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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2008 >> Ausgabe 3 >> Gestationsdiabetes - Zuckerkrank durch Schwangerschaft

Gestationsdiabetes - Zuckerkrank durch Schwangerschaft

Ein Phänomen, das in den USA schon lange als Problem erfasst und durch Routinekontrollen auch frühzeitig feststellbar ist, wird langsam auch in Deutschland wahrgenommen: Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes. Etwa fünf Prozent aller Schwangeren sind davon betroffen. Im Unterschied zu einer Diabetikerin vom Typ 1, die schwanger wird, tritt Schwangerschaftsdiabetes bei einer bislang gesunden Patientin erstmals während der Schwangerschaft auf. Wird die Stoffwechselstörung nicht rechtzeitig erkannt, kann dies Folgen für die Geburt und die spätere Gesundheit von Mutter und Kind haben.

Sabine G. verdankt es ihrer Frauenärztin, dass bei ihr die Krankheit frühzeitig entdeckt wurde. Bei einer Ultraschalluntersuchung vermutete diese ein erhöhtes Gewicht des Kindes. Um eine Risikogeburt auszuschließen, überwies sie ihre Patientin ins Südklinikum. Dr. Maja Melamed, Oberärztin in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, erklärt: ?Wenn das Wachstum des Ungeborenen im oberen Bereich liegt, kann das tatsächlich Indiz für einen Schwangerschaftsdiabetes sein, da der erhöhte Blutzuckerspiegel der Mutter meist zu einer Gewichtszunahme des Kindes führt.? Um sicher zu gehen, führt sie dann einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) durch. ?Das ist ein Zuckerbelastungstest, mit dem man sofort feststellen kann, ob ein Gestationsdiabetes vorliegt?, so Melamed. Diesen Test bezahlen die Krankenkassen für Schwangere, bei denen Verdacht auf Diabetes vorliegt.

Ist der Test positiv, wie bei Sabine G., erstellt die Diätberaterin mit der Mutter einen Ernährungsplan, den diese eine Woche lang befolgt. Sie misst zuhause selbst ihren Blutzucker und erstellt ein Tagesprofil. ?Die Ergebnisse zeigen meist?, so die Ärztin, ?dass eine Diät während der Schwangerschaft ausreicht.?

Sollte zusätzlich die Gabe von Insulin nötig sein, stellt Privatdozent Dr. Helmut Walter aus der Nephrologie die Patientin auf die nötige Dosierung ein. ?Auch wenn das Kind bereits zu groß ist, kann durch Regulierung des Blutzuckers das kindliche Wachstum wieder normalisiert werden?, erklärt der Diabetologe. ?Entdeckt man den Diabetes im Zeitraum von der 24. bis zur 28. Woche, kann man eine normale Schwangerschaft daraus machen.?

Walter empfiehlt den oralen Test generell allen schwangeren Frauen, ?besonders aber Frauen mit Übergewicht, familiärer Veranlagung, hohem Gewicht bei früheren Geburten oder bei erfolgten Fehlgeburten?.

Ziel der Gynäkologin ist in erster Linie, Geburtsrisiken zu verhindern, die bei unbehandeltem Schwangerschaftsdiabetes vorliegen. Aber auch die Gefahr einer Unterzuckerung des Kindes zu vermeiden, was eine Überwachung nach der Geburt nötig mache.

Für den Diabetesspezialisten geht sein Auftrag noch einen Schritt weiter: ?Wir wollen Risiken für die Nachkommen verhindern, da die Konditionierung für einen späteren Diabetes bereits im Mutterleib beginnt.?

Die temporäre Erkrankung der Mutter, die in der Regel einige Tage nach der Geburt wieder verschwunden ist, sollte aber weiter beobachtet werden. ?Frauen mit Gestationsdiabetes haben im Laufe ihres Lebens ein höheres Risiko, an Diabetes mellitus des Typs 2 zu erkranken?, mahnt Walter. Auch Sabine G. will sich nach ihrer Entbindung einmal jährlich durch ihren Hausarzt kontrollieren lassen.

Autorin/Autor: Justina Mehringer

 
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