Burn-out - Hohes Risiko für helfende Berufe
Ob Hausarzt, Psychotherapeut, Krankenschwester oder Arzt - Statistiken belegen, dass neben Lehrern und Polizisten die helfenden Berufe am meisten gefährdet sind, an Burn-out zu erkranken. Die Kompetenz, die diese Berufsgruppe in ihrer Arbeit mit den Patienten ? auch solchen, die am Burn-out-Syndrom leiden ? auszeichnet, versagt oft, wenn es um die eigene Gesundheit geht.
Die Gründe dafür sind vielschichtig. Dr. Susanne Gutberlet, Oberärztin in der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin, nennt neben der persönlichen Disposition wie Helfersyndrom und Perfektionismus auch spezifische Belastungen im Gesundheitswesen, die ein Ausbrennen, ein Burn-out, begünstigen: ?Der immer größere Kosten- und somit Zeitdruck im Krankenhaus und damit auch die kürzere Verweildauer führen dazu, dass weniger Zeit für die Patienten übrig bleibt.? Das gilt auch für niedergelassene Ärzte, die 100 Patienten und mehr am Tag ?verkraften? müssen. Ein kompliziertes Abrechnungssystem fordert zusätzlich seinen Tribut. ?Je weniger Zeit für die einzelnen Patienten bleibt?, so Gutberlet, ?desto höher ist das Burn-out-Risiko.?
Die Burn-out-Problematik in den helfenden Berufen ist deshalb besonders schwerwiegend und verdient eine eigene Betrachtungsweise, weil andere Menschen mit ihren körperlichen oder seelischen Problemen im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen. Diese erwarten, dass man immer verfügbar, freundlich und zugewandt ist und größtmögliche Aufmerksamkeit schenkt. ?Der Medizinbereich lädt förmlich dazu ein, dass man als Helfender seine Bedürfnisse übergeht und länger aushält, als einem zuträglich ist?, macht Gutberlet auf die besondere Gefährdung aufmerksam.
Wenn sich dann die Beziehung zum Patienten verschlechtert, weil der Arzt oder Therapeut nicht mehr die nötige Empathie aufbringen kann, wird das Geben immer anstrengender und es kommt immer weniger zurück. Erfolgserlebnisse werden seltener und Frustration macht sich breit. ?Dieser Teufelskreis lässt sich schwer durchbrechen, da sich die Entwicklung meist schleichend vollzieht und von den Beteiligten oft erst spät wahrgenommen wird?, weiß die Ärztin. Warnsignale wie rasche Erschöpfung, Zynismus und Distanz zu den Patienten werden oft ignoriert. Am Ende stehen Selbstzweifel, Schuldgefühle und das Gefühl des persönlichen Versagens. Die Gefahr von Alkohol- und Betäubungsmittelmissbrauch steigt.
Zudem sind im Klinikalltag Störungen und Unterbrechungen an der Tagesordnung und erzeugen mit den berufstypischen belastenden Inhalten, wie Umgang mit Leid und gar Tod und der großen Verantwortung, einen enormen Druck. ?Schon während des Studiums wird uns Ärzten eingebläut, welch schwerwiegende Folgen unsere Fehler haben können?, erinnert sich die Oberärztin. Deshalb ist es wichtig, dass die in diesen Berufen Tätigen über ihre Belastungen sprechen. Die Psychotherapeuten können auf Supervision zurückgreifen, aber auch eine Aussprache im Kollegenkreis kann dabei unterstützen, dass der Burn-out-Prozess nicht eskaliert.
Wo die Einflussnahme des Einzelnen auf die äußeren Umstände gering ist, erachtet es Gutberlet als wichtig, die eigenen Ressourcen zu nutzen oder neue Wirkungsfelder zu entdecken, sei es innerhalb des Berufes oder im privaten Lebensbereich. ?Ein Patentrezept habe ich auch nicht. Jeder Mensch hat andere Quellen, aus denen er Kraft schöpfen kann.? Sie empfiehlt Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst. Es sei wichtig, den eigenen Bedürfnissen Raum zu geben, Störungen wahrzunehmen und rechtzeitig zu reagieren.
?Nur wenn ich für mich selbst sorgen kann, kann ich anderen etwas geben?, so die Ärztin und Psychotherapeutin. Damit lasse sich das, was den Beruf ausmache, am besten bewahren: ?Freude und Kraft aus einer erfüllenden Arbeit gewinnen.?
Burn-outBurn-out ist ein chronischer körperlicher, emotionaler und mentaler Erschöpfungszustand in Zusammenhang mit der Berufstätigkeit und vollzieht sich als schleichender Prozess über einen längeren Zeitraum. Betroffen sind oft Menschen mit hohem beruflichen Engagement. Als Ursachen gelten persönliche Faktoren wie Perfektionismus oder Helfersyndrom, aber auch Arbeitsplatzfaktoren wie Zeitdruck oder wenig Anerkennung, sowie gesellschaftliche Faktoren wie drohender Arbeitsplatzverlust. Die Symptome reichen über Reizbarkeit, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen bis zu körperlichen Beschwerden. Die Folgen können sozialer Rückzug und Krankenstand sein.
Autorin/Autor: Justina Mehringer

