Mitarbeiterumfrage zum Thema: - Alkoholverbot für Jugendliche?
Immer mehr Jugendliche trinken immer mehr Alkohol, manche bis zur Bewusstlosigkeit. Vorschläge, was zu tun sei, gibt es viele. Sie reichen vom Werbeverbot für Alkohol, Verkauf von jeglichem Alkohol nur an Erwachsene bis zum Verbot des Trinkens im öffentlichen Raum. Für was plädieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums?
Dr. Beate Raab (47), Oberärztin der Hals-Nasen-Ohren-Klinik im KNN, seit 20 Jahren im Klinikum:
Verbote helfen nicht, sie schaffen eher neue Anreize. Ich bin stattdessen dafür, die Kinder und Jugendlichen über die Folgen und vor allem über die Spätfolgen von Alkohol zu informieren. Wer weiß denn schon, wie es einem Alkoholiker beim Entzug geht, wer ahnt schon etwas von Leberschäden oder Speiseröhrenkrebs. Da gibt es erhebliche Wissensdefizite. Alkohol müsste eigentlich als Droge mit allen negativen Begleiterscheinungen dargestellt werden.
Lucia Napolitano (39), Krankenpflegehelferin in der Unfallchirurgie im KNS, seit 22 Jahren im Klinikum:
Die Entwicklung, dass sich immer mehr Jugendliche betrinken, ist traurig. Ich glaube, da liegt viel in der Erziehung im Argen. Die Eltern sind falsche Vorbilder, sie schenken ihren Kindern nicht genügend Aufmerksamkeit und kümmern sich zu wenig um sie. Ein anderes Problem ist es, dass Kinder und Jugendliche viel zu leicht an Alkohol herankommen. Ladenbesitzer, Gastwirte und Tankwarte wollen doch alle nur ein Geschäft machen.
Reinhard Schenk (44), DV-Organisator im KNN, seit sechs Jahren im Klinikum:
Mit Verboten ist das so eine Sache, weil sie nicht funktionieren. Alkohol lässt sich für Jugendliche nicht ultimativ verbieten. Die sind doch nicht blöd, die finden Mittel und Wege, an Alkoholika heranzukommen. Wenn man das Problem lösen will, muss man an den Gründen ansetzen, warum Jugendliche sich betrinken. Das ist doch eine Frage von Perspektiven, persönlichen Zielen und deren Erreichbarkeit.
Erika Tepfenhart (37), Gesundheits- und Krankenschwester in der Gastroenterologie im KNN, seit 16 Jahren im Klinikum:
Alkohol erst ab 18 Jahren, das finde ich gut. Man müsste aber die Jugendlichen mehr über die schädlichen Folgen des Konsums von Alkohol aufklären. Außerdem gibt es viel zuviel Werbung vor allem für alkoholische Mischgetränke. Die schmecken süß, da merken die Kids den Alkohol nicht. Wenn Jungs sich betrinken, dann weil sie sich beweisen wollen, aber warum die Mädchen?
Dr. Beate Babler (45), Stationsärztin in der Geriatrie im KNS, seit 15 Jahren im Klinikum:
Sich zu betrinken, gehört heute anscheinend richtig dazu, es ist modern, es macht Spaß. Dem müsste man vermehrte Aufklärung entgegensetzen. Es fehlen Informationen über die Schäden, die Alkohol bewirkt. Verbote halte ich für unwirksam, Kinder und Jugendliche besorgen sich den Alkohol dann auf anderen Wegen. Letztendlich kommt es aber auf die Eltern an. Sie haben Vorbildfunktion und leben den Kindern den Umgang mit Alkohol vor.
Gerdi Richter (48), Chefarztsekretärin der Frauenheilkunde im KNN, seit acht Jahren im Klinikum:
Als erstes müsste man den Preis für nicht-alkoholische Getränke deutlich senken. Es kann doch nicht sein, dass in einer Disco der Viertelliter Mineralwasser vier Euro kostet und irgendein Mischgetränk nur drei. Dann sollte man Alkohol erst ab 18 Jahren kaufen dürfen. Diese Regelung müsste man aber mit Kontrollen und entsprechenden Strafen auch konsequent umsetzen ? vor allem bei den Tankstellen.
Elke Kottenstein (45), Gesundheits- und Krankenschwester im U&B-Bereich, Haus 22, im KNN, seit zwölf Jahren im Klinikum:
Meiner Meinung nach wäre mehr Aufklärung notwendig. Vielleicht sollte man mit den Jungs und Mädchen in die Krankenhäuser gehen. Auch beim Betrinken gibt es ja kaum mehr Unterschiede, Jungs und Mädchen nähern sich in ihrem Verhalten sowieso immer mehr an. Verbote bringen, glaube ich, gar nichts. Da sind eher die Eltern als Vorbild entscheidend, also die Frage, wie zu Hause mit Alkohol umgegangen wird.
Norbert Seitz (57), Angestellter im Empfang im KNS, seit 36 Jahren im Klinikum:
Das ist ein schwieriges Problem. Die Gesetze sind eigentlich ausreichend, aber es bräuchte mehr Sozialarbeit. In anderen Städten gibt es Streetworker oder Polizisten in Zivil, die die Treffpunkte der Jugendlichen ansteuern und mit ihnen reden. Den Jugendlichen fehlt es ganz einfach an attraktiven Freizeitangeboten und an Perspektiven. Die Älteren sollen immer länger arbeiten, und die Jüngeren bekommen keine Arbeit. Da müsste man ansetzen.
Autorin/Autor: Bernd Siegler

