstmals seit zehn Jahren rote Zahlen, und die Stadt muss letztendlich die Verluste ausgleichen. Doch mit seiner Mahnung an den Gesetzgeber, endlich für eine leistungsgerechte Finanzierung der großen Krankenhäuser zu sorgen, verknüpft Oberbürgermeister Dr.Ulrich Maly stets den hohen Stellenwert des Klinikums für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung und die ökonomische Bedeutung des Klinikums für die ganze Region. Diese Argumentation wird jetzt von einem Gutachten des Instituts für Gesundheitsökonomik gestützt. Das Münchner Forschungsinstitut untersuchte ?die Bedeutung des Klinikums Nürnberg für die Metropolregion?. ?Wir haben es nun schwarz auf weiß: Das Klinikum ist nicht nur als Krankenhaus der Maximalversorgung für die Bürger der Region von entscheidender Bedeutung, sondern auch als Wirtschaftsfaktor?, betont Klinikum-Vorstand Dr. Alfred Estelmann. |
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Ausgangslage der Studie, an der vom Stab des Klinikums Dr. Thomas Grüneberg und Gabriele Pietsch beteiligt waren, war die Bedeutung der Gesundheit als Wirtschaftsfaktor. So ist in der Bundesrepublik heute etwa jeder neunte Erwerbstätige im Gesundheitswesen beschäftigt. Mit einem Anteil von rund 10,6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt ist die Gesundheitswesen nicht nur die arbeitsintensivste Branche, sondern auch einer der größten Wirtschaftszweige sowohl in Deutschland, als auch in Europa.
In Deutschland gehört die Versorgung der Bevölkerung mit Krankenhausleistungen zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Klinikum Nürnberg ?mit seinen 28 Kliniken, acht Instituten und 14 Zentren, mit 29 Operationssälen, 118 Intensivbetten sowie speziellen Einrichtungen für Schwerstbrandverletzte und zwei Helikopter-Landeplätzen ein breites Leistungsspektrum vorhält?. Dazu komme ein Notfalldienst rund um die Uhr sowie sieben Tageskliniken in verschiedenen Fachdisziplinen. In 2.200 Betten werden im Jahr und 85.000 Patienten stationär und 68.500 Patienten ambulant behandelt. Damit habe das Klinikum eine ?herausragende Bedeutung für die Versorgung der Bevölkerung?.
Arbeitgeber und Ausbilder
Doch über diese Versorgungsfunktion für die Bürger hinaus werden sich immer mehr Städte und Gemeinden der ökonomischen Bedeutung ihrer Krankenhäuser als Arbeitgeber, als Ausbildungsstätte oder als Nachfrager weiterer lokaler und regionaler Wirtschaftsleistungen bewusst. Mit 5.800 Beschäftigten gehört das Klinikum zu den großen Arbeitgebern in der Region. Es hat damit fast doppelt so viele Beschäftigte, wie im gesamten Sektor der Energie- und Wasserversorgung in Nürnberg tätig sind. Zum Vergleich: Die Gastronomie in der Stadt kommt auf 6.860 und das Baugewerbe auf 7.370 Beschäftigte. Die Autoren der Studie heben zudem die Attraktivität der Arbeitsplätze im Klinikum als ?sicher und zukunftsträchtig? sowie als ?familienfreundlich? hervor. Ein hoher Anteil an Teilzeitarbeitsplätzen sowie hauseigene Kindergarten- und Krippenplätze am Haus erlaubten es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.
Während alle Jahre wieder der Mangel an Lehrstellen oder die Ausbildungsmüdigkeit von deutschen Unternehmen angeprangert wird, bildet das Klinikum weiterhin über den eigenen Bedarf hinaus aus. 2006 waren es über 500 Ausbildungsplätze für Gesundheits- und Krankenpfleger, Medizinisch-Technische-Radiologieassistenten und Medizinische Fachangestellte. Zudem werden knapp 400 Ärzte zu Fachärzten weiter gebildet.
Während Krankenhäuser oft nur als Kostenfaktor betrachtet werden, untersuchten die Autoren der Studie die Rolle des Klinikums als Generator von Sozialversicherungsbeiträgen. So summieren sich im Klinikum die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr auf 25,6 Millionen Euro und zur gesetzlichen Krankenversicherung auf rund 23 Millionen Euro. Allein durch die Krankenversicherungsbeiträge der Klinikums-Mitarbeiter könnten demnach ?rund 7.325 stationäre Patienten am Klinikum finanziert? werden. Durch seine eigene Nachfrage nach Gütern anderer Wirtschaftszweige innerhalb und außerhalb der Metropolregion finanziert das Klinikum außerdem jährlich etwa 2.030 Arbeitsplätze. Damit erweise sich das Krankenhaus auch als eine ?Säule der regionalen und lokalen Infrastruktur?.
Eindeutiges Fazit
Das Fazit der Studie fällt eindeutig aus: ?Wie die Untersuchungen gezeigt haben, trägt das Klinikum Nürnberg als größtes kommunales Krankenhaus der Metropolregion entscheidend zur Umsetzung des Daseinsvorsorgeauftrages des Staates, d.h. der Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Krankenhausleistungen, bei. Über die Versorgungsfunktion hinaus ist auch dessen herausragende Bedeutung als Wirtschaftsunternehmen, als Arbeitgeber und als Kernbereich der Nürnberger Gesundheitswirtschaft hervorzuheben.? Prof. Günter Neubauer, der als Direktor des Instituts die Studie verantwortet, beklagt es, dass Krankenhäuser oft immer noch auf ihre alleinige Funktion als Versorger reduziert würden, anstatt entsprechend ihrer regionalökonomischen Bedeutung als wichtiges Wirtschaftsunternehmen betrachtet zu werden. ?Wir befinden uns hier?, so Neubauer, ?eher am Anfang als am Ende eines in Deutschland stattfindenden Umdenkprozesses.?
Auch Klinikum-Vorstand Estelmann mahnt ein solches Umdenken vor allem angesichts der wirtschaftlichen Schieflage an, in die viele Krankenhäuser der Maximalversorgung durch die Reform der Krankenhausfinanzierung geraten sind. ?Hier besteht dringender politischer Handlungsbedarf?, betont Estelmann, ?schließlich geht es um eine qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung, aber auch um einen bedeutenden Wirtschafts- und Standortfaktor für Nürnberg und die Region.?Autorin/Autor: Bernd Siegler

