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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2008 >> Ausgabe 3 >> Aufnahmeklinik - Neue Struktur nach Schweizer Vorbild

Aufnahmeklinik - Neue Struktur nach Schweizer Vorbild

Ob Glasscherbe im Fuß, gebrochener Arm, Blinddarm, Herzinfarkt, Autounfall oder schwerste Verbrennung, insgesamt 70.000 Notfallpatienten werden in den Notaufnahmen im Klinikum Nürnberg an den beiden Standorten Nord und Süd im Jahr behandelt. Bei Ärzten und Pflegenden bestimmt oft Hektik den Alltag, für Patienten bedeutet das dagegen häufig Wartezeiten und für besorgte Angehörige eine oft sehr lange Zeit zwischen Hoffen und Bangen. Das wird sich nun grundlegend ändern. ?Der gesamte Bereich Notaufnahme und Intensivmedizin wird neu konzipiert?, erläutert Dr. Dr. Günter Niklewski, Leiter des Bereichs Medizin im Klinikum.

?Ich habe mir dazu im letzten Jahr viele Notaufnahmen in Deutschland und der Schweiz angeschaut, und das Universitätsspital in Basel hat das zurzeit beste Konzept?, berichtet Niklewski, der die strategische Neuausrichtung der Aufnahmeklinik vorbereitet hat. In der Schweiz orientiert man sich schon seit einigen Jahren am anglo-amerikanischen Notfallmanagement und entwickelte sich damit zum Vorbild in Europa.

Gerade am Universitätsspital Basel hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Im Januar 2006 wurde die Notaufnahme baulich und medizin-technisch auf den neuesten Stand gebracht und völlig umstrukturiert. Interdisziplinarität heißt das Zauberwort. Rund um die Uhr sind ein spezialisierter Pflegedienst und ein interdisziplinäres Ärzteteam aus Chirurgie, Innerer Medizin, Anästhesiologie und Radiologie sowie Spezialisten aller Disziplinen einsatzbereit.

Um die Abläufe zu optimieren, wurden zum Beispiel die Behandlungsplätze nach Schweregrad der Erkrankung räumlich von einander getrennt. In einem speziellen Raum werden die Patienten begrüßt und einem Behandlungsort zugeteilt. So kann eine spezialisierte Behandlung schneller durchgeführt werden. Schalldichte Abgrenzungen zwischen den Behandlungsplätzen erhöhen die Intimsphäre und schaffen Vertraulichkeit. Lichtführung und farbliche Elemente erleichtern die Orientierung.

 

Neuer Chefarzt

Mit dem Oberarzt in der Notaufnahme des Universitätsspitals Basel, Privatdozent Dr. Michael Christ, hat nun das Klinikum Nürnberg einen Mann zum Chefarzt der Aufnahmeklinik berufen, der das Schweizer Modell aus dem Effeff kennt. Seit 2005 war der Kardiologe und Notfallmediziner maßgeblich an der Umstrukturierung in Basel beteiligt. Nun kann er in Nürnberg das Schweizer Modell umsetzen. Dazu wurden die Bereiche Notaufnahme und Intensivmedizin in einer eigenständigen Aufnahmeklinik unter seiner Leitung zusammengefasst.

 

Vorreiter in Deutschland

?Das Klinikum Nürnberg wird in Deutschland bald eine Vorreiterrolle einnehmen?, ist sich der neue Chefarzt der Aufnahmeklinik sicher. Zusammen mit dem Klinikum Leipzig orientiert sich Nürnberg am Schweizer Vorbild. ?Wir in der Aufnahmeklinik sind die ersten, die sich um den Patienten kümmern,? berichtet Christ. Da komme es darauf an, schnell die richtige Therapie einzuleiten, aber auch die Kommunikation zwischen allen Beteiligten müsse stimmen. Dabei sollte aber immer der Patient mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt stehen. So müsse man zum Beispiel stärker berücksichtigen, dass ?Patienten in der Notaufnahme Angst haben?.

Der neue Chefarzt kündigt ?viele kleine Schritte? an, die das Gesicht der Aufnahmeklinik in den nächsten Monaten und Jahren verändern werden. So will er standardisierte Konzepte für die Akutbehandlung noch stärker mit den einzelnen Fachdisziplinen abstimmen. Auch das Thema Wartezeiten will er offensiv angehen. So müsse man durch gezielte Ablaufplanung sicherstellen, dass Befunde auch dann schnell vorliegen, wenn die Notaufnahme einmal überfüllt sein sollte.

Wichtig sei aber auch, den Patienten über den Ablauf seiner Untersuchungen auf dem Laufenden zu halten. ?Wir müssen ihm sagen, wann mit den ersten Untersuchungsergebnissen zu rechnen ist?, nennt Christ ein einfaches, aber wirksames Mittel gegen Patientenfrust. Er will auch prüfen, wie lange ein Patient auf die Einleitung einer Schmerztherapie warten muss. Um solche internen Abläufe eng auf die Bedürfnisse der Patienten abzustimmen, sollen nun die Patienten befragt werden.

Seit Anfang des Jahres sind zudem die drei Intensivstationen der Inneren Medizin im Klinikum Nord der neuen Aufnahmeklinik zugeordnet. Sie sollen nach Fertigstellung des Neubaus des Theo-Schöller-Hauses auch räumlich zusammengelegt werden. Da sich die Anforderungen an Ärzte und Pflegekräfte ähneln, hält es Christ für sinnvoll, die Notaufnahme mit den Intensivstationen organisatorisch und räumlich unter einem Dach zu vereinen: ?Durch solch eine enge Vernetzung wird die akutmedizinische Patientenversorgung fachlich und organisatorisch verbessert.?

Autorin/Autor: Doris Strahler/Bernd Siegler

 
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